Gestatten: Die freundliche Facebook-Falle

Von: Robert Flader
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Was kann man, was sollte man b
Was kann man, was sollte man besser nicht veröffentlichen? In Zeiten von sozialen Netzwerken suchen auch Unternehmen verstärkt Informationen über Bewerber bei Facebook, Stayfriends, den VZ-Netzwerken und über Google. Foto: D. Müller

Stolberg. Manchmal, so drückt es Martina Ludwig von der Stolberger Maschinenfabrik Hoven aus, würde es helfen, die Dinge einfach im Gesamtkonzept zu betrachten. „Soziale Netzwerke sollten das bleiben, was sie sind: Privatsphäre”, sagt die Sekretärin der Geschäftsleitung.

Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Oder besser gesagt: nicht mehr. Fakt ist, dass immer mehr Unternehmen in puncto Bewerbungen Informationen über potenzielle Mitarbeiter im Internet einholen - vor dem Bewerbungsgespräch, vor dem ersten persönlichen Kontakt. Facebook, Wer-kennt-Wen, Studi/MeinVZ und diversen weiteren sogenannten sozialen Netzwerken sei Dank. Zugeben wollen es allerdings nur die Wenigsten, auch in Stolberg halten sich die Unternehmen mit Pauschalurteilen zurück.

Es könnte alles so einfach sein. So wie damals, Mitte des vergangenen Jahrzehnts, als die „Social Networks” gerade begannen, wie eine Flutwelle übers Land zu rollen und Millionen Nutzer aufzusaugen. Und so verwundert es kaum, dass sie nicht nur von Privatpersonen, sondern auch von Firmen genutzt werden (siehe Info-Box). Bei Hoven aber heißt es: „Wir suchen im Internet nicht nach Informationen über Bewerber. Nicht über Netzwerke und nicht über Google.” Doch das ist eher die Ausnahme von der Regel.

Facebook hat tatsächlich neue Welten erschaffen, wildfremde Menschen vernetzt und damit viel Geld gemacht. Ganz „nebenbei” hat sich das Netzwerk in einer der ältesten Disziplinen überhaupt als eine echte Falle entpuppt: Ein gutes Bewerbungsschreiben reicht oft nicht mehr aus, um zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Sieht der Chef in spe, dass der letzte Mallorca-Trip feucht-fröhlich war, dass jedes Wochenende Cocktails und Bier das Privatleben dominieren, dürfte das Bewerbungsschreiben mit freundlichen Grüßen an den Absender zurückgeschickt werden.

„Im Internetzeitalter ist die Grenze zwischen Privatem und Öffentlichem sehr eng”, heißt es aus einem Stolberger Unternehmen, das namentlich nicht genannt werden will. Vorlieben, Gewohnheiten und persönliche Ansichten von neuem Personal werden auf eigene Faust recherchiert - es ist ja auch ziemlich einfach, Privatsphäreeinstellungen hin oder her. Bei Dalli heißt es: „Wir schauen uns die Leute lieber persönlich an.” Andere aber sagen: „Wir wären ja blöd, wenn wir die sozialen Netzwerke nicht nutzen würden.” Das einige Unternehmen ausdrücklich nicht mit Namen genannt werden wollen, deutet auf die Sensibilität des Themas hin.

Beispiel Facebook: Das soziale Netzwerk, das über rund 900 Millionen Nutzer weltweit verfügt und in der vergangenen Woche sein Debüt an der Börse feierte, hat, nun ja, mehr Kniffs und Tricks auf Lager als seinen (in diesem Fall vorwiegend jungen) Nutzern lieb sein könnte. Was kann , oder besser, was sollte man mit anderen nicht teilen? Wer kann was auf dem privaten Profil sehen?

Bewerbungsexperten raten, nicht zu viel von sich preiszugeben, vor allem keine Details aus dem Privatleben wie Urlaubsfotos oder Kommentare, die auch Leute außerhalb der Freundesliste lesen können. Es könnte ein „falscher” Eindruck entstehen. Bei einem Stolberger Unternehmen, das an der Steinfurt beheimatet ist, wird die Meinung vertreten, „dass die Toleranzschwelle sehr unterschiedlich ist. Manche finden den ein oder anderen Kommentar, ein bestimmtes Foto weniger anzüglich, andere dafür umso mehr.”

Vernetzung mit anderen, das war schon vor fünf Jahren das Argument von sozialen Netzwerken. Was aber, wenn unter den „ganz neuen Leuten” plötzlich der zukünftige Personalleiter ist oder der neue Chef vor dem Bewerbungsgespräch schon weiß, wie heftig die Party am Wochenende war?

Bei Bewerbungen zählt, na klar, der erste Eindruck. Ob dieser virtuell oder im direkten Gespräch erfolgt, ist in Zeiten von sozialen Netzwerken nicht mehr zweifelsfrei zu ermitteln.

Eine Frau in verantwortlicher Position in einem Stolberger Unternehmen, die in dem Thema gut unterwegs ist, aber ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, sagt: „Viele denken, sie haben die Kontrolle, die Macht über ihr eigenen Seiten. Das ist aber ein gefährliches Denken.”
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