Gasleitungen in Stolberg im Visier von EWV und Regionetz

Von: Jürgen Lange
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Den Kollegen von der Enwor, die eine neue Wassertransportleitung in Lehmkaulweg und Finkensiefstraße verlegen, folgt die EWV in Kürze mit einer neuen Gasleitung. Es ist eine der wenigen größeren Maßnahmen, die in diesem Jahr zur Investition Foto: J. Lange
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Manfred Schröder (l.), Geschäftsführer EWV, und Jürgen Schneider, Geschäftsführer Regionetz (r.)

Stolberg. Sputen mussten sie sich in den beiden vergangenen Jahren. 22 Millionen Euro wollten Jürgen Schneider und Manfred Schröder pünktlich bis Jahresende alleine im Stromnetz in die Erde gebracht und abgerechnet haben.

Das war eine der größten Investitionsmaßnahmen in der Geschichte der Regionetz GmbH, eine 100-prozentige Tochter der Stolberger EWV Energie- und Wasser-Versorgung GmbH, in der nun einmal die Leitungsnetze für Gas, Strom und Wasser gebündelt sind.

Mit ihrer Investition erneuerte die Regionetz 50 Kilometer Mittelspannungsleitung – sie ist Bindeglied zwischen dem Hochspannungs- und dem Niederspannungsnetz, das in die Haushalte führt – in Stolberg, Eschweiler und Alsdorf und in verschiedenen Kommunen im Kreis Düren. „Eine Investition in die Zukunft“, sagt ihr Geschäftsführer Jürgen Schneider.

Mit dem Stromkabel wurden auch Micro-Leerrohre für die Datenübertragung verlegt. Die sind in einem gemeinsamen Bündel mit den Stromleitungen verdrillt. „Das ist absolut neu und innovativ“, betont Schneider, denn die Gräben konnten schmaler ausgehoben und circa eine Million Euro gegenüber der konventionellen Lösung mit einzelnen Leerrohren gespart werden.

Angesichts der Summe, die das regionale Infrastrukturunternehmen während der beiden Jahre in die Hand genommen hat, fallen die Investitionen neben der kontinuierlichen Instandhaltung des insgesamt 786 Kilometer langen Stromnetzes in diesem Jahr deutlich sparsamer aus.

Leitungsarbeiten bis Ende April

Noch aus dem Vorjahr steht die Fortsetzung der Erneuerung einer Hochdruck-Gasleitung auf der Agenda: Auf einer Länge von 1800 Metern zwischen Büsbach und der Tallage, wo die Versorgung der Industrie sichergestellt bleiben soll. Es fehlt noch der letzte Abschnitt über Lehmkaulweg und Finkensiefstraße (L220).

Noch sind die Kollegen der Enwor mit einer Erneuerung einer Wasserleitung auf der Trasse unterwegs. Dann folgt die Regionetz. „Wir werden das aber bis Ende April in trockene Tücher gebracht haben“, ist sich Schneider sicher. Das zweite Große Projekt ist die Verlegung einer Verbindungsleitung zwischen Roetgen und Rott. Der kürzeste Weg würde jedoch durch ein Naturschutzgebiet führen, es ist wahrscheinlich, dass die Trasse nun entlang der Landesstraße geführt wird.

Die Stolberger Gasleitung hat Regionetz und EWV aber für ein anderes Problem sensibilisiert, das nur in der Kupferstadt auftritt, und „das am Stolberger Boden liegt“, sagt EWV-Geschäftsführer Manfred Schröder. Normalerweise haben die mit einem Bitumenmantel versehenen Stahlrohre eine Lebensdauer von 60 bis 80 Jahren. Die Ende der 60er Jahre verlegte Transportleitung zwischen Büsbach und der Zweifaller Straße hätte noch einige Jahre halten müssen. Doch in Stolberg werden Leitungen frühzeitig porös.

Korrosionsschäden und einzelne Leitungslecks machten darauf aufmerksam. Die Regionetz hat die Konsequenz gezogen und untersucht nun ihr Leitungsnetz in der Kupferstadt noch einmal im Detail, um im Falle des Falles betroffene Abschnitte zielgerichtet erneuern zu können.

