Geheimfavorit bei den Deutschen Meisterschaften im Bauerngolf

Von: Dirk Müller
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Stolberg. Gut zwei Monate ist es her, dass vier Kupferstädter Freizeitsportler unzufrieden mit dem Zustand einer Minigolfanlage waren. In Vossenack unterwegs entdeckte Rolf Gollner ein Schild, das auf den Bosselbacher Hof und „Bauerngolf” hinweist.

Gollner und seine Mitstreiter Michael Harperscheidt, Marcel Franzen und Jens Köhler fanden schnell heraus, dass es sich beim Bauerngolf nicht um ein neues Automodell handelt, probierten den neuen Outdoor-Trendsport aus und sind seitdem begeisterte Anhänger der Freiluftsportart. Am Sonntag nehmen sie als Team „Albatros” an der dritten Deutschen Meisterschaft in Südlohn bei Bocholt teil.

Wie die Vier zum Bauerngolf kamen erinnert an die Entstehung des Sports, der sich immer größerer Beliebtheit erfreut. Vor elf Jahren machte der Niederländer Peter Weenink sich auf, um auf einem Golfplatz den Schläger zu schwingen. Ohne Platzreife und Clubmitgliedschaft musste er sich allerdings mit dem Übungsplatz begnügen. Frustriert auf seinen Bauernhof zurückgekehrt, beschloss er, auf seinem eigenen Gelände zu spielen, passte die Sportgeräte an seine Kuhweide an und Bauerngolf war geboren.

„Gespielt wird ein Lederball, der etwa die Größe eines Handballs hat. Dieser wird mit kleinen Holzklumpen, den holländischen Holzclogs nachempfunden, an Stöcken geschlagen”, erklärt Franzen von den „Albatrossen”. Wie beim „kleinen Bruder” der Sportart, dem Golf, ist es das Ziel, den Ball in das jeweilige „Hole” zu spielen, das beim Bauerngolf ein in den Boden eingelassener Milcheimer ist. Die Ausrüstung trägt statt einem Caddy ein Bollerwagen.

„Der hat auch genügend Platz für einen Kasten Bier”, schmunzelt Köhler wissend: Der Bollerwagen des Teams „Albatros” ist mit einem schicken Gartenzaun umrandet und ihn schmückt außerdem ein bunt bepflanzter Blumenkasten. Die Ausrüstung für die Deutsche Meisterschaft stimmt also - ebenso wie die Form des Stolberger Teams. „Auf der Anlage in Vossenack halten wir den Platzrekord und gelten in Südlohn als Geheimfavorit”, weiß Gollner, wobei Harperscheidt ergänzt: „Wie geheim genau wissen wir am Sonntagabend.”

Tatsächlich gelten die kupferstädter „Albatrosse” als Exoten unter den 52 teilnehmenden Teams der Deutschen Meisterschaft. „Wir haben bereits Kultstatus, obwohl uns noch keiner kennt. Das erste Spiel machen wir parallel zu der Prominenten-Mannschaft mit dem Südlohner Bürgermeister”, freut sich Köhler. Bei allem Spaß am Bauerngolf hat sich das Team durchaus hohe Ziele gesteckt und möchte auf jeden Fall die Hauptrunde erreichen. „Das Traumziel ist natürlich der goldene Klumpen, der Wanderpokal für den Deutschen Meister”, sagt Franzen mit leuchtenden Augen.

Das beste Beispiel dafür, dass Bauerngolf ein lustiger und dennoch ernstzunehmender Sport ist, stellt Harperscheidt dar, der bereits die erste Sportverletzung davontrug. Bei einem langen „Drive” kugelte er sich die Schulter aus, die aber wieder absolut in Ordnung sei. Er hat als Einziger des Teams Golferfahrung. „Das nützt mir aber nichts, denn Sportgeräte und Gelände sind zu unterschiedlich. Bauerngolf ist eine eigenständige Sportart”, analysiert der 30-Jährige.

Und diese ziehen die Stolberger Bauerngolf-Pioniere der steifen Etikette des elitären Golfs jederzeit vor. „Bauerngolf vereint Sport und Spaß in der freien Natur und festigt zudem die Freundschaft, da es ein reiner Teamsport ist. Laut Reglement darf man nicht alleine spielen, sondern nur in Mannschaften mit vier bis sechs Personen”, beschreibt Gollner die Faszination des aufstrebenden Sports. Das Reglement auf dem Bosselbacher Hof in Vossenack enthält übrigens die beim Bauerngolf durchaus gängige Klausel: „Die Tiere dürfen nicht gefüttert werden.”
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