Garnisonsstadt Stolberg: Wenn die Fabrik zur Kaserne wird

Von: Christina Handschuhmacher
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Das Foto zeigt die 3. Kompanie im Jahr 1916 auf dem Spiertzhof gegenüber der „Kaserne“ Grünenthal. Foto: Dalli-Werke GmbH & Co. KG

Stolberg. Der Moment, den die einen in ihrer Kriegseuphorie herbeigesehnt haben, und den die anderen verfluchen, kommt am 1. August 1914 um kurz nach 16 Uhr. Ein Polizist zieht mit einer Schelle durch die Stolberger Straßen: „Der 2. August ist der erste Mobilmachungstag“, verkündet er.

Zuvor hatten die Bürgermeister von Stolberg und Büsbach telegrafisch den Befehl erhalten, die Umschläge zu entsiegeln, in denen sich die Anweisungen für den Fall der Mobilmachung befinden. Schon Wochen vorher kündigt sich das drohende Unheil an: Die Lebensmittelpreise steigen drastisch, die Menschen stürmen die Geschäfte, um Vorräte anzulegen und holen ihr Geld von der Bank.

Am 2. August wird Stolberg Garnisonsstadt. Die 3. Kompanie des 1. Landsturminfanteriebataillons Aachen wird in Stolberg stationiert. Allein die bloßen Zahlen sind beeindruckend: 208 Offiziere, 5090 Unteroffiziere und 2470 Pferde müssen während des Aufmarschs untergebracht werden, schreibt der Historiker Dr. August Brecher in seinem Buch „Geschichte der Stadt Stolberg in Daten.“ Die seit dem Umzug von „Mäurer & Wirtz“ an die Zweifaller Straße leerstehenden Fabrikgebäude im Kuperhof Grünenthal werden zur Kaserne.

Kurze Zeit nach der Mobilmachung werden in Stolberg bereits Lazarette eingerichtet – im Gymnasium, im Bethlehem-Krankenhaus und im Gebäude der Firma Prym. Und das ist auch nötig: Schon drei Tage nach Kriegsbeginn kommen die ersten Büsbacher Soldaten verwundet zurück.

Bürgermeister Walter Dobbelmann hat derweil ganz andere Probleme. „Schon sieben von zehn im Stadtbezirk vorhandenen Polizisten sind einberufen worden. Die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung in der Stadt ist stark gefährdet“ beklagt er in einem Brief vom 3. August, der sich im Archiv der Stadt Stolberg befindet. Stadtarchivar Wolfgang Machhof bewahrt dort rund 150 Akten auf, die die verwaltungstechnischen Abläufe in Stolberg im Ersten Weltkrieg dokumentieren.

Die Akten zeigen auch, wie stark die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs auf die Stolberger Bevölkerung sind: Schon früh werden Lebensmittel rationiert, besonders dramatisch ist die Situation im sogenannten „Steckrübenwinter“ 1916/1917. Und auch für die heimische Wirtschaft sind die Konsequenzen brutal.

Am massivsten aber sind wohl die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs für die Angehörigen der Soldaten, die nicht mehr nach Hause zurückkehren: 759 Männer aus Stolberg und dem damals noch selbstständigen Büsbach fallen im Krieg, 50 bleiben vermisst.

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