Eine andere Sanierungsmaßnahme betrifft das Stromnetz in Teilen Stolbergs, Baesweilers und Linnichs. Rote Stromkabel aus den 70er Jahren drohen wasserdurchlässig zu werden. Sie sollen kostengünstig durch einen Silikonüberzug geschützt werden. „Auf diese Weise müssen wir nur 20 Prozent der Kosten aufbringen, und das hält dann 20 Jahre“, sagt Schneider. Etwa drei Millionen Euro werden in eigene Leitungen und weitere 1,8 Millionen Euro in das Partnernetz der RWE investiert.

Eine weitere Million Euro fließt in diesem Jahr in die Sanierung des Netzes des städtischen Wasserwerkes in Eschweiler (1,2 Kilometer) und des Verbandswasserwerks Aldenhoven. Weiter in regenerative Energie investieren werden die EWV und ihre Tochter Green, kündigt Manfred Schröder an. Einerseits steht der Windpark Eschweiler der RWE Innogy zur Realisierung an, an dem sich der Stolberger Versorger mit rund 30 Prozent beteiligen wird. Bei Investitionskosten von rund 65 Millionen Euro beteiligt sich die EWV mit rund 19 Millionen Euro.

Das zweite große Projekt ist ein weiteres Engagement im Bereich Photovoltaik. Im Bereich der Nivelsteiner Sandwerke wird der Solarpark Herzogenrath ausgebaut. Voraussichtlich schon im April kann auf den ersten 30.000 Quadratmetern die Sonnenernte beginnen, um dann eine Strommenge von rund 4000 Megawattstunden zu produzieren. Womit ein Drittel der anvisierten neuen Anlage fertiggestellt wäre. Strom für rund 1300 Vier-Personen-Haushalte würde dann aus Sonnenkraft produziert.

16.000 Solarmodule sollen dazu im ersten Abschnitt am Rande des Tagebaus Hochfeld installiert werden. Zusammen mit der 82.000 Quadratmeter großen Erstanlage in den Nivelsteiner Sandwerken würden ab April rund 14,5 Megawatt Sonnenenergie pro Jahr ins Netz fließen. Die Kosten für die Erweiterung des Solarparks Herzogenrath belaufen sich auf rund 3,6 Millionen Euro.

Wer in kleinerem Ausmaß in Photovoltaik investieren möchte, für den ist die EWV auch ein Ansprechpartner. „Wir investieren verstärkt in unseren Service“, kündigt Schröder an. Neben Beratung bieten die Stolberger Komplettangebote für Anlagen bis hin zum Contracting an, bei dem Planung, Bau, Instandhaltung und den optimierten Betrieb von Energieanlagen durch das Unternehmen übernommen werden.

133 Anlagen werden derzeit so betreut; weitere 50 sollen hinzukommen. „Wir wissen ja, dass wir als regionaler Versorger nicht immer der billigste sind“, räumt Schröder ein, „aber deshalb möchten wir unseren Service für die Kunden in der Region weiter verbessern“. Dazu zähle auch ein verstärktes Engagement beim Kundenservice des Unternehmens. „Wir haben unser Call Center mit acht Mitarbeitern um 20 Prozent aufgestockt und neu organisiert“, so der Geschäftsführer.

In Spitzenzeiten können bis zu 50 Personen auch aus den übrigen Bereichen der Verwaltung Anrufe entgegennehmen. „Im Durchschnitt beträgt dann die Wartezeit nur 20 Sekunden“. Und Spitzenzeiten erleben die Call-Center-Mitarbeiter nicht nur in den Zeiten, in denen die Abrechnungen zugestellt werden, „sondern wir merken auch schnell, wenn Leute mit dubiosen Haustürgeschäften unsere Kunden verunsichern oder gar Betrüger unterwegs sind“, rät Schröder in solchen Fällen sicherheitshalber einmal zu einem Anruf.

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