Gedenken an die Bahnstrecke Münsterbusch

Von: Christoph Hahn
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So sah es dort mal aus: Mit vielen Fotos aus seinem Fundus dokumentierte Roland Keller (Bild) beim Frühschoppen für Eisenbahnfreunde im Foyer des Stolberger Hauptbahnhofs die Geschichte der Strecke von dort nach Münsterbusch.

Stolberg. Viele Menschen gibt es oft beim Frühschoppen für Eisenbahnfreunde im Stolberger Hauptbahnhof – so auch dieses Mal. Doch selten reisen sie so weit an wie Richard Versteeg und Paul Ros vom Modellbahnverein „Spijkspoor“ aus Spijkenisse bei Rotterdam.

Trotzdem hatten sie sich auf den weiten Weg in die Kupferstadt, um sich dort beim Vortrag von Frühschoppen-Initiator Richard Keller über die einstige Bahnstrecke nach Münsterbusch Anregungen für ihr aktuelles Klub-Projekt „Stolberg-Bahn“ zu holen.

In der Tat stellte sich Keller als regelrecht berufen, genau dieses Thema vorzustellen, heraus – denn er ist unmittelbar an der Strecke („Da bin ich mit dem Dampflok-Virus infiziert worden“) aufgewachsen und hat als Augenzeuge mit der Kamera ihre Entwicklung bis zum Abriss anno 1982 aus der Nähe verfolgt.

Von den kohlegefeuerten Maschinen der Baureihen 50 und 94 bis hin zu Dieselloks der Reihen 215, 260 und 290: Der heutige Donnerberger hat so gut wie alles (oder noch mehr) und das sowohl in Schwarz-Weiß als auch in Farbe.

Dass auch die Bahnhofsanlagen in Münsterbusch, der Anschluss der Zinkhütte, die Spitzkehre vor der Endstation und andere Details gebührend vorgestellt wurden – Ehrensache. Dabei schöpfte Roland Keller aus einer schier unerschöpflichen Fülle von Aufnahmen – so um die 200 Bilder werden die zahlreichen Teilnehmer im Foyer des Hauptbahnhofs wohl insgesamt im Verlauf des Referats zu sehen bekommen haben.

Ein trauriges Schicksal war der nur rund 3,5 Kilometer langen Verbindung von der Talbahn hinauf nach Münsterbusch beschieden: „Sie war die – 1887 – letzte in Stolberg gebaute Strecke und die erste, die wieder geschlossen wurde“, erinnerte sich der Kenner mit Wehmut in der Stimme.

Dafür gab es neben der Spitzkehre aber noch andere Besonderheiten: unzählig viele Bahnübergänge zum Beispiel und Werkshöfe, auf denen es so eng war, dass dort die Waggons statt mit Lokomotiven mit Gabelstaplern oder Seilzug-Anlagen bewegt werden mussten.

Vier Jahre lang, ab 1978, gab es so gut wie keinen Verkehr mehr auf den Gleisen, bevor dann eine Diesellok mit einem schweren Kran als letzter, als Abrisszug verkehrte. „Die Stadt wollte die Strecke weg haben, für Straßenbauvorhaben; die Bundesbahn aber wollte sie fast bis zuletzt retten“, sagte Roland Keller zum historischen Kontext des Endes.

Von Streckenarbeitern hat der Junge von einst in bitterer Stunde noch ein Hinweistafel mit der Aufschrift „Halt für Zugfahrten“ geschenkt bekommen. Dieses Schild haben jetzt die niederländischen Modellbahner als Geschenk aus Stolberg mit nach Spijkenisse genommen. Auf ihrer „Stolberg-Bahn“ lebt auch die Strecke nach Münsterbusch weiter, detailgenau nachgebaute Arbeiterwohnungen inbegriffen. Die Vorlage dafür? Was für eine Frage: natürlich die Fotos von Richard Keller.

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