Gelungener Auftakt der Aktionswoche „gegen Rechts“

Von: Sarah-Lena Gombert
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Wer in die Kupferstadt kommt, sieht sofort: Stolberg hat keinen Platz für Rassismus. Entsprechende Beschilderungen gibt es an den Ortseinfahrten, wie hier aus Richtung Eschweiler kommend. Foto: S.-L. Gombert

Stolberg. „Angst und Skepsis sind menschlich und normal. Aber wir brauchen in Stolberg keinen Rechtsradikalismus.“ Es waren klare Worte, die Pfarrer Hans Rolf Funken der katholischen St.-Franziskus-Gemeinde Stolberg am Montagabend fand. Der Geistliche begrüßte etwa 50 Besucher zur Auftaktveranstaltung der Aktionswoche „Gegen Rechts“ in der Kleinen Offenen Tür St. Josef (KoT).

An mehreren Tagen in der laufenden Woche bietet die KoT Veranstaltungen rund um das Thema Rechtsradikalismus an. Zum Auftakt diskutierten der Landtagsabgeordnete Stefan Kämmerling (SPD), Stolbergs Bürgermeister Tim Grüttemeier (CDU), der Aldenhovener Pfarrer Charles Cervigne und Udo Beitzel von der Stolberger Gruppe Z, die das Thema Nationalsozialismus historisch aufarbeitet, miteinander. Moderiert wurde die Gesprächsrunde von Carsten Nellißen, einem ehrenamtlichen Mitarbeiter der Kleinen offenen Tür.

Ja, er habe beruflich mit Rechtsradikalismus schon zu tun gehabt, beantwortete Grüttemeier Nellißens erste Frage in die Runde. „Es gibt bei uns in der Stadt ja mehrere Veranstaltungen im Jahr, die sich explizit mit der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands befassen“, so der Bürgermeister.

Auch Udo Beitzel erinnerte an die Verlegung von Stolpersteinen in Stolberg, um die sich die Gruppe Z kümmert, an die Gedenktage für Roma sowie an die Gedenkveranstaltung anlässlich der Pogrom-Nacht im November. Auf Begegnungen mit Nazis angesprochen sagte Beitzel: „Was von denen kommt, sind meist nur Drohgebärden.“ Er selber habe zum Glück nichts anderes erlebt.

Der Landtagsabgeordnete Stefan Kämmerling erzählte vom „Braunen Haus“ in seinem Heimatort Dürwiß, von wo aus ein rechtsradikaler Verlag sein „Unheil betrieb“. Positiv sei festzuhalten, dass seinerzeit Anwohner und Geschäftsleute zusammengestanden hätten und schließlich mit ihrem Protest gegen die Rechten erfolgreich gewesen seien.

Pfarrer Cervigne aus Aldenhoven hat die Auswirkungen rechtsradikalen Gedankenguts am eigenen Leib erfahren: Die Geschichte des Geistlichen, der sich für Flüchtlinge einsetzt und deswegen an der eigenen Haustür Opfer einer Prügelattacke wurde, ging Anfang dieses Jahres durch die Medien. „Ja, ich habe eine gesemmelt bekommen, aber ich nehme das Phänomen normal wahr“, sagte Cervigne ganz gelassen. Es gelte, die Ideologien und die Menschen dahinter voneinander zu trennen. Man bekomme zwar seine Piekser, aber man werde auf der anderen Seite ja auch getragen.

Bereits seit Jahren gibt es in Stolberg keine Nazi-Aufmärsche mehr. „Darüber sind wir natürlich sehr froh“, sagte Tim Grüttemeier. Trotzdem gebe es auch weiterhin Ressentiments in der Kupferstadt. Und gerade wenn er außerhalb Stolbergs unterwegs sei, werde ihm bewusst, wie viel diese Ereignisse kaputt gemacht haben. „Das Image der Stadt Stolberg hat gelitten.“

Auf Nellißens Frage, warum es das Friedensfest nicht mehr gebe, das als Gegenveranstaltung zu den Nazi-Aufmärschen ins Leben gerufen worden war, sagte Grüttemeier: „Ich finde es besser, wenn wir nicht einen Tag institutionalisieren, sondern das ganze Jahr über klar machen, wie bunt Stolberg ist.“

Sowohl der Bürgermeister als auch der Landtagsabgeordnete Kämmerling zeigten sich überzeugt, dass das Thema AfD komplexer sei als die NPD. „Ich glaube nicht, dass die Wähler der AfD alle Nazis sind“, sagte Kämmerling. Anders sei es bei den Parteifunktionären, die „klassisch völkisch“ unterwegs seien. Alle demokratischen Parteien seien gefordert, Haltung zu zeigen.

„Wir müssen uns menschenverachtendem Gedankengut entgegenstellen“, appellierte Charles Cervigne gegen Ende der Veranstaltung. „Wir werden diesen Geist nie ganz los, aber wir können aufpassen, dass unsere Jugend diesen Quatsch nicht mitmacht.“

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