Geschäftsleute bieten nach mehreren Vorfällen Einbrechern die Stirn

Von: Jürgen Lange
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Sich häufende Einbrüche, Diebstähle und weitere Taten verunsichern die Stolberger Geschäftswelt. Sie sucht das Gespräch mit Polizei und Stadtverwaltung. Eine Informationsveranstaltung Ende August ist die erste Konsequenz.

Stolberg. Der jüngste Fall ereignet sich am Donnerstag. Am Nachmittag betritt ein Mann das Sporthaus Flink an der Rathausstraße. Er probiert Schuhe an. Sucht sich ein hochwertiges Paar aus und möchte es anbehalten. Soweit kein Problem. Aber dann marschiert der Mann mit den neuen Schuhen aus dem Geschäft ohne zu bezahlen, erzählt Heiner Flink im Kreise vom Bürgermeister und Vertreterinnen des Stadtmarketings.

Der Geschäftsführer selbst ist zum Zeitpunkt der Tat nicht im Laden anwesend. Die Mitarbeiter rufen die Polizei an. „Sie kommt eineinhalb Stunden später“, sagt Flink. „Klar, dass sie dann die Täter nicht mehr findet.“

Polizei arbeitet nach Priorität ab

„Es waren 45 Minuten nach der Alarmierung“, hält Petra Wienen gegen. „Die Kollegen waren zudem in anderen Einsätzen gebunden.“ In wichtigeren, erklärt die Polizeisprecherin. Denn Einsätze werden von der Polizei nach ihrer Priorität abgearbeitet. Und je nach aktueller Lage hat ein Ladendiebstahl dann eben nur eine geringere Priorität als andere Straftaten oder Unfälle. Jedenfalls liege eine Anzeige vor und die Ermittlungen seien angelaufen.

Dieser Fall ist nur ein weiteres Beispiel für das geschwundene Sicherheitsgefühl des Einzelhandels in der Innenstadt. Der Anlass des Treffens an diesem Morgen liegt dagegen kaum einen Monat zurück. Da wurden die Eingangstüren von „Hallo Pizza“ und Sporthaus Flink, wo zahlreiche Sportschuhe geklaut wurden, eingeworden. Das war der letzte Tropfen einer ganzen Serie von Taten, der für Stolbergs Geschäftswelt das Fass zum Überlaufen brachte.

Erstes Ergebnis

Flink wandte sich als ihr Sprecher an den Bürgermeister. Tim Grüttemeier sprach mit der Polizei. Erstes Ergebnis ist eine Informations- und Diskussionsveranstaltung zum Thema „Einbruchsschutz und Prävention“ (am Mittwoch, 31 August, ab 19 Uhr im großen Sitzungssaal des Rathauses) mit Teilnehmern zuständiger Behörden sowie weiterer Fachleute.

„Wir werden die unterschiedlichen Zuständigkeiten und Möglichkeiten von Ordnungsamt und Polizei aufzeigen“, sagt Grüttemeier. „Und wir wollen ergründen, was wir machen können“, sagen Barbara Breuer und Marita Matousek als Sprecherinnen der Gesellschaft für Stadtmarketing Stolberg (SMS), die Mitveranstalterin der Informationsveranstaltung ist.

Bürgerwehr keine Lösung

„Wir Bürger wollen zumindest das Gefühl haben, dass man sich kümmert“, sagt Heiner Flink. Die Polizei sei unterbesetzt. „Wie will sie etwas für unsere Sicherheit tun, wenn nachts nur zwei reguläre Streifenwagen für Stolberg, Eschweiler und die Nordeifel im Einsatz sind“. Auch wenn die Kupferstadt nicht als Schwerpunkt von Kriminalität im Bereich des Präsidiums gelte, so gebe es genug Kleinkriminelle, gegen die präventiv Präsenz gezeigt werden müsse.

„Da muss man auch schon einmal nachts ein paar Leute kontrollieren, die unterwegs sind“, sagt Flink und distanziert sich gleich von Rufen nach einer Bürgerwehr. „Das kann keine Lösung sein, aber die Polizei ist gefordert“, meint der Geschäftsmann.

Alleine entlang der Talachse von Steinweg und oberer Rathausstraße habe es in den vergangenen eineinhalb Jahren 39 Delikte gegeben. Mit denen verbunden sei nicht nur der in der Regel kleinere Schaden an erbeuteten Sachen, sondern vielmehr der größere durch die bei den Einbrüchen angerichteten Schäden. Das führe dann schnell zu Problemen mit Versicherungen, erklärt Flink. Die verlangen den Geschäftsleuten zusätzliche Sicherungsmaßnahmen ab. Gitter vor Fenstern und Türen, Videoüberwachung und -aufzeichnungen „gehen dann aber noch einmal richtig ins Geld“, sagt Flink.

Grenzen für Videoüberwachung

Und schnell stoße man auch an rechtliche Grenzen, mahnt Tim Grüttemeier. Denn die hiesige Gesetzeslage setze einer Videoüberwachung der Öffentlichkeit sehr strenge Grenzen. Auch dies ist ein Thema, das bei der Veranstaltung besprochen werden will.

Und was aus dem „Kunde“, der ohne zu bezahlen den Laden verlassen hat, wird, darauf ist der Geschädigte einmal mehr gespannt. Als Flink zu seinem Laden eilte, konnte er den auffällig gekleideten Mann entdecken.

Eine Spur zum Täter

Doch bis das Auto abgestellt war, was Tatverdächtige schon wieder verschwunden. Aber es gibt eine Spur. Der Tatverdächtige muss vor seinem „Einkauf“ in der Stadtverwaltung gewesen sein, wo er von Zeugen gesichtet wurde. Unterlagen aus einem Amt, die er während der Anprobe im Geschäft kurzzeitig ablegte, könnten eine Spur sein…

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