Gedenkfeier: Das Schicksal vieler Roma in Erinnerung halten

Von: Heike Eisenmenger
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Auch nach 67 Jahren halten sie die Erinnerung wach: Am Hauptbahnhof gedachten Stolberger und Aachener der 37 Roma, die am 2. März 1943 von den Nazis deportiert worden waren. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg-Atsch. Vor 67 Jahren wurden 37 Menschen aus der Kupferstadt deportiert. Übrig geblieben sind von den Stolberger Roma-Familien, die in Auschwitz-Birkenau ermordet wurden, nur ihre Fotos, die die Polizei kurz vor der Deportation gemacht hatte.

Übrig geblieben sind zudem die amtlichen Eintragungen. Der Völkermord im Dritten Reich wurde fein säuberlich festgehalten, dokumentiert und nach Buchstaben geordnet abgeheftet. Es war der 2. März 1943, als 37 in Stolberg lebende Roma - darunter 21 Kinder - nach jahrelangen Schikanen zum Hauptbahnhof in der Atsch getrieben wurden, um dort ihre letzte Reise mit Endstation Auschwitz anzutreten.

Auf den Tag genau 67 Jahre später trafen sich jetzt Stolberger und Aachener, um sich an die Ermordeten, die stellvertretend für unzählige Opfer des Nazi-Regimes stehen, zu erinnern. Veranstalter der Gedenkfeier war die „Gruppe Z” aus Stolberg sowie der VVN-Bund der Antifaschisten Aachen. Unterstützt wurde die Aktion vom „Stolberger Bündnis gegen Radikalismus - für Demokratie und Toleranz”.

Nur wenige erinnern sich an das, was damals passiert ist: „Es sind fast immer dieselben, die sich hier einfinden”, dankte Karen Lange-Rehberg denjenigen, die weiterhin am Jahrestag festhalten. Junge Leute fehlten an diesem Abend fast gänzlich. Doch auch auf Seiten der Roma war die Resonanz gering: Es nahm nur eine einzige Roma-Vertreterin an der Gedenkfeier teil.

Einer, der der Gedenkfeier in Stolberg beiwohnte, war der Israeli Rolf Jean Levy. Dass er an den Rollstuhl gefesselt ist, konnte den 80-Jährigen nicht davon abhalten, sich bei winterlicher Witterung am Romadenkmal vor dem Hauptbahnhof einzufinden. Dass sich über das, was passiert ist, langsam aber sicher der Mantel des Vergessens auszubreiten droht, will Levy nicht akzeptieren. Sich zu erinnern, was Rassenwahn anrichtet, sei gerade in Zeiten des wieder aufkommenden Rechtsradikalismus wichtiger denn je, so der Israeli. Man sei es den Ermordeten schuldig, „die sind nicht gestorben, die sind krepiert”, sagte er weinend.

Zum ersten Mal wurden bei der Gedenkfeier Fotos der Ermordeten gezeigt. Dafür hatten die Organisatoren ein kleines Zelt aufgestellt. Die Fotos waren im Rahmen der polizeidienstlichen Erkennung entstanden, „wie Verbrecher wurden die Roma vorgeführt und abgelichtet”, erzählte Karen Lange-Rehberg. „Die Aufnahmen sollten auch die Minderwertigkeit der fremdländischen Rasse bezeugen”, erklärte Lange-Rehberg, von soviel Menschenverachtung sichtlich angewidert.

Kurt Heiler, Sprecher der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund des Antifaschisten Kreisverband Aachen, mahnte Deutschland zur Verpflichtung gegenüber den 35.000 Roma und Sinti aus dem ehemaligen Jugoslawien, die in Deutschland nur geduldet sind. „Für Deutschland hat sich eine Verantwortung aus dem Überfall und der Zerschlagung des ehemaligen Jugoslawien ergeben.”

Den nur geduldeten Roma drohe die Abschiebung in den Kosovo, wo man jedoch in keiner Weise auf eine Rückführung vorbereitet sei. „Man überlässt diese Menschen einfach ihrem Schicksal”, Armut und Perspektivlosigkeit seien vorprogrammiert. „Viele der Kinder aus Roma-Familien sind hier geboren, sie sprechen weder Albanisch noch Serbisch, für sie ist Deutsch ihre Muttersprache”, befürchtet Heiler für die „Rückkehrer” einen nicht zu überwindenden Kulturschock.

Untermalt wurde die Gedenkfeier mit traditioneller Musik der Roma. Das Trio „Da Musica” aus Vaals verstand es, die Musik gefühlvoll darzubringen und dazu beizutragen, dass das Schicksal vieler Roma in Erinnerung bleibt.
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