Stolberg - Gescheiterter Widerstand: Pfarrer Bruckes muss gehen

Gescheiterter Widerstand: Pfarrer Bruckes muss gehen

Von: Saskia Zimmer
Letzte Aktualisierung:
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Haben bis zuletzt für Pfarrer Bruckes gekämpft: (von links) Vincent Neussl, Beate Baumanns und Frank Schartmann mit den 2000 Unterschriften der Gemeindemitglieder.

Stolberg. Vincent Neussl ist schwer enttäuscht. Bis zuletzt hatte er gekämpft. Sich an die Hoffnung geklammert, etwas bewegen zu können. Der Kampf ist nun vorbei, die Hoffnung ist gestorben.

Als Vincent Neussl (Gemeinderatsmitglied St. Josef) sich gemeinsam mit Frank Schartmann (Kirchenvorstand St. Josef) und Beate Baumanns (Kirchenvorstand St. Hermann-Josef) auf den Weg nach Aachen zum Generalvikariat machte, glaubte er noch an die Kraft seines engagierten Einsatzes.

Er vertraute darauf, dass der Widerstand vieler Gemeindemitglieder etwas bewirken könne. Das Anliegen: Pfarrer Ferdi Bruckes soll bleiben, das Bistum seine Abberufung widerrufen.

Die drei Vertreter der Gemeinden Liester und Donnerberg waren in Vertretung von mindestens 2000 Gemeindemitgliedern zum Generalvikariat gekommen. Deren Unterschriften überreichten sie Domkapitular Heiner Schmitz.

Es war ein letztes Aufbäumen gegen die Entscheidung des Bistums, Hans-Rolf Funken allein die seelsorgerische Leitung der Großpfarre St. Lucia ab dem nächsten Jahr zu übertragen.

„Wir wurden überaus freundlich empfangen, der Domkapitular hat sich viel Zeit für uns genommen”, sagt Neussl. Seine sonst eher gedämpfte Stimme wird dabei etwas heller.

Er lobt regelrecht das Gespräch, das sich an die Unterschriftenübergabe anschloss. Aber auch die harmonische Atmosphäre kann Neussl nicht darüber hinwegtrösten, dass er und seine Begleiter mit ihren Forderungen gescheitert sind.

Domkapitular Schmitz machte noch einmal deutlich, dass vor allem zwei Gründe gegen das Revidieren der Bistumsentscheidung sprechen. Zum Einen haben sich fünf von sieben Gemeinden für ein Aufgehen aller Gemeinden in St. Lucia ausgesprochen, womit Pfarrer Funken automatisch als Pfarrpriester eingesetzt ist.

Zum Anderen sei eine gemeinsame Leitung der Großpfarre von Funken und Bruckes auf Augenhöhe aufgrund langjähriger Meinungsunterschiede zwischen beiden nicht möglich.

„Uns ist jetzt klar, dass wir an diesem Punkt keine Bewegung mehr in die Sache bekommen können”, sagt Neussl in ruhigem Ton, der einerseits Resignation, andererseits tiefe Traurigkeit verrät.

Bruckes wird gehen und Funken Leiter der neuen Großpfarre, daran wird sich nichts mehr ändern. Neussl betont allerdings: „Wir haben nie gegen Funken, sondern immer nur um Bruckes gekämpft.”

Jetzt sei wichtig, dass die Arbeit in den Gemeinden möglichst so weiter geführt wird, wie in den vergangenen Jahren. Darum haben die Gemeindevertreter den Domkapitular auch ausdrücklich gebeten. Neussl berfürchtet allerdings, dass einige Menschen ihre Arbeit in der Pfarreien niederlegen werden.

„Die Leute sind verunsichert, haben Angst, dass alles anders wird”, sagt Neussl. Denn die Art, wie in der Liester und auf dem Donnerberg Gottesdienst gefeiert und Gemeinschaft gelebt wurde, sei schon etwas Besonderes.

„Offen, modern, spannend”, charakterisiert Neussl das Gemeindeleben. Und er erzählt euphorisch vom positiven Trend: „Die Kirche wurde in den letzten Jahren immer voller.”

Von diesem Enthusiasmus ist bei Neussl jetzt allerdings nicht mehr viel zu spüren. Das Gespräch mit Domkapitular Schmitz hat ihn und seine Mitstreiter die bitteren und unwiderruflichen Tatsachen noch einmal vor Augen geführt. Neussl resümmiert bedrückt: „Jetzt muss jedes Gemeindemitglied für sich entscheidend, wie er mit dieser Entwicklung umgehen will und kann.”

Er selbst wisse noch nicht, welche Konsequenzen er für sich und seine Arbeit daraus zieht. Der Kampf ist verloren, das muss er jetzt erst einmal verdauen.
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