Stolberg-Atsch - Gaststätte „Kasino“: Beitrag in Festschrift führt auf falsche Fährte

Gaststätte „Kasino“: Beitrag in Festschrift führt auf falsche Fährte

Von: dörf
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Reproduktion eines Fotos, das die zum einstigen Chemieunternehmen Rhenania gehörende Gaststätte „Kasino“ zeigt.

Stolberg-Atsch. Zwei unterschiedliche Gebäude, die gegenüberliegend zu einem verschmolzen: Dieser Fehler ist dem Autor des Artikels passiert, der die geschichtlichen Hintergründe zum dritten Rätselbild über das Atscher Kasino beleuchtete.

Auf die falsche Fährte gelockt hatte ihn ein Beitrag in der 2001 erschienenen Festschrift: „St. Sebastianus Atsch - 1901 bis 2001“, der die dort abgebildete Gaststätte Willmsen – auch Hubertushof genannt – als Kasino des früheren Chemieunternehmens Rhenania bezeichnet.

Das Kasino lag aber in Wirklichkeit der Gaststätte Willmsen gegenüber und ist in den 1960er oder 1970er Jahren abgebrochen worden. Sein Standort war der Haupteingangs des Chemieproduzenten Rhenania, der später die neue Bezeichnung Kali-Chemie trug: heutzutage befindet sich dort die Einmündung der Rhenaniastraße.

Das Kasino war ein fünfachsiges Gebäude, das aus zwei Geschossen bestand: seitlich lag die mit einem Pultdach versehene einstöckige Kegelbahn. Urkundlich erwähnt wird das vermutlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtete Kasino im Jahr 1897. Denn dieses Datum trägt die im Stolberger Stadtarchiv aufbewahrte Konzessionsurkunde, die für den Betrieb einer Gaststätte erforderlich war.

Schließlich enthielt das Kasino neben getrennten Aufenthaltsräumen für Arbeiter und Angestellte der Rhenania auch eine Gaststätte. Sie war aber nicht für den öffentlichen Verkehr zugelassen und nur für die Beschäftigten des Unternehmens gedacht.

Die Einschränkung auf den nichtöffentlichen Betrieb hatte anfänglich aber immer wieder zu Problemen geführt. Denn die Gaststätte im Kasinogebäude wurde auch von den Mitarbeitern des nahen Hauptbahnhofes und des Betriebswerkes der Deutschen Bahn gerne aufgesucht: Gäste, die den Betreibern durchaus willkommenen waren, weil sie schließlich zusätzlichen Umsatz brachten.

Demzufolge beantragte man kurz nach dem Ersten Weltkrieg eine Konzession für den allgemeinen, öffentlichen Betrieb, die auch genehmigt wurde. Danach war das Kasino eine gern aufgesuchte Gaststätte der Atscher Bevölkerung. Die Gaststätte Willmsen wird in der Akte des Stolberger Stadtarchivs erstmals 1926 erwähnt, wobei das Gebäude aber vermutlich älter sein dürfte.

In der Nachkriegszeit wurde die Gaststätte, die in den späten 1980er Jahren ihren Betrieb einstellte, unter dem Namen „Hubertushof“ oder „Gasthof Willmsen“ geführt. Inzwischen macht das Gebäude, das mit seiner Rückfront am „Berthold-Wolff-Park“ liegt, einen arg vernachlässigten Eindruck.

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