Stolberg - Gibt es genug Ehrenamtler in Stolberg?

Gibt es genug Ehrenamtler in Stolberg?

Von: Thomas Waltl
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Der Jugendbus ist das ganze Jahr – vor allem aber in den Ferien – in Stolberg on Tour. Ob an der Atsch, in Münsterbusch oder in anderen Stolberger Stadtteilen, der Bus erfreut sich immer großer Beliebtheit. Foto: D. Müller
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„Ehrenamtliche Helfer gab es bei den Ferienspielen auch in Form von Praktikanten, aber das in sehr überschaubaren Mengen“, sagt Michael Bosseler vom Jugendamt (rechts).

Stolberg. Der Schulalltag ist sowohl bei Kindern als auch bei Eltern wieder eingekehrt. Ein guter Zeitpunkt, um sich noch mal mit den Ferienangeboten in den vergangenen Wochen zu beschäftigen. Besser gesagt, mit denen, die dafür sorgen, dass die Freizeitangebote überhaupt erst reibungslos ablaufen können. Denn das sind die ehrenamtlichen Helfer.

Bei diesem Thema werden jedoch gerne Stimmen laut, dass es immer schwieriger werde, Ehrenamtler zu finden. Doch stimmt das wirklich? Gibt es wirklich zu wenig Ehrenamtliche in der Kupferstadt? Wir haben bei einigen Stolberger Einrichtungen nachgefragt:

Die Alte Schule Venwegen kümmert sich um die Kinder- und Jugendarbeit in Stolberg. Die Angebote des Vereins sind vielfältig. In den Ferien sorgte das Spielemobil für Spiel und Spaß bei den Kleinen. Ein Leseabend für Kinder von sechs bis zwölf Jahren wird vor Oster-, Sommer- und Herbstferien angeboten und bereits seit 1981 gibt es die Pfadfinder.

Neben einer monatlich stattfindenden Bücherei, ist auch der Offene Treff jeden Montag ein Fixpunkt im Kalender. Ob Billard, Kicker, Darts, Tischtennis oder Gesellschaftsspiele, beim Treff wird den Jugendlichen viel geboten. Betreut werden sie ausschließlich von Ehrenamtlichen, wie der Leiter des Offenen Treffs, Herbert Baldrian, bestätigt: „Wir haben das sehr gut geregelt. Es gibt rund ein Dutzend freiwillige Helfer, die sich abwechseln und die Kinder und Jugendlichen beim Treff betreuen.“

Probleme mit dem Nachwuchs an freiwilligen Helfern habe der Offene Treff nicht. „Einige der jugendlichen Ehrenamtlichen waren früher in ihrer Freizeit beim Treff und haben die ganzen Angebote genutzt. Nun sind sie als ehrenamtliche Betreuer tätig“, erklärt er. Nachwuchssorgen gibt es hier also schon mal nicht.

Beim Verein Menschenskind, bei dem auch Baldrian im Vorstand sitzt, ist es etwas schwieriger. Der Verein unterstützt seit mehr als 20 Jahren kranke Kinder und deren Familien und ist auch auf die vielen Arbeitsstunden von Ehrenamtlern angewiesen. Derzeit gibt es noch genügend von diesen, aber alleine das Beispiel, dass Baldrian mit seinen 55 Jahren zu den jüngsten gehörte, zeigt, dass es hier an Nachwuchs fehlt. Die Gründe seien sehr vielfältig. Das Hauptproblem seien die G8 und die Ganztagsschule, die „Killer für das Vereinswesen und die ehrenamtliche Arbeit“ seien. Die wirklichen Auswirkungen sähen die Vereine aber erst in fünf Jahren, so Baldrian.

Der Jugendbus ist das ganze Jahr in Stolberg on Tour. Ob an der Atsch, in Münsterbusch oder in anderen Stolberger Stadtteilen, der Bus erfreut sich immer großer Beliebtheit. Es wird gegrillt, Spiele gespielt und Musik gehört. Neu im Angebot ist eine eigene Korbballanlage. Zu bestimmten Terminen gestalten die Jugendlichen eigenen Schmuck oder lernen im DJ-Workshop, wie man Musik macht. Beim Jugendbus spielt das Ehrenamt aber eher eine untergeordnete Rolle.

Denn die Betreuer an den Abenden, an denen der Bus geöffnet hat, bestehen zumindest aus einem Hauptamtlichen und einer Honorarkraft. Ganz ohne ehrenamtliche Helfer geht es aber doch nicht. Diese helfen beim Auf- und Abbau diverser Angebote und Spiele. „Die Jugendlichen machen das immer gerne. Vor Jahren haben sie den Bus als Teilnehmer besucht und jetzt hängt ihr Herz noch immer daran. Ein Anruf genügt und schon kommt jemand, um zu helfen“, sagt Herman Moonen, Leiter des Jugendbusses.

Das Jugendamt Stolberg hatte überhaupt keine Probleme, was die Betreuung der Ferienspiele betrifft. Denn die Jugendlichen und Erwachsenen, die die Kinder betreuten, waren fast nur Honorarkräfte. Das heißt dann natürlich, dass sie für ihren Dienst bezahlt werden. „Ehrenamtliche Helfer gab es bei den Ferienspielen auch in Form von Praktikanten, aber das in sehr überschaubaren Mengen“, sagt Michael Bosseler vom Jugendamt.

Die Kleine Offene Tür (KOT) St. Josef ist im Stadtteil Donnerberg ansässig. Der Träger der Einrichtung ist die Katholische Kirchengemeinde St. Lucia. Mit ihrem vielfältigen Angebot richtet sich die KOT an Kinder, Teenies, Jugendliche und junge Erwachsene. Geleitet wird die Jugendeinrichtung vom einzigen Hauptamtlichen der KOT, dem Sozialpädagogen Jörg Beißel.

Ohne die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter wären die Angebote aber erst gar nicht möglich. Zu diesen Angeboten zählen Kinder- und Jugendtreffs für die verschiedenen Altersgruppen, ein monatlich stattfindendes Kinderkino, ein Abend mit Spielen auf einer Spielekonsole, eine Teeniedisco und vieles mehr. In den Sommerferien finden auch jedes Jahr die zweiwöchigen Ferienspiele statt.

Bei all diesen Aktivitäten im Einsatz sind die Teamer. So nennen sich die Ehrenamtlichen der KOT. Insgesamt 28 Ehrenamtler im Alter von 16 bis 27 Jahren betreuen abwechselnd die Aktivitäten. Derzeit hat die Kleine Offene Tür also keine Probleme, was die Anzahl der Freiwilligen betrifft. „Es wird in Zukunft aber immer schwieriger werden, Jugendliche zu finden, die ihre unbezahlte Freizeit opfern“, sagt Beißel.

Es sei schade, dass viele gerade durch die Ganztagsschule einfach keine Zeit hätten, ihre Hobbys auszuüben. Doch auch wenn es manchmal stressig sein kann, einem Ehrenamt nachzugehen, für Beißel überwiegen ganz klar die Vorteile: „Unsere Teamer bekommen hier Rüstzeug mit, was man in der Schule so nie bekommt.

Hier lernt man beim Betreuen der Angebote oder auch bei der Organisation von gemeinsamen Projekten, soziale Verantwortung zu übernehmen. Sollte es in unabsehbarer Zeit einmal einen Mangel an Ehrenamtlichen geben, dann würde Beißel von Schule zu Schule gehen und dort Jugendliche ansprechen. Aber soweit wird es hoffentlich nie kommen.

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