Stolberg - „Generationsbrücke“: Senioren und Kinder lachen und lernen

„Generationsbrücke“: Senioren und Kinder lachen und lernen

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Stolberg. Das Buch „Die Generationsbrücke“ des Autors Rocco Thiede wird am 6. Juni, 18 Uhr, in der Mayerschen Buchhandlung in Aachen vorgestellt. Einige Seiten dieses 200-seitigen Buches aus dem Herder-Verlag sind Katharina Beyer, Leiterin der integrativen Kindertagesstätte in Büsbach und Kooperationspartnerin der Generationsbrücke Deutschland, gewidmet.

Was es mit dieser seit zwei Jahren stattfindenden „Generationsbrücke“ In der Dell auf sich hat, erzählt Katharina Beyer im Interview mit Marie-Luise Otten.

Was ist unter Generationsbrücke zu verstehen? Wer hat es gegründet?

Beyer: Dieses junge Unternehmen zeigt vorbildlich, wie das Miteinander von Altenpflegeheimbewohnern und Kindern und Jugendlichen gelingen kann. Die Initiative geht auf Horst Krumbach zurück. Er war Banker und wurde mit der Generationsbrücke Deutschland zu einem der erfolgreichsten Sozialunternehmer Deutschlands. Mit einem Beirat und einem Förderverein professionalisierte er die Arbeit von Jahr zu Jahr, gewann neue Partner und erhielt für seine engagierte Arbeit viele Preise. In Kürze soll sein Konzept sogar in China verbreitet werden.

Welcher Gedanke steht hinter der Generationsbrücke?

Beyer: Senioren und Kinder kommen regelmäßig zusammen, spielen miteinander, lachen gemeinsam und lernen so voneinander. Die Generationsbrücke als feststehender Begriff fördert eine bewusstere Beziehung zwischen den Generationen. Jung und Alt gewinnen beide.

Was erfahren die Kinder? Was die alten Menschen?

Beyer: Die Kinder profitieren von der Lebenserfahrung der älteren Menschen und lernen Pflegebedürftigkeit, Demenz und Tod als Bestandteile des Lebens kennen. Durch die ansteckende Lebendigkeit der Kinder erleben die alten Menschen eine besondere Abwechslung im Heimalltag. Die Begegnungen ermöglichen gleichzeitig eine stärkere Integration in die Gesellschaft.

Zwischen welchen Partnern findet die Kooperation in Stolberg statt?

Beyer: Die Kooperation mit der Generationsbrücke Deutschland besteht zwischen den Vorschulkindern der integrativen Kita In der Dell und Bewohnern des Marienheims. Bei uns sind es in diesem Jahr 12 Kinder und 12 Marienheim-Bewohner, die freiwillig an diesem Projekt teilnehmen.

Wie oft findet solch eine Begegnung statt, wie lange und was ist das Besondere daran?

Beyer: Die Begegnungen finden einmal monatlich über die Dauer eines Kitajahres statt. In einem zeitlichen Rahmen von zwei Stunden erleben beide Generationen Wertschätzung, Verbundenheit und Freude.

Wo finden die Stunden statt?

Beyer: Da das Marienheim momentan umgebaut wird, finden die Treffen alle bei uns im Kindergarten statt. Allerdings wünschen wir uns nach Beendigung der Bauzeit, dass die Begegnungen abwechselnd in beiden Häusern sind.

Wie muss man sich so einen gemeinsamen Tag vorstellen? Was wird gemacht?

Beyer: Es gibt feste Rituale: Zu Beginn wird ein Begrüßungslied gesungen, bei dem jeder der betagten Menschen einmal mit seinem Namen genannt wird. Dann folgt ein Bewegungsteil mit Luftballons oder Schwungtüchern. Bei dem sogenannten „Sitzwalzer“ zum Beispiel erhalten alle Teilnehmer ein kleines Tuch und einen Luftballon und vollführen mit den Armen und Oberkörpern kreisende Bewegungen, um das Gleichgewicht zu halten, dass der Ballon nicht vom Tuch fällt. Wird dazu Walzermusik eingespielt, schaut es tatsächlich so aus, als ob die Teilnehmer im Sitzen tanzen. Das strengt die Älteren natürlich mehr an als die Kinder. Dafür werden sie bei Wortspielen oder Redewendungen, mit denen die Älteren groß geworden sind, herausgefordert. Der dritte Punkt ist wieder ein gemeinsam gesungenes Lied. Es folgt eine ruhigere kreative Geschichte wie Gestaltungsarbeit mit Krepppapier oder Papier. Manchmal werden auch alte Kinderlieder heraus gekramt.

Das hört sich nach einer aufwendigen Sache an. Tragen Ihre Mitarbeiter das Projekt mit? Wer gehört mit zum Team?

Beyer: Das schaffe ich natürlich nicht alleine. Das Gruppenleitungsteam besteht aus den beiden Gruppenleitungen der Altenpflegeeinrichtung und der Kita und ihrer Helfer. Es übernimmt die Verantwortung für alle organisatorischen, inhaltlichen und persönlichen Belange und sorgt somit für einen reibungslosen und gelingenden Ablauf der Generationsbrücke-Begegnungen. Seine Art der Kommunikation mit allen Teilnehmern muss wertschätzend, akzeptierend, respektvoll und authentisch sein. Ich wünsche mir, dass alle Mitarbeiter unserer Kita irgendwann mal an diesem Projekt teilnehmen, denn es bereichert auch unser Leben ungemein.

Was ist mit Schulungen?

Beyer: Natürlich gibt es unterstützende Beratungen und Fortbildungen mit Vernetzung für die Mitarbeiter. Nur im Austausch mit anderen intergenerativen Begegnungen ist ein bewussteres Zusammenleben der Generationen möglich.

Wie wurden Sie auf das Projekt aufmerksam?

Beyer: Vor dem eigentlichen Projekt haben wir im Kindergarten schon immer etwas mit den Bewohnern zusammen gemacht wie Plätzchenbacken, gemeinsame Feiern an St. Martin oder Maiandachten. Durch die räumliche Nähe bedingt, war das für uns selbstverständlich. Dann hat mich Frau Sylvia Wilhelmini vom Marienheim angesprochen und mir von der Generationsbrücke erzählt.

Welche Kriterien müssen die Bewohnerpaten erfüllen?

Beyer: Über die Teilnahme der älteren Menschen entscheidet der Sozialdienst im Heim. Demenz ist kein Ausschlusskriterium. Wenn möglich, bekommt ein Mann einen Jungen zugeteilt. Aber da es in den Heimen meist mehr Frauen als Männer gibt, ist dies nicht immer möglich. Es macht auch keinen Sinn, wenn sie bettlägerig sind, unter dem Verlust des Sprachverständnis leiden oder vermutlich nicht mehr lange zu leben haben.

Wie sehen die Eltern der Kinder das Projekt?

Beyer: Es gibt Elternabende, wo das Projekt vorgestellt wird. Die Entscheidungen, an dieser Generationsbrücke teilzunehmen, sind frei. Wir legen eine Liste im Vorfeld aus, wo die Eltern ihre Kinder eintragen können. Natürlich werden die Kinder dann anschließend altersgerecht auf dieses Projekt vorbereitet.

Was sind das für Preise, die Sie am Anfang erwähnten?

Beyer: Die Generationsbrücke Deutschland wurde von „startsocial“ 2011 durch Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie mit dem „Deutschen Engagementpreis“ 2014 durch Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig ausgezeichnet.

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