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Gasleitung durch Stolberg vorgestellt

Von: Ottmar Hansen
Letzte Aktualisierung:
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Die Trasse, unter der die Erdgasleitungen mindestens einen Meter tief in den Boden verlegt werden, muss für die Bauarbeiten etwa 38 Meter breit sein. Wenn der Graben später wieder verfüllt ist, wird kaum noch einer etwas von der Leitung ahnen. Foto: Open Grid Europe
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Die Trasse, unter der die Erdgasleitungen mindestens einen Meter tief in den Boden verlegt werden, muss für die Bauarbeiten etwa 38 Meter breit sein. Wenn der Graben später wieder verfüllt ist, wird kaum noch einer etwas von der Leitung ahnen. Foto: Open Grid Europe
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Helmut Roloff (Mitte) erläuterte den interessierten Bürgern das Projekt mittels Plakatwänden. Foto: O. Hansen

Stolberg. Die Planungen für das geplante Zeelink-Projekt, die Verlegung einer leistungsfähigeren Gas-Pipeline von der belgischen Grenze bei Lichtenbusch über Stolberger Stadtgebiet quer durch NRW bis nach Ahaus, werden konkreter.

Im Zinkhütter Hof stellte das verantwortliche Unternehmen Open Grid Europe am Mittwochabend den Gang des Genehmigungsverfahrens und den möglichen Verlauf der Pipeline vor. Zu den Interessierten, die sich an Stellwänden mittels Fotos und Skizzen über die Verlegung der großen Rohre informierten wollten, gehörten mögliche Anwohner der Trasse ebenso wie Bürgermeister Tim Grüttemeier.

Open Grid Europa hatte zahlreiche seiner Mitarbeiter aus der gesamten Bundesrepublik aufgeboten, die im Veranstaltungssaal des Zinkhütter Hofes jede noch so spezielle Frage zum Zeelink-Projekt beantworten konnten. Wie berichtet, soll die neue, etwa 215 Kilometer lange Gasleitung spätestens zum Jahreswechsel 2020/2021 in Betrieb gehen.

Rund 600 Millionen Euro wird Open Grid Europe in das Projekt investieren. Grund ist die dringend erforderliche Umstellung auf eine neue Gassorte. Derzeit werden Industriebetriebe und Stadtwerke in Nordwestdeutschland noch mit L-Gas aus Deutschland und den Niederlanden beliefert. Doch das Vorkommen des Gases wird bis zum Jahr 2030 um 90 Prozent sinken.

Alternative ist das H-Gas, das derzeit bereits aus Russland und Norwegen in die übrigen Landesteile Deutschlands geliefert wird. H-Gas hat einen höheren Methangehalt und damit einen höheren Brennwert. Da man L-Gas und H-Gas nicht mischen kann, müssen für den Transport von H-Gas zu den Empfängern in NRW allerdings möglichst bald neue Leitungen gelegt werden.

Um unabhängiger von bestimmten Lieferländern zu werden, will Open Grid Europe das Gas auch per Schiff über das Meer bis ins belgische Zeebrugge bringen lassen. Daher auch der Projektname Zeelink. Vor der Verschiffung werde das Gas auf -162 Grad heruntergekühlt und so verflüssigt, erläuterte Sprecher Helmut Roloff auf Anfrage interessierter Bürger. Dadurch verliere das Gas auch einen Großteil seines ursprünglichen Volumens und lasse sich so bestens, etwa von Saudi Arabien oder anderen Ländern bis nach Zeebrügge transportieren. Dort werde das Gas dann wieder aufgetaut und in die Pipeline durch Belgien eingespeist.

Von dort strömt es bis Lichtenbusch. Und ab dort werden neue, größere Rohre in deutschen Boden verlegt. Der Bau einer neuer Verdichterstation ist bei Verlautenheide geplant, die bereits bestehende Station im Wald gegenüber von Gut Schwarzenbruch bei Stolberg ist bereits ausgelastet. Im vergangenen Jahr hat Open Grid Europe die Pläne zunächst einmal grob entwickelt.

Im kommenden Monat wird der erste Behördenschritt, das Bauordnungsverfahren eingeleitet. Das bedeutet: Die Öffentlichkeit, alle betroffenen Behörden und Organisationen werden um eine erste Stellungnahme gebeten. „Wir wollen die Planungen bewusst früh offenlegen, um auch Sie als Bürger direkt mitzunehmen“, versprach Projektleiter Franz-Josef Kißing den Besuchern am Mittwochabend. „Wir sind dankbar für Anregungen und Vorschläge.“

Nach ersten Untersuchungen ins Auge gefasst wurde bislang ein etwa 600 Meter breiter Korridor von Aachen über Stolberg, Alsdorf und Baesweiler, innerhalb dessen die Pipeline verlegt werden könnte. Benötigt wird am Ende nur eine maximal 38 Meter breite Trasse. Die soll nach Möglichkeit durch Feldflur führen. Um Gebäude herum. Das heißt: Die Röhren in diesem 38 Meter breiten Streifen werden mindestens einen Meter tief in die Erde verlegt werden. Der vorher von den Baggern abgetragene Mutterboden wird anschließend wieder aufgefüllt.

Die Fläche werde in der Regel spätestens nach drei Jahren von den Landwirten wieder normal bebaubar sein, sagte Roloff. Natürlich würden die Bauern auch entsprechend für ihren Ernteausfall entschädigt. Bäume dürften allerdings auf der Trasse später nicht gepflanzt werden.

Welche der ausgewählten Trassen für Mensch, Tier und Pflanzenwelt nur gering belastend ist, werde im Rahmen einer Umweltverträglichkeitsprüfung ermittelt, betont Kißing. Später, in den Jahren 2017 und 2018, folgt das Planfeststellungsverfahren, in dem die Kommunen noch einmal ihre Anregungen zum Projekt einbringen können. Entscheidend Einfluss nehmen kann die Stadt Stolberg jedoch nicht.

Das Verfahren läuft über die Bezirksregierungen Münster, Köln und Düsseldorf. Sind alle bürokratischen Hürden genommen, will das Unternehmen bis zu 450 Meter Gasleitung täglich verlegen. Die rund sechs Millionen Endgeräte sollen dann bis 2021 auf die neue Gassorte umgestellt werden. Bürgermeister Grüttemeier zeigte sich nach dem Besuch der Veranstaltung durchaus angetan vom Mitteilungsgehalt. „Der Rundgang durch die Ausstellung zum Projekt war sehr informativ.“

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