Geselligkeit der Tollitäten in uriger Atmosphäre

Von: Dirk Müller
Letzte Aktualisierung:
14004668.jpg
Obersündenbock André Hennecken (v. r.), der Breiniger Kaiser Daniel Hoffmann, der Stolberger Prinz Axel I. (Wirthmüller), Burggraf Jucky I. (Jürgen Meyers) und der Brander Bürgerprinz Ralf IV. (Hamacher) stoßen im Bauwagen auf den Zusammenhalt der Jecken an. Foto: D. Müller
14004674.jpg
Die heitere Gesellschaft pendelt bei der Bauwagensitzung zwischen der kleinen Halle rechts und dem bunten Bauwagen im Hintergrund.

Stolberg-Breinig. Der Karneval in Stolberg ist reich an Facetten und hat viele Besonderheiten zu bieten. Bestes Beispiel ist die Proklamation des Kupferstädter Prinzen im würdigen Rahmen unter dem Dach der historischen Burg. Weitere gute Beispiele gibt es im Stolberger Zentrum und in den Stadtteilen zuhauf.

Doch eine Veranstaltung dürfte nicht nur in der Region und darüber hinaus einzigartig sein, sondern sucht vielleicht Ihresgleichen weltweit: die Bauwagensitzung in Breinig.

Wer aber vermutet, diese spezielle Karnevalssitzung der KG Sündenböcke sei im Zuge des Jahres der Baustellen in Stolberg entstanden, liegt falsch. Denn die noch junge jecke Tradition wurde im Jahr 2013 begründet. Daniel I. (Heinrichs) regierte seinerzeit als Stolberger Karnevalsprinz, und Obersündenbock André Hennecken traf die Tollität in der Stadt und lud sie nach Alt Breinig ein. In den Bauwagen, der an der Ecke zur Entengasse steht. „Dabei muss wohl auch irgendwie das Wort ,Sitzung‘ gefallen sein“, erinnert sich Hennecken. Und dann nahm das jecke Verhängnis seinen Lauf.

Geräusche gehört

„Wir saßen gemütlich mit ein paar Leuten im Bauwagen, als wir draußen Geräusche hörten. Da kam doch tatsächlich der Stolberger Prinz mit seinem großen Hofstaat und den Prinzenbegleitern. Die etwa 15-köpfige Gruppe war auf der Suche nach dem Sitzungssaal“, beschreibt André Hennecken. Dieser war freilich nicht existent, und der Bauwagen bot allen Anwesenden nicht genügend Raum. „Trotzdem war das ein toller Abend, der sich bis in den Morgen zog.“

Dabei sollte es nicht bleiben, denn, spontan wie Stolberger Karnevalisten sein können, war eine neue Tradition geboren. Aus der Premiere hatten die Sündenböcke gelernt, dass es durchaus lohnenswert ist, die neben dem Bauwagen befindliche kleine Halle ebenfalls für die Veranstaltung zu nutzen. So wurde die Bauwagensitzung größer, wobei sie ihren gemütlich-urigen Charakter behielt.

Bis heute, als jetzt die Erbsensuppe und der Glühwein in der Halle dampften, Kölsch, andere Getränke und Snacks zur Selbstbedienung bereitstanden, während im Bauwagen gleich mehrere Tollitäten Platz fanden. Zu dem Breiniger Kaiser der KG Sündenböcke, Daniel Hoffmann, gesellte sich sowohl der Stolberger Prinz Axel I. (Wirthmüller), als auch der Burggraf der Kupferstadt, Jucky I. (Jürgen Meyers) sowie der Brander Bürgerprinz Ralf IV. (Hamacher).

Da Prinz, Burggraf und Bürgerprinz allesamt in Büsbach leben, pflegten die Sündenböcke damit nicht nur den Zusammenhalt im Fastelovvend, sondern auch die gute Nachbarschaft. Die Breiniger Kaiserin Vera Remmer war nur kurz grippal zugegen und schonte sich ebenso wie die Seniorenkaiserin Helga Sendscheidt, die das Bett hütete. Aus dem Krankenbett zurückgekehrt war hingegen der Breiniger Seniorenkaiser Rolf Engels, der in der Halle Kontakte pflegte.

Strauß und Wagenknecht

Dazu war reichlich Gelegenheit, ob der Sündenböcke, der Hofstaaten der Tollitäten und den weiteren Gästen. Untypisch an der „Sitzung“ war indes einmal mehr der Veranstaltungsort Bauwagen und auch das „Programm“ des Abends, weil Tänze und Auftritte von Gastgesellschaften und Gastkünstlern eben nicht so zu dem Gefährt passen wie die „Jahre des Baggers“ in Stolberg.

Stattdessen standen Geselligkeit, Musik, Stimmung und viele gute Gespräche im Vordergrund. Allerdings kommt auch eine Bauwagensitzung so ganz ohne Programmpunkte nicht aus: André Hennecken begrüßte die Gäste in humorvoller Weise und überreichte dem Stolberger Prinz Axel I. sowie dem Burggrafen Jucki I. kunstvoll gestaltete Steinplatten, die von der Stolberger Künstlerin Jutta Meeßen angefertigt worden sind.

„Fest in eigentlich gar nicht vorhandene Programm gehört auch ein politischer Teil“, erklärt Hennecken. Dieser ergibt sich quasi stets von selbst, denn die Wände des Bauwagens werden nicht nur von Malerei des Breiniger Künstlers Win Braun geschmückt, sondern auch von Fotografien. Und von dem Foto des Modedesigners Harald Glööckler abgesehen, bieten die Fotografien von Politikern durchaus reichlich Anregung für spannende politische Gespräche, weil Franz-Josef Strauß ebenso im Bauwagen zu sehen ist wie Guido Westerwelle und Sahra Wagenknecht.

Dass der politische Teil nie zu ernst vonstatten geht, versteht sich von selbst, da die Grundpfeiler des Karnevals erst recht bei der Bauwagensitzung gelten, und Frohsinn und Geselligkeit gelebt werden.

Dementsprechend begeistert war auch der Stolberger Prinz Axel I., der viel Lob für die Sündenböcke und ihre Art, Karneval zu feiern, zum Ausdruck brachte, als er sich für die Einladung nach Breinig bedankte. „Bei Euch fühlt man sich einfach wie zu Hause“, sagte die Tollität.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert