Ganztagsschule: Wer wenig verdient, soll wenig zahlen

Von: Sarah-Lena Gombert
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Knapp die Hälfte aller Stolberger Grundschüler nutzt das Ganztagsangebot ihrer Schule, wie zum Beispiel in Büsbach. Foto: S.-L. Gombert

Stolberg. „Kann ich was trinken?“ „Hab‘ ich heute Judo?“ „Kannst du mir bei den Hausaufgaben helfen?“ Die Ferienzeit ist vorbei, im Offenen Ganztag (OGS) der Büsbacher Grundschule Bischofstraße ist Hochbetrieb. Das gilt auch für die anderen Grundschulen der Kupferstadt: Rund 980 Stolberger Kinder besuchen derzeit an einer der zehn Grundschulen den offenen Ganztag. Es könnten aber noch mehr sein.

Die Stadtverwaltung will nun, um die soziale Gerechtigkeit zu verbessern, die OGS-Elternbeiträge finanziell staffeln. Wer nur wenig verdient, soll auch weniger zahlen müssen.

Verantwortlich für den OGS-Betrieb sind in Stolberg häufig Trägervereine oder soziale Einrichtungen wie der Sozialdienst Katholischer Frauen SKF. „Mit den Trägern befinden wir uns derzeit in enger Abstimmung darüber, wie wir den Offenen Ganztag künftig gestalten wollen“, erklärt Robert Voigtsberger, Erster Beigeordneter und Sozialdezernent der Kupferstadt. Im sogenannten OGS Qualitätszirkel, in dem die Verwaltung, die Schulleitungen und die Träger der OGS-Einrichtungen zusammenkommen, hat das Schulamt seine Ideen präsentiert.

Die Politik muss entscheiden

Demnach sollen ab dem kommenden Schuljahr Familien, die über ein geringes Einkommen vergfügen, weniger zahlen. Wer viel verdient, könnte unter Umständen mehr zahlen als heute noch. „Das ist ein klassisches Solidarsystem“, sagt Dezernent Voigtsberger. Jeder soll geben, was er eben kann. Bislang erhebt jede Grundschule ihre eigenen OGS-Gebühren. Die sind zwar, je nach Standort, unterschiedlich. „Aber an einer Schule zahlen alle Familien den gleichen Preis“, sagt Voigtsberger.

Die Stadtverwaltung möchte in Zukunft erst einmal überprüfen, wie die finanzielle Situation der Eltern ist, dann das entsprechende Geld einsammeln und an die jeweiligen Grundschulen verteilen. Wie hoch die Gebühren sein werden, das muss noch politisch entschieden werden. Andere Kommunen in der Städteregion haben bereits eine soziale Staffelung eingeