Stolberg-Mausbach - Gemeindehaus ist ein Fall für die Bagger: Kosten zwingen zum Abriss

Gemeindehaus ist ein Fall für die Bagger: Kosten zwingen zum Abriss

Von: Jürgen Lange
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Nach fünf Jahrzehnten wird jetzt an der Dietrich-Bonhoeffer-Straße das Mausbacher Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde Stolberg abgerissen. Foto: J. Lange
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Bis Ende nächsten Jahres sollen hier sechs Einfamilienhäuser entstehen und vermarktet werden. Foto: J. Lange
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Die Entscheidung nicht leicht gemacht: Uwe Loeper, Thomas Schröder, Karl-Gottfried Freyberger und Gerd Tilgner (v.l.). Foto: J. Lange

Stolberg-Mausbach. Der Name Dietrich Bonhoeffer soll nicht das einzige Zeugnis evangelischen Lebens in Mausbach bleiben, wenn jetzt das Gemeindehaus an der nach dem lutherischen Theologen und Widerstandskämpfer benannten Straße im Ortskern abgerissen wird.

„Ganz im Zeichen der Ökumene können wir im Pfarrjugendheim von St. Markus weiterhin den Gemeindetreff und alle 14 Tage einen Gottesdienst anbieten“, freut sich Pfarrer Uwe Loeper über das Angebot der katholischen Kollegen. „Doch es war schon eine schmerzliche Entscheidung“, sagt der Seelsorger. Ein halbes Jahrhundert lang war der schlichte Backsteinbau das Zentrum des Lebens der evangelischen Christen im weiten Bereich zwischen Nachtigällchen und Schevenhütte.

Auf eine große Tradition kann die Evangelische Kirchengemeinde blicken. Sie reicht zurück bis ins 16. Jahrhundert – als die in Frankreich verfolgten Hugenotten eine neue Heimat an der Vicht fanden. Die Flüchtlinge aus dem Osten nach dem Zweiten Weltkrieg sorgten für eine wachsende Bedeutung der Kirchengemeinde – und dem Bedarf nach weiteren Gotteshäusern neben der Vogelsang- (1648) und der Finkenbergkirche (1686/1725) in der Altstadt.

Flüchtlinge aus den Ostgebieten

In Mausbach wurde zu Beginn der 1960er Jahre an der Dietrich-Bonhoeffer-Straße das Gemeindehaus erreichtet. Es sollte verbunden werden mit einer neuen Kirche auf dem benachbarten Gelände des heutigen Spielplatzes. Dazu kam es zwar nicht mehr, aber es folgten Jahre mit einem blühenden und gedeihendem Gemeindeleben.

Angebote für Kinder und Jugendliche, Treffen von Frauengruppen und Senioren, Bastelnachmittage, Vorträge, Feiern und Konfirmationsvorbereitung bildeten neben den Gottesdiensten den Kern des evangelischen Lebens im Mausbacher Umfeld, vor dem aber auch nicht der gesellschaftliche Wandel unserer Zeit spurlos vorbei gegangen ist.

Rund 1500 Seelen zählt die Evanglische Kirchengemeinde heute für den traditionellen Einzugsbereich dieses Gemeindehauses. Sinkende Kirchensteuerzahler und steigende finanzielle Herausforderungen fordern auch der traditionsreichen Stolberger Kirchengemeinde ihren Tribut ab.

„Wir können uns das Gemeindehaus in Mausbach einfach nicht mehr leisten“, bringt Kirchmeister Karl-Gottfried Freyberger die Fakten auf den Punkt. Die Kirchengemeinde konzentriert sich auf ihr Gemeindehaus in Brand sowie das an der Frankentalstraße derzeit entstehende ökumenische Gemeindezentrum.

Abschied bereits 2010 gefeiert

„Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“, betont Loeper. Bereits Weihnachten 2010 wurde der Abschiedsgottesdienst an der Dietrich-Bonhoeffer-Straße gefeiert. Seitdem steht das Gemeindehaus überwiegend leer. Intensiv beschäftigte sich die Kirchengemeinde mit einer Nachfolge-Nutzung. „Eigentlich ist das Gebäude gut geeignet für eine Nutzung als Praxis oder Büro“, sagt Freyberger, der drei Jahre lang nach Interessenten gesucht hat. Vergeblich. Aber letztlich wäre auch in diesem Falle eine kostenträchtige grundlegende Sanierung erforderlich geworden.

Das Presbyterium entschied sich für einen anderen Weg: Das Gemeindehaus wird abgerissen; die Küsterin übernimmt andere Aufgaben in der Gemeinde. Auf seinem Gelände entstehen in zwei Gruppen sechs Einfamilienhäuser. mit Niedrigenergiestandard. „Jeweils rund 130 Quadratmeter Wohnfläche auf rund 300 Quadratmeter großen Grundstücken“, erklärt Thomas Schröder von der Minerva Immobilien & Besitzgesellschaft mbH, die die eineinhalbgeschossigen Gebäude für die Kirchengemeinde errichten und vermarkten soll. Die Fertigstellung ist für Ende 2015 avisiert.

Erhalten bleibt der benachbarte Spielplatz, den die Kirchengemeinde an die Stadt vermietet hat, erklärt Freyberger. Erhalten bleiben auch die vielen Erinnerungen, die Gerd Tilgner mit dem Mausbacher Gemeindehaus verbindet. Der Jugendreferent der Stolberger Kirchengemeinde kann auf blühende Zeiten der Kinder- und Jugendarbeit im Mausbacher Umfeld verweisen. Sicherlich auch an Problemlagen. Tilgner half in den vergangenen Jahren, Konflikten zwischen Jung und Alt zu begegnen, die Jugend vor der Gefahr von Drogen zu warnen und engagierte sich bei weiteren präventiven und aufsuchenden Maßnahmen vor Ort.

Neuanfang an Frankental

Als die Kirchengemeinde ihr Angebot der Kinder- und Jugendbetreuung an der Bergstraße zugunsten des Ausbaus der Kindertagesstätte zu einem Familienzentrum schloss, wurde das Mausbacher Gemeindehaus erst einmal neue Anlaufstelle. Jetzt freut sich Gerd Tilgner auf eine baldige Fertigstellung des ökumenischen Gemeindezentrums an der Frankental­straße. Dort wird der Jugendreferent sicherlich auch unter optimierten Raumbedingungen einen Neuaufbau der Kinder- und Jugendarbeit in Angriff nehmen.

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