Gebetshaus dient Bergleuten als Andachtsstätte

Von: Toni Dörflinger
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Nur der Turm hat den Wandel überlebt. Foto: T. Dörflinger

Stolberg-Atsch. Zwei Gebäude, die auf dem Gelände an der Ecke Sebastianus Straße/Würselener Straße liegen, erinnen an die Geschichte der volkstümlich „Et Küllche” genannten früheren Atscher Steinkohlengrube: nämlich der turmartige Bau Würselener Straße 3 und das mit Feldbrandziegeln verkleidete Haus Würselener Straße 15.

Der Turm war einst Mittelpunkt eines aus mehreren Flügeln bestehendes Schachtgebäudes, das vermutlich Mitte des 19. Jahrhunderts vom Besitzer der Grube, dem Eschweiler Bergwerksverein (EBV), errichtet wurde. Arbeitskräftemangel infolge des Deutsch-Französischen Krieges und große Grundwassermengen bewirkten die Einstellung der Steinkohlenförderung.

Nach der Stilllegung des Grubenbetriebes im Jahre 1870 gingen die Schachtgebäude dann in den Besitz des Metzgermeisters Gustav Winkhold über. Als 1960 die Firma Paul Schweitzer den unteren Teil des weitläufigen Zechengeländes erwarb, wurde das Schachtgebäude umgebaut und durch mehrere Bauten ergänzt. Sie beinhalteten eine Tankstelle, eine Kfz-Werkstatt und eine Ausstellungshalle.

Die Umgestaltung des unteren Zechengeländes hat nur der oberirdische Aufbau des rund 150 Meter tiefen Förderschachtes überlebt. Der Turm dient nämlich als Wohnraum. Neben dem Turm besaß die Atscher Steinkohlengrube auch ein aus Fachwerk bestehendes Gebetshaus, das der Vorgängerbau des Gebäudes Würselener Straße 15 ist. Das auch „Hut- oder Zechenhaus” genannte Gebäude diente den Bergleuten als Andachtsstätte und wurde aufgesucht, wenn die Grubeneinfahrt unmittelbar bevor stand. Die Fachwerkmauern des Gebetshauses, das später Bernhard Braun gehörte, wurden beseitigt, als das Traditionsgebäude 1977 saniert wurde. Der erste Umbau war bereits 1955 erfolgt.

Neben dem alten Förderturm und dem einstigen Gebetshaus erinnern außerdem drei verfüllte Schächte an den langjährigen Grubenbetrieb. Großflächig bebaut wurde das frühere Zechengelände in den 60er und 70er Jahren: Wohn- und Gewerbebauten entstanden.

Eine abwechlungsreiche Geschichte kennzeichnet auch das Gebäude Würselener Straße 23 - 25, das im oberen Teil des einstigen Bergwerksareals liegt. Das als Motel „Kaiser Karl” entstandene Kalksandsteingebäude wurde 1963 von Willy Königs errichtet. Als Motel bezeichnet man Rasthäuser oder Raststätten, die Autoreisenden einen Beherbergungs- und Gastronomiebetrieb anbieten. Allerdings enthielt das „Kaiser Karl” keine Übernachtsmöglichkeit, sondern neben einer Gaststätte zwei große Aufenthaltsräume.

In Disko umgewandelt

Dieses Motel wurde Anfang der 70er Jahre von seinem Besitzer in eine Diskothek umgewandelt, die anfänglich als „Oldtimer” und später als „Dampfwalze” bezeichnet wurde. Als 1988 die „Dampfwalze” ihre Pforten schloss, wurde dort das Tanzlokal „Springbrunnen” ansässig. 1991 wurde das ehemalige Tanzlokal dann zum Standort der Firma „Automobile Büscher”.

Eine weitere, von Anneliese und Josef Schmitz geführte Gaststätte, die den Namen „Bei Anni” trug, beherbergte einst das Erdgeschoss des Gebäudes Würselener Straße 19 - 21. Neben Autohaus, Tankstelle, Zubehörverkauf und mehrere Wohnbauten ist auf dem früheren Küllchen-Gelände seit den 60er Jahren auch die Lackiererei Josef Lentz untergebracht.
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