Gefährliche Verlockung: Pilze sammeln will gelernt sein

Von: Leandra Kubiak
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Kennt sich mit Pilzen aus: Gabi Jansen, Pilzbeauftragte der Stadt Stolberg. Pilze wie dieser Birkenpilz sind harmlos und genießbar.

Stolberg. Gabi Jansen macht vorsichtig einen Schritt nach dem anderen, unter ihren Füßen knacken die Äste, auf die sie tritt, das Laub knistert. Die Stolbergerin ist im Wald unterwegs, abseits des breiten Fußweges. Über ihren Arm gehängt trägt sie einen geflochtenen Korb mit sich. Ein gewöhnlicher Spaziergang ist das nicht, Gabi Jansen hält nach etwas ganz bestimmtem Ausschau: nach Pilzen.

Zufrieden ist sie nicht gerade mit ihrer Ausbeute, weit und breit ist keine größere Ansammlung an Pilzen zu finden. Und daran, dass Jansen an den falschen Stellen sucht, kann es wohl kaum liegen. Jansen ist nämlich nicht irgendeine Pilzsammlerin, sie ist Pilzbeauftragte der Stadt Stolberg und weiß genau, an welchen Stellen sich Pilze finden lassen. Die Saison für das Gewächs beginne in der Regel Ende September und laufe bis Anfang November, sagt die Expertin. Doch das Wetter sei einfach noch nicht das richtige. „Bisher war es zu trocken“, weiß sie.

Um die richtigen Pilze zu finden, sei es in der Regel ratsam, sich an den Bäumen zu orientieren. „Jeder Baum hat seinen Pilzbegleiter“, erklärt Jansen. Im Fichten- oder im Buchenwald finde man beispielsweise häufig Steinpilze.

Zwei Dinge werden schnell deutlich, wenn man mit Jansen im Wald unterwegs ist: Richtig Pilze zu sammeln ist gar nicht so einfach. Und: Im Wald lauern Gefahren! Denn Pilze sind tückisch, wie es scheint. „Fast jeder Pilz hat einen ungenießbaren oder sogar giftigen Doppelgänger“, sagt Jansen. Einfach drauf lossammeln, das funktioniere nicht. Ganz wichtig sei immer, alle Merkmale eines Pilzes zu betrachten, bevor man diesen sammelt oder gar isst. Nur den Hut oder die Farbe zu betrachten, sei zu wenig.

Die wichtigsten Merkmale sind der Hut des Pilzes, die Unterseite des Hutes und der gesamte Stiel. Einen Pilz, den man nicht mit absoluter Sicherheit zuordnen kann, sollte man deshalb auch nicht am Stiel abschneiden, rät Jansen. So könne ein wichtiges Merkmal, der untere Teil des Stiels, später nicht mehr erkannt werden. Besser man drehe ihn aus dem Boden heraus.

Was passieren kann, wenn man tatsächlich einmal zum falschen Pilz greift, erfährt Jansen oftmals aus erster Quelle. Kommt es zu einer Unverträglichkeit und eine Person muss ins Krankenhaus gebracht werden, kann es sein, dass sie als Pilzbeauftragte kontaktiert wird, um den Pilz zu bestimmen, der da gegessen wurde. Ein unverträglicher Pilz könne dann durchaus mal zu starken Magen-Darm-Beschwerden und einem mehrtägigen Aufenthalt im Krankenhaus führen, erzählt die 59-Jährige. Schlimmere Fälle habe sie zum Glück noch nie erlebt – auch wenn es Pilze gibt, deren Verzehr tödlich sein kann.

Jansen ist nicht nur Pilzbeauftragte der Stadt, sondern bietet seit Jahrzehnten auch geführte Pilz-Wanderungen an. Abhalten möchte sie vom Pilze sammeln natürlich niemanden. Aber ihr liegt es am Herzen, dass die Sammler ihr Hobby verantwortungsvoll betreiben. Teilnehmern gibt sie daher den Tipp, sich pro Jahr auf nur eine Pilzsorte zu beschränken. Diese sollte man richtig gut kennenlernen und kann sie dann sammeln und verzehren.

Etwa 30 bis 40 unterschiedliche Sorten finde man in unserer Region, sagt Jansen. Insgesamt gibt es natürlich unzählige mehr. „Es gibt allein rund 30 verschiedene Sorten Champignons!“, klärt sie auf. Was sie oft beobachte, sei, dass Sammler sich zum Beispiel auf die Suche nach Champignons begeben und dann in eine Art „Sammelwahn“ geraten. Vor lauter Euphorie würden sie alles sammeln, was nach Champignon aussieht. In unserer Region wachse aber auch der weiße Knollenblätterpilz, der dem Champignon ähnlich sieht und höchst giftig ist.

Um Pilzbeauftragter werden zu können, muss man mindestens 100 Pilze sicher kennen und eine spezielle Prüfung ablegen. Ihr Wissen über die besondere Gattung – die übrigens nicht zu den Pflanzen zählt – hat Jansen schon früh erworben: Als Kind sammelte sie mit ihren Eltern, nach ihrer Ausbildung zur technischen Zeichnerin verbrachte sie mehrere Wochen in einer Pilzschule im Schwarzwald. Später leitete sie dann viele Jahre lang Wanderungen über die Volkshochschule, heute laufen ihre Kurse über die Stolberg Touristik.

Wenn es um Pilze geht, ist Jansen übrigens konsequent. Sie vertraut nur dem eigenen, geschulten Auge. „Wenn ich die Pilze vorher nicht gesehen habe, würde ich kein Pilzgericht essen, das jemand anderes gekocht hat“, sagt sie. Selbst im Restaurant wäre sie bei einem Gericht mit „Waldpilzen“ skeptisch. Bis auf den Hallimasch, der unbedingt 20 Minuten lang erhitzt werden muss, reichten in der Regel fünf bis zehn Minuten Garzeit aus, meint Jansen. Sie selbst isst am liebsten kräftige Pilze wie den Hallimasch oder den graublättrigen Schwefelkopf.

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