Geplatzte Termine: Eltern sauer auf Fußballschule

Von: Valerie Barsig
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Die „Go for Football-Fußballschule“ hat den Teilnehmern Versprechen gegeben, die nicht eingehalten wurden. Foto: stock/photo2000
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Niklas Sawuk (r.) hat in den vergangenen Herbstferien am Fußballcamp der „Go for Football“-Fußballschule teilgenommen. Seine Mutter Svenja Sawuk (l.) hatte dem Organisator der Schule, René Z., außerdem Geld für Karten eines BVB-Spiels angezahlt. Das Geld erhielten sie andere Eltern, erst zurück, als sie Z. mit einem Anwalt drohten. Foto: Valerie Barsig

Stolberg. Niklas Sawuk hat kein Trikot bekommen. Er hat auch das Spiel von Dortmund gegen Borussia Mönchengladbach nicht gesehen. Das ist dem Neunjährigen aber versprochen worden, als er in den vergangenen Herbstferien am Fußballcamp der „Go for Football-Fußballschule“ beim FC Inde Hahn teilnahm.

Die Fußballschule scheint es nicht mehr zu geben, ihre Internetseite ist aus dem Netz verschwunden und auch der Kontakt zu dem Verantwortlichen ist nur noch schwer herzustellen. Eine E-Mail-Adresse, an die Niklas Mutter Svenja Sawuk gleich mehrere Nachrichten geschickt hat, gibt es nicht mehr. Aber von vorn.
Niklas spielt Fußball in der Jugend des SV Breinig. Als der Verein an Svenja Sawuk eine E-Mail weiterleitet, in der in den vergangenen Herbstferien ein Fußballcamp angeboten wird, nimmt die Familie das Angebot gern an. Versprochen werden vier Tage Talentcamp mit „Trainern aus dem Nachwuchsleistungsbereich“, sowie ein Fußballoutfit von Adidas. Kosten: 129 Euro.

Zunächst guten Eindruck gemacht

Organisator der Schule ist Rene Z.. Schon im Frühjahr 2015 schlägt er dem Jugendleiter des FC Inde Hahn, Michael Rzehak, vor, ein Fußballcamp auf dem Sportplatz von Inde Hahn abzuhalten. Der sagt heute rückblickend, Z. habe beim Verein und später auch bei den Eltern einen sehr guten und kompetenten Eindruck hinterlassen. „Das, was er uns schilderte, klang sehr interessant“, bestätigt  auch FC Inde Hahns Nachwuchskoordinator Manfred Pomp. Z. selbst ist ein Bekannter in der Fußballszene, vor allem am Niederrhein. Er hat in der Jugend bei Borussia Mönchengladbach und für verschiedene Vereine in höheren Amateurklassen gespielt, beispielsweise für den SC Wegberg-Beek. Später trainiert er Landes- und Bezirksligisten im Raum Mönchengladbach. 

Auch dem SV Breinig bietet er ein Camp an, verspricht dem Verein Aufmerksamkeit durch die Presse – so wie auch dem FC Inde Hahn. Das Camp in Breinig fällt aber schließlich aus, weil sich zu wenig Kinder anmelden. Davon ist auch Niklas betroffen. Deshalb nimmt er mit einigen Breiniger Freunden am Camp von Inde Hahn teil.

Bei den Verantwortlichen von Inde Hahn ist man in der Zwischenzeit ein wenig nervös geworden, weil man auf einen Zeitungsartikel gestoßen ist. Darin steht, dass Z. mit seiner alten Fußballschule „Doppelpass“ ein Camp organisiert hat, das ausfiel. Die Eltern der Kinder, die an dem Camp in Hilden teilgenommen haben, bekamen ihr Geld nicht zurück und drohten Z. mit dem Anwalt. Beim FC Inde Hahn ist man alarmiert.

Alles lief ohne Vertrag

Die Platznutzung bei Inde Hahn ist nur per Handschlag festgelegt worden, dem Verein bietet Z. allerdings per E-Mail neun Euro Spende pro Kind bei Durchführung des Camps an. Auch die Eltern unterschreiben – entgegen der sonst üblichen Praxis – keinen Vertrag. „Ich habe lange überlegt, was ich machen soll und hatte Angst, dass das Camp platzen muss“, sagt Rzehak heute. Rund 30 Kinder von Inde Hahn sind zu dem Camp angemeldet, dazu kommen die Kinder aus Breinig. „Wir hatten mit der Organisation des Camps nichts zu tun“, sagt Rzehak.  Anmeldungen, Werbung, Plakate – um alles kümmert sich Z.. Nur der Kiosk von Inde Hahn soll das Essen für das Camp bereitstellen. Das wird daraufhin per Vorkasse abgerechnet.

Die Befürchtungen des Vereins scheinen sich jedoch zunächst nicht zu bestätigen. „Das Camp lief sportlich super“, sagt Rzehak im Rückblick. „Nach dem Camp habe ich dann erstmal durchgeatmet.“ Auch die versprochenen Trikots werden den Kindern überreicht – zumindest denen von Inde Hahn. Nicht aber allen Breiniger Kindern. Sie warten zum Teil bis heute auf ihre Trikots, so wie Niklas.

