Stolberg - Geliebter Oldtimer: Familie investiert etliche Arbeitsstunden und viel Geld

Geliebter Oldtimer: Familie investiert etliche Arbeitsstunden und viel Geld

Von: Ottmar Hansen
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Kurt und Elke Söhndel samt Sohn Norbert sind stolz auf ihren 50 Jahre alten Opel Kapitän. Foto: O. Hansen
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Ein geschwungenes „L“ auf dem Fahrzeugheck steht denn auch für den gediegenen Luxus der 60-er Jahre. Foto: O. Hansen
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Fit auch für schwierige Urlaubstouren: Der Kapitän zieht auch brav das Segelschiff der Familie auf dem Anhänger Richtung Küste. Foto: O. Hansen

Stolberg. Wenn Kurt Söhndel mit seinem Wagen an der roten Ampel steht, bemerkt er regelmäßig die bewundernden Blicke der Passanten, die über sein Gefährt gleiten. „Guck mal da, ein Kapitän“, heißt es dann immer wieder. Einen Original Opel Kapitän bekommt man eben heute nicht mehr alle Tage zu sehen.

Der liebevoll restaurierte Oldtimer ist denn auch der ganze Stolz der Stolberger Familie. Und der Wagen feiert in diesem Jahr ein kleines Jubiläum: Vor 50 Jahren lief Söhndels Opel Kapitän vom Band. Im Besitz des 54-Jährigen ist der Wagen seit 1985. „Damals habe ich den Tipp von einem Freund bekommen, der den Wagen vor einer Firmenhalle entdeckt hatte“, erinnert sich Kurt Söhndel. „Der Wagen war über vier Jahre lang abgemeldet, alle vier Reifen waren platt.“ Den alten Besitzer, ebenfalls ein Oldtimer-Fan, konnte der Stolberger davon überzeugen, dass das Fahrzeug bei ihm in gute Hände käme. Für 700 Mark wechselte der Kapitän schließlich den Besitzer.

Heute ist der Wagen mindestens 12.000 Euro wert. Rund 200 Arbeitsstunden und etliche Mark hat Söhndel allerdings auch in die Restaurierung des Fahrzeuges investiert. Die Stoßstange wurde verchromt, das Schiebedach erneuert. Löcher in den Holmen waren vom Vorbesitzer mit Beton ausgegossen worden. Der musste entfernt werden, die Schäden ordnungsgemäß ausgebessert werden. Aus Sicherheitsgründen wurde der Wagen mit gelben Blinkleuchten nachgerüstet. Da hatte dann auch der TÜV nichts mehr auszusetzen. Ansonsten ist noch alles so, wie Opel es seinerzeit gebaut hatte.

Panorama-Frontscheide

Aus heutiger Sicht sicher gewöhnungsbedürftig: keine Gurte, keine Klimaanlage, keine Servolenkung, kein ABS, kein Funkschlüssel. Dabei zählte der Kapitän seinerzeit zu den Luxus-Automobilen. Söhndel: „Der Wagen hatte schon eine Parkleuchte, Leuchten in den Türen, und mit einem Fußschalter lässt sich das Fernlicht einschalten.“ Ein geschwungenes „L“ auf dem Fahrzeugheck steht denn auch für den gediegenen Luxus. Offenbar hat der Kapitän mit seinen spitzen Kotflügeln, der Panorama-Frontscheibe und dem Kühlergrill, der an ein Haifischmaul erinnert, bis heute nichts von seiner Faszination verloren. Jedenfalls besuchte der Vertreter einer Modellbaufirma die Stolberger Familie, um ein Rohmodell des Wagens anzufertigen. Seither ist der Opel Kapitän aus der Kupferstadt als Automobil-Modell in verschiedenen Maßstäben auf dem Markt zu haben.

Der Kapitän verfügt über eine Drei-Gang-Schaltung und einen 90 PS starken Motor, der das Fahrzeug mit Heckantrieb auf bis zu 150 km/h beschleunigt. Der Spritverbrauch liege bei acht bis neun Litern auf 100 Kilometer, betont Söhndel. „Getankt wird Super plus. Dem Sprit muss man dann noch einen Bleizusatz beimischen“, erläutert der 54-Jährige. 154.000 Kilometer hat der Wagen bis heute gelaufen.

Vier Liter Öl für 5,60 Mark

Kurt Söhndel hat noch die eine oder andere Reparaturrechnung aufbewahrt. So kostete die Einstellung der Ventile in der Werkstatt am 14. September 1964 ganze 7,45 Mark. Vier Liter Öl waren seinerzeit für 5,60 Mark zu haben. Ersatzteile sind durchaus auf dem Sammlermarkt noch zu bekommen. Wenn auch nicht ganz billig. Nach der Geburt von Sohn Norbert (14) ließ Kurt Söhndel zumindest für den Rücksitz einen Gurt einschweißen.

Der Kapitän beförderte die Familie bereits zu etlichen Ferienzielen. Ob nach Texel, Sylt oder nach Borkum. Und der Clou bei der Sache: Der Kapitän zog brav das Segelschiff der Familie auf dem Anhänger Richtung Küste. Auch Ehefrau Elke Söhndel erinnert sich gerne daran, wie man kurz nach der Anschaffung zwei befreundete Ehepaare im Kapitän zur Trauung chauffierte. „Als Überraschung haben wir beide Paare jetzt zu ihrer Silberhochzeit wieder mit dem Wagen abgeholt.“

Zum „50. Geburtstag“ des Wagens ging es vor wenigen Tagen auf den Campingplatz nach Woffelsbach. „Wir hatten den Wagen besonders geschmückt und 50 aufgeblasene Luftballons in den Innenraum gepackt. Als wir das Schiebedach geöffnet haben, sind die Ballons in die Luft gestiegen. Das war auch ein Schauspiel für die übrigen Gäste auf dem Platz“, erinnert sich Söhndel. Die Familie fährt das Auto den ganzen Sommer über, im Winter steht der Kapitän in einer Halle. Dann nehmen Elke und Kurt Söhndel einen alten Passat oder den Chrysler für den Weg zur Arbeit. Das Ehepaar hofft allerdings, seinen geliebten Kapitän noch viele Jahre fahren zu können.

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