Gewalt, Drogen und Prostitution: Letzter Ausweg Zwangsräumung

Von: Sonja Essers
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In einer Dachgeschosswohnung dieses Hause spielten sich unglaubliche Szenen ab. Vermieter Georg Lux ist erleichtert, dass die Zwangsräumung am Dienstagmorgen stattfand. Foto: S. Essers

Stolberg-Atsch. Was Georg Lux in den vergangenen acht Monaten erlebt hat, würde Stoff für etliche neue Action-Filme liefern. „Die letzten Monate waren der reinste Terror“, sagt er. Gekostet hat ihn das Szenario nicht nur jede Menge Nerven, sondern bisher auch rund 12.000 Euro – Tendenz steigend.

Was geschehen ist? Der Besitzer und Vermieter eines Mehrfamilienhauses an der Karlstraße meint: „Ich bin ein Opfer von Betrügern geworden.“ Verantwortlich dafür seien zwei Frauen, die in den vergangenen Monaten in der Dachgeschosswohnung des Hauses lebten.

Weder die Kaution sei hinterlegt, noch die Miete gezahlt worden. Und damit nicht genug. 30 Mal rückte die Polizei in dieser Zeit aus, teilweise stieg die Zahl der Einsätze auf bis zu drei Stück am Tag. Die Gründe: Gewalt, Prostitution und Drogen. „Diese Leute waren höchst aggressiv, kriminell und gefährlich“, sagt Lux.

Er selbst lebt nicht mehr in Stolberg, nahm jedoch in den vergangenen Monaten mindestens einmal in der Woche die Fahrt von Köln in seine alte Heimat auf sich. Was ihn erwartete: Auf dem Gelände rund um das Haus lagen Spritzen, die die beiden Mieterinnen benutzt haben sollen, in ihrer Wohnung lebte ein Kampfhund. Zudem beobachteten Nachbarn, dass in der Wohnung ständig fremde Männer aus- und eingingen. Auf den sozialen Netzwerken boten die beiden Damen, laut Lux, sogar ihre Liebesdienste an.

Den nächsten Schock erhielt er vor drei Wochen. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Frauen ihre Wohnung, laut Beobachtungen der anderen Nachbarn, bereits verlassen, ihr Hund lebte dort allerdings noch immer. Eine Veterinärin sowie Feuerwehr und Polizei befreiten das Tier schließlich.

Alleine konnte Lux dagegen nicht mehr angehen. Er nahm sich einen Anwalt, der bei Gericht eine Zwangsräumung erwirken konnte. Diese fand am Dienstagmorgen statt. Nicht nur Lux, sein Anwalt Günter Limbach und einige Helfer waren vor Ort, sondern auch Obergerichtsvollzieher Ingo Stollenwerk.

Für ihn war die Zwangsräumung bereits die zweite an diesem Tag. „Die Räumungen haben zugenommen. In Stolberg sind es mittlerweile zwischen drei und vier Stück im Monat.“ Woran das liegt? An einem Phänomen, das nicht nur in der Kupferstadt zu erkennen sei. „Ich glaube, dass die Leute am ehesten an den Dingen sparen, bei denen man den Gegenwert nicht auf Anhieb sieht. Wenn man die Miete nicht zahlt, wohnt man weiterhin in seiner Wohnung.“

Sobald die Miete nicht gezahlt, Ungeziefer angezogen wird und Schäden entstehen, spricht man von Mietnomaden. Jedoch ist bei diesem Begriff Vorsicht geboten, wie Marina Neuner-Schnitzler, Vorsitzende des Vereins der Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer, meint. Im Fall von Georg Lux sind durch das Herunterkommen der Wohnung hohe Renovierungskosten entstanden. Stollenwerk schätzt diese auf mehrere Tausend Euro.

Ab dem 1. November sollen Vermieter aufatmen können. Dann treten wichtige Änderungen des Bundesmeldegesetzes in Kraft. So müssen Vermieter beispielsweise den Ein- und Auszug eines Mieters schriftlich oder elektronisch bestätigen. Auf diese Weise sollen sie nicht nur kontrollieren können, welche Personen in der Wohnung leben, sondern auch wie viele.

Das war im Fall von Georg Lux nicht möglich. Bewohnt wurde die Dachgeschosswohnung zwischenzeitlich von mehr als zwei Personen, eingetragen waren diese jedoch nicht.

Was dem Vermieter davon geblieben ist: Müll auf dem Boden, benutzte Teller in der Spüle, fleckige Matratzen, eine Wohnzimmertür ohne Glasscheibe, Schimmel im Kühlschrank und Blut an den Wänden waren nur einige Mängel.

Und was kommt auf Lux nach der Räumung zu? Neue Kosten. Immerhin muss er die noch zu gebrauchenden Gegenstände seiner ehemaligen Mieter, die nicht zum Termin erschienen, noch einen Monat aufbewahren. Das ist im sogenannten Berliner Modell festgelegt. Alternativ hätte Lux auch eine Spedition mit der Räumung der Wohnung beauftragen können. Die Kosten dafür hätten allerdings zwischen 3000 und 4000 Euro gelegen.

Lux möchte mit seinen Erfahrungen anderen Vermietern helfen. „Man darf sich nicht drängen lassen, sondern sollte lieber einen Monat auf Mieteinnahmen verzichten“, sagt er rückblickend.

Bald wird ein neuer Mieter in die Dachgeschosswohnung einziehen. Und auch seine ehemaligen Mieter haben eine neue Bleibe gefunden. Seine Nachfolgerin hat Lux bereits ausführlich über ihre neuen Hausbewohner informiert.

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