Stolberg - Giftige Pflanzen in Stolberg: Ernsthafte Gefahr für Mensch und Natur

Giftige Pflanzen in Stolberg: Ernsthafte Gefahr für Mensch und Natur

Von: Ottmar Hansen
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Gefahr für die Gesundheit des Menschen und den Fortbestand vieler heimischer Pflanzen: Der Riesenbärenklau, auch Herkulesstaude genannt, gehört zu den Schädlingen, die von der Biologischen Station bekämpft werden Foto: stock/Steffen Schellhorn

Stolberg. Mit seinen roten Blüten ist es so schön anzusehen, doch das „Drüsige Springkraut“ stellt für die Uferauen von Inde und Vichtbach eine durchaus ernste Bedrohung dar. Die bis zu zwei Meter hohen Pflanzen, die ursprünglich aus dem Himalaya stammen, verbreiten sich fast explosionsartig und ersticken fast sämtliche heimische Blumen- und Gräserarten.

Wenn das Springkraut nicht bekämpft wird, ist zu befürchten, dass die Bachufer auf Dauer ausgespült werden.

„Das Problem ist nicht klein zu reden“, bestätigte Christoph Vanberg von der Biologischen Station der Städteregion Aachen die Befürchtungen eines Lesers unserer Zeitung. Zwar stagniere der Befall des Stolberger Stadtgebietes mit Springkraut seit gut fünf Jahren, „aber auf hohem Niveau“. Zwar sei die giftige Pflanze für den Menschen nicht sehr gefährlich (Erbrechen), aber sie sei eben dafür verantwortlich, dass immer mehr heimische Pflanzen verdrängt werden.

Mit Muskelkraft bekämpfen

Deshalb werde das Springkraut von der Bio-Station regelmäßig bekämpft. Nicht mit Gift, sondern mit Muskelkraft. Vanberg: „Man muss die Pflanzen ausreißen, bevor die reifen Früchte rausspringen.“ Hat das Kraut erst einmal Blüten getrieben, kann eine einzige Pflanze bis zu 1000 Samen über Meter durch die Luft befördern. Obwohl die Pflanzen schon nach einem Jahr wieder absterben, kann ein einziges Springkraut innerhalb kürzester Zeit mehr als eine Million neue Exemplare schaffen.

„Man muss das Springkraut ausreißen oder 30 Zentimeter über dem Boden abschneiden“, empfiehlt Christoph Vanberg. Die Wurzeln des Springkrauts sitzen nicht fest im Boden. Im Gegensatz zu Brennnesseln oder Erlen, die tiefe Wurzeln in den Boden treiben, sorgen sie deshalb auch nicht für die Befestigung des Bodens am Bachufer. „Über Jahre wird der Uferbereich dann weggespült“, weiß Vanberg.

Von den Kommunen sei bei der Bekämpfung des Springkrauts leider keine Unterstützung zu erwarten, bedauert der Experte der Bio-Station: „So lange es dafür keine gesetzliche Verpflichtung gibt, mähen die städtischen Mitarbeiter lieber ständig den Rasen im Park, statt an den Bachufern tätig zu werden.“ Dabei ist im Bundes-Naturschutzgesetz durchaus geregelt, dass die Ufer an heimischen Gewässern auch heimischen Tier- und Pflanzenarten vorbehalten sein müssen.

Ebenso „einnehmend“ wie das Springkraut ist der Japanische Staudenknöterich, der die Bachauen in der Region befallen hat. „Der Knöterich wird bis zu 2,50 Meter hoch, wächst sehr dicht und verdrängt alles andere“, so Vanberg. Das Problem bei der Bekämpfung dieser Pflanze: „Selbst kleinste Wurzelreste treiben wieder aus.“ Auch geringere Bestände muss die Bio-Station deshalb fest im Auge behalten. Vanberg: „Der Staudenknöterich kann Hektar große Bestände bilden. Da ist dann alles an Orchideen oder anderer natürlicher Vegetation weg.“ Die Bekämpfung des Knöterichs ist ebenso wie beim Springkraut sehr personalintensiv.

Während Springkraut und Staudenknöterich eher am Gewässer wachsen, kommt die spät blühende kanadische Goldrute auch mit trockenem Untergrund klar. „Die Pflanze ist aber zumindest durch Mähen gut zu bekämpfen“, freut sich der Experte über einen „Vorteil“.

Immer mehr verbreitet sich in der Stolberger Region auch der hoch giftige Riesenbärenklau, auch Herkulesstaude genannt. Und diese Pflanze, die bis zu drei Meter hoch wachsen kann, nimmt nicht nur anderen den Lebensraum weg – sie ist für den Menschen äußerst gefährlich. „Und zwar nicht zu knapp“, betont Christoph Vanberg.

Bei Berührung hinterlässt sie schwerste Verbrennungen auf der Haut. Selbst Helfer der Biologischen Station und Waldarbeiter, die die Gefahr kennen, hätten durch die Pflanze schon derartige Hautverbrennungen erlitten, dass sie ärztlich versorgt werden mussten und zum Teil für längere Zeit krankgeschrieben wurden. Vanberg: „Der Riesenbärenklau würde sich rapide ausbreiten, wenn sich die Untere Landschaftsbehörde und die Biologische Station nicht intensiv um das Problem kümmern würden.“ Manche Spazierwege seien nur dank des frühen Hackeinsatzes der Helfer begehbar geblieben.

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