Geschichte wird lebendig: Katharina Beck, Jahrgang 1606

Von: nvw
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Stadtführerin Klaudia Penner-Mohren als Frau des Kupfermeisters Leonhard Schleicher III. Foto: N. Wolfsperger

Stolberg. Von nun an wird regelmäßig eine fürstlich gekleidete Dame, wie aus der Frühen Neuzeit entsprungen, durch Stolberg wandeln und Jahrhunderte alte Geschichten wiederbeleben.

Wie im 17. Jahrhundert die Kupfermeister der Stadt Stolberg ihren Kindern die Grenzpunkte der Stadt eingebläut haben und mit welchen Leckerbissen Familienfeste ausgestattet wurden, das können Touristen und Neugierige bei der Führung „Unterwegs mit der Kupfermeisterin“ von Klaudia Penner-Mohren erfahren. Als neue Besonderheit der Stolberger Touristik plaudert Penner-Mohren aus dem Nähkästchen der Stadtgeschichte.

Wichtig ist das Alltägliche

„Um die Geschichte der Stadt aufleben zu lassen, lege ich bei dieser Führung besonderen Wert auf das Alltägliche“, erklärt Penner-Mohren. Dabei tritt die Stadtführerin als Katharina Beck, geboren 1606 und Frau des Kupfermeisters Leonhard Schleicher III., auf. Die Familie Schleicher ist die älteste Kupfermeisterfamilie in Stolberg, Leonhards Großvater gründete 1575 den ersten Kupferhof in der Burgstraße, wo sich heute die Adler-Apotheke befindet. Über die Jahrhunderte konnten die Schleichers ihr Handwerk auf mehrere Höfe ausbauen, von besonderer Bedeutung waren dabei die Kupferhöfe Rosenthal und Bernhardshammer.

Penner-Mohren verrät aus der Ich-Perspektive der Katharina Beck pikante Details über die Familienverhältnisse und Fehden zwischen den Handwerkszünften. Die Kupfermeister, aus Aachen auf kaiserliches Dekret als Protestanten vertrieben, kamen Mitte des 16. Jahrhunderts unter die Fittiche des Burgherrn Johann von Efferen – und somit nach Stolberg.

Der Beiname „Kupferstadt“ ist aber nicht das einzige Überbleibsel aus dieser Zeit: An vielen Orten sind die Hinterlassenschaften dieser Zunft zu finden. Der eine oder andere zieht vielleicht täglich daran vorbei, ohne sich dessen bewusst zu sein.

In der Mauer des Kupfermeisterfriedhofs markieren etwa zwei besondere Steine die ehemalige Grenze zwischen den Ämtern Eschweiler und Wilhelmstein, und an der Bushaltestelle Vogelsang fand früher der Kupfermarkt statt.

Schleichers Erben trugen mit der Ausweitung der Betriebe auf Messingwerke im frühen 19. Jahrhundert, zu Zeiten der Industrialisierung, dazu bei, die Metallindustrie in der Region zu erhalten. Mitte des 20. Jahrhunderts übernahm Matthias Ludolf Schleicher das Erbe und richtete im Hof Krautlade eine Fingerhutfabrik ein – so erfolgreich, dass in ihr ein Fall von Werksspionage betrieben wurde.

Penner-Mohren ist Stadtführerin der ersten Stunde, aber nicht die Einzige, die Geschichte in Stolberg aufleben lässt. Mit Christian Altena konnte nicht nur das Geschichtswissen der Burg berichtigt und über seine ehrenamtlichen Führungen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden; jetzt erfahren Burgbesucher zu jeder Zeit die wichtigsten Eckdaten auch, wenn Altena sie nicht begleitet. Der Historiker hat sein detailliertes Wissen für die Stolberger-Touristik auf zehn Tafeln zusammengefasst, die in der Burg ausgehängt sind. „900 Jahre in zwanzig Zeilen zu bringen, ist nicht gerade einfach“, gibt Altena zu und lädt zu seiner Burgführung ein, um detaillierteres Geschichtswissen zu erlangen.

„Mit Christian Altena und Klaudia Penner-Mohren wird Geschich­te lebendig. Wir freuen uns sehr, diese beiden Highlights in unser Angebotsrepertoire aufnehmen zu können“, betont folgerichtig auch Barbara Breuer von der Stolberg-Touristik.

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