Gemeinsame Förderschule für Stolberg und Eschweiler?

Von: Michael Grobusch
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Ist mit der Stadt Eschweiler über einen möglichen Zusammenschluss der Förderschulen im Gespräch: Willi Seyffarth. Foto: Grobusch

Stolberg/Eschweiler. Not macht ja bekanntlich erfinderisch. Und gemeinsam ist man stärker. Nun sind diese beiden Weisheiten alles andere als neu. Im vorliegenden Fall aber könnte der Bezug kaum aktueller sein.

Weil die bis Sommer 2015 von der Landesregierung geforderte Umsetzung des 9. Schulrechtsänderungsgesetzes die Förderschule Talstraße und die Willi-Fährmann-Schule gleichermaßen in Bedrängnis bringt, erwägen die Städte Stolberg und Eschweiler offenbar erstmals eine Zusammenlegung ihrer Förderschulen.

Ein konkretes Ergebnis liegt noch nicht vor. Auf Anfrage unserer Zeitung hat Willi Seyffarth aber bestätigt, dass auf Verwaltungsebene Gespräche zwischen den beiden Nachbarkommunen angelaufen sind. „Wir sind in einer sehr ähnlichen Situation und haben beide ein großes Interesse daran, dass unsere Schulstandorte erhalten bleiben“, erklärte der Fachbereichsleiter. Sowohl die Förderschule Stolberg als auch die Willi-Fährmann-Schule sind Förderschulen im Verbund mit Primar- und Sekundarbereich. Für solche Einrichtungen schreibt das neue Gesetz eine Mindestschülerzahl von 144 vor – eine Hürde, die Stolberg mit derzeit gut 130 Kindern schon jetzt nicht mehr schafft und an der wohl auch die Eschweiler Einrichtung scheitern wird.

Diese Einsicht hat zwischenzeitlich zur Gründung einer Arbeitsgruppe geführt. „Wir suchen zunächst im kleinen Rahmen nach einer möglichen Lösung und werden, falls wir diese finden, unseren Vorschlag dann in die Verhandlungen auf städteregionaler Ebene einbringen“, so Seyffarth.

Bis zum Ziel ist es allerdings noch ein weiter Weg. Das liegt weniger an möglichen Differenzen zwischen den Gesprächspartnern der beiden Städte als vielmehr an den noch nicht vorliegenden und absehbaren Schülerzahlen. Immerhin müsste auch eine als Teilstandort geführte Verbundschule immer noch 72 Schüler unterrichten. „Die große Unbekannte ist, wie das den Eltern jetzt eingeräumte Wunsch- und Wahlrecht sich auswirken wird“, sieht Willi Seyffarth momentan noch keine Möglichkeit abzuschätzen, wie viele Eltern sich zukünftig für eine Regelschule entscheiden und wie viele Kinder an einer Förderschule angemeldet werden. Nur so viel steht für ihn schon jetzt fest: „Wir werden nach wie vor Kinder mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf haben.“

Davon ist auch Georg Hermanns überzeugt und fordert deshalb schon seit längerem, Förderschulen als „kleine Systeme in einem geschützten Raum“ zu erhalten. Dafür erhält der Schulleiter nach eigener Aussage breite Zustimmung und Unterstützung in Stolberg. Zumal es immer mehr Schüler mit einem sehr großen Förderbedarf gebe. Vor allem im Bereich emotionaler und sozialer Entwicklung ist dieser Trend festzustellen. Erstmals übersteigt in der Förderschule Talstraße im laufenden Schuljahr die Zahl der Kinder in diesem Bereich diejenigen mit dem Schwerpunkt Lernen. Wohl auch deshalb stellt die Beschränkung auf die „E-Schüler“ eine weitere Option für die Talstraße dar. 88 Schüler gelten nach dem neuen Gesetz als Minimum. Auch dies wäre für Stolberg eine große Herausforderung.

Anfang nächster Woche werden sich die Verwaltungsdelegationen aus Stolberg und Eschweiler wieder an einen Tisch setzen. Eine direkte zeitliche Vorgabe für eine Einigung gibt es nicht. Gleichwohl steht für Willi Seyffarth fest: „Wir müssen bis zum Sommer Klarheit schaffen, damit die Politik nach den Ferien die vorliegenden Konzepte verabschieden kann.“

Dass am Ende aller Bemühungen das Auslaufen und damit mittelfristig die Schließung der Stolberger Schule stehen könnte, ist nicht auszuschließen. Der Fachbereichsleiter bekräftigt aber, dass dies die letzte aller denkbaren Möglichkeiten sei: „Im Interesse der Schüler vor Ort müssen wir alles versuchen, um den Standort Talstraße zu retten.“

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