Es bleibt auch nicht bei den versprochenen Trikots, die die Kinder nicht bekommen. Am letzten Tag des Camps unterbreitet Z. Svenja Sawuk das Angebot, Karten für ein Bundesligaspiel von Borussia Mönchengladbach gegen Dortmund Anfang des Jahres zu besorgen. Dazu soll es auch eine Stadiontour geben. Svenja Sawuk bestellt gleich vier Tickets, die 70 Euro für Erwachsene und 40 Euro für Kinder kosten sollen. An Z. geht eine Anzahlung in bar von 120 Euro. Dass sowohl die 129 Euro für das Camp, als auch das Geld für die Tickets immer in bar bezahlt werden müssen, wundert Svenja Sawuk zunächst nicht. Überweisen sei nicht möglich, sei Z.s Begründung gewesen. Auch den Eltern von Inde Hahn werden Bundesliga-Tickets angeboten, allerdings für das Spiel Bayern München gegen Bayer Leverkusen.

Anfang Januar erhalten die Eltern dann eine E-Mail von Z., dass die Tickets nicht ausgegeben werden können. Begründung: „Die Agentur mit der wir bzgl. der Eintrittskarten für verschiedenen Bundesligaevents zusammenarbeiten, hat uns heute als wir die Karten abholen wollten mitgeteilt, dass die angeforderten Kontingente für beide Events nicht erfüllt und eingehalten werden können. Es hat eine Überbuchung an angeforderten Karten für beide Events gegeben.“ Es sei ein Riesenschock und eine große Enttäuschung, heißt es weiter. „Ich kann mich nur im Namen von der Go for Football Talentförderung, auch wenn uns überhaupt keine Schuld trifft, bei allen entschuldigen und mein aufrichtiges Bedauern aussprechen“, schreibt Z.. In der E-Mail sichert er den Eltern eine Rückerstattung ihrer Anzahlung zu. „Diese Rückzahlung werde ich Ihnen selbstverständlich umgehend übergeben. Dafür sind die Termine am 28. und 29. Januar um jeweils 18.00 Uhr im Clubheim des FC Inde Hahn vorgesehen“, schreibt Z..

Als die Eltern an den besagten Terminen in das Clubheim kommen, ist Z. aber an beiden Tagen nicht wie vereinbart dort. Eine geordnete Rückzahlung gibt es nicht. Nur die Eltern, die massiv Druck auf Z. ausüben, bekommen das Geld zurück. Die Zahlung erfolgt nur Stück für Stück und erstreckt sich über Monate. Auch Svenja Sawuk wird von Z. immer wieder vertröstet. Erst als sie ihm per Telefon mit einer Anzeige droht, bekommt sie das Geld zurück. Das geschieht in der vergangenen Woche. Ob inzwischen alle Eltern ihr Geld zurückbekommen haben, ist unklar. Fest steht jedoch, dass Inde Hahn auf die mündlich vereinbarte Platzmiete bis heute wartet.

Auf Anfrage unserer Zeitung weist Z. die Vorwürfe gegen ihn zurück. Alle Forderungen habe er inzwischen beglichen.

Insolvenzverfahren in Krefeld

Z. hat bereits vorher einige Probleme mit seinem Geschäftsmodell Fußballschule gehabt. Bis 2014 führte er die Fußballschule „Doppelpass“  in Krefeld unter seinem Geburtsnamen. Gegen die „Doppelpass“-Schule läuft am Amtsgericht Krefeld ein Insolvenzverfahren. Die Insolvenzverwalter erwarten, dass es in den nächsten Tagen mangels Masse eingestellt wird.

Ehemalige sportliche Wegbegleiter von Z. schätzen ihn als kompetenten Trainer, der es jedoch mit den finanziellen Verpflichtungen, die mit einer Fußballschule einhergehen, nicht so genau nimmt. Von einer Masche sei die Rede, dass Z. häufig Kunden und Trainern Geld schulde. Nie große Beträge, aber immer genug, um sowohl Kunden, als auch Trainer verärgert zurückzulassen. So schulde er einem Trainer noch 470 Euro Gage für die Mitarbeit an einem Camp, heißt es aus gut informierten Vereinskreisen.

Svenja Sawuk ärgert sich im Nachhinein über ihre Leichtgläubigkeit. Deshalb will sie weitere Vereine und Eltern warnen, die möglicherweise ähnliche Erfahrungen machen könnten. „Z. kam mir sympathisch vor, aber man kann Leuten ja schließlich immer nur vor den Kopf gucken“, sagt sie. Auch bei Inde Hahn und dem SV Breinig hat man inzwischen Konsequenzen gezogen. Bei Breinig überlegt man, Fußballcamps zukünftig nicht mehr von externen Anbietern durchführen zu lassen. Bei Inde Hahn wird in den Sommerferien ein Fußballcamp angeboten – allerdings vom Verein selbst organisiert. Dort will man gar keine externen Fußballcamps mehr veranstalten. Man sei froh, mit einem blauen Auge davongekommen zu sein.

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