Stolberg - Gemeinsame Zukunft: Nutzungsvertrag für ökumenisches Zentrum

Gemeinsame Zukunft: Nutzungsvertrag für ökumenisches Zentrum

Von: Michael Grobusch
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Das Gemeindezentrum Frankental soll in Zukunft von beiden Kirchen genutzt werden. Heute Abend wird der entsprechende Vertrag unterzeichnet. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Heute wird‘s feierlich – und historisch noch dazu: Denn beim „Abend der Begegnung“ im Gemeindezentrum Frankental wollen die Evangelische Kirchengemeinde Stolberg und die katholische Großpfarre St. Lucia ihre gemeinsame Zukunft besiegeln. Pfarrer Jens Wegmann und Pastor Hans-Rolf Funken sind die Protagonisten, die den offiziellen Vertrag zur zukünftigen Nutzung des dann ökumenischen Hauses in der Frankentalstraße unterzeichnen werden.

Die wesentliche Grundlage geschaffen haben beide Seiten indes schon im Vorfeld: Der Kaufvertrag, der die Pfarre St. Lucia zum gleichberechtigten Eigentümer der Immobilie macht, ist bereits rechtskräftig.

Die „Frucht des jahrelangen guten Miteinanders“, wie es Pfarrer Andreas Hinze im vergangenen Jahr bei der Vorstellung der Pläne formuliert hatte, reift unterdessen noch weiter: Auf der Freifläche vor dem bestehenden Gebäude ist der Bau eines neuen Verwaltungszentrums vorgesehen, in dem jede Gemeinde über eine Hälfte verfügen und jeweils rund 100 Quadratmeter Fläche beziehen wird.

Die Pläne werden am heutigen Abend von Christoph Baumann vorgestellt. Auskunft dürfte der Ingenieur auch über die energetische Sanierung des Altbestandes erteilen. Diese gehört ebenfalls zu der umfangreichen Kooperation, zu der sich Katholiken und Protestanten in der Kupferstadt entschlossen haben.

Für die Organisation der Nutzung wird indes eigens ein Kuratorium verantwortlich sein. Auch dieses stellt sich am „Abend der Begegnung“ vor – und wird dennoch auf einen Gesprächspartner verzichten müssen. „Wir werden sicherlich nicht teilnehmen“, erklärte Hans Boltz gegenüber unserer Zeitung. Hintergrund der Absage ist der weiterhin schwelende Konflikt zwischen der Stolberger Kolpingsfamilie und der Pfarre St. Lucia.

„Die Pfarre geht auf unser Anliegen gar nicht ein“, klagt der stellvertretende Vorsitzende und verweist einmal mehr auf ein „notariell verbrieftes Nutzungsrecht für das Rolandshaus“, in dem die Kolpingsfamilie bleiben will statt ins neue Gemeindezentrum umzuziehen. Das Haus war am 24. Juni 1883 eingeweiht worden – nachdem der „Katholische Gesellenverein“ als Vorläufer der heutigen Kolpingsfamilie den Bau maßgeblich unterstützt hatte. Daraus resultiere, so versichert Boltz, ein bis heute geltender Anspruch auf den Verbleib in dem Gebäude, das 1973 durch einen Neubau ersetzt worden war.

Alle Versuche, den Streit beizulegen, sind bis dato gescheitert. Während auf Seiten der Pfarre von „Fortschritten“ gesprochen wird, befürchtet Hans Boltz eine weitere Zuspitzung. „Wir bleiben so lange im Rolandshaus, bis man uns kündigt“, erklärt der stellvertretende Vorsitzende. Was in diesem Fall passieren würde, will er noch nicht explizit ausführen. Ein Rechtsstreit dürfte dann allerdings kaum noch zu vermeiden sein.

Atmosphäre ist gestört

Ohne Zweifel: Die Atmosphäre ist erheblich und nachhaltig gestört. Bereits Anfang Mai hatte Boltz im Gespräch mit unserer Zeitung von „Schikane“ gesprochen, weil der Raum im Rolandshaus nicht mehr geputzt und der Kolpingsfamilie ein Schlüssel für die Schranke des Parkplatzes verweigert werde. Jetzt ist von „Ignoranz“ und „Frechheit“ die Rede. „Die Pfarre versucht Fakten zu schaffen, indem sie uns zur Besichtigung der Räumlichkeiten in der Frankentalstraße und jetzt zum Abend der Begegnung einlädt.

Über den Kern der Sache wird aber einfach hinweggegangen.“ Längst haben die Stolberger das Kolpingwerk Deutschland eingeschaltet, dessen Sekretär Ulrich Vollmer nach Angaben von Hans Boltz in engem Kontakt mit dem Vorstand in der Kupferstadt steht. Doch auch auf dieser Ebene herrsche seit einem gemeinsamen Ortstermin mit der Pfarre im letzten Herbst Funkstille. Die gute Laune werden sich die Vertreter von evangelischer und katholischer Kirchengemeinde heute Abend vermutlich davon nicht verderben lassen. Und doch ist davon auszugehen, dass neben der Zukunft der Ökumene in Stolberg auch die der Kolpingsfamilie ein Thema sein wird.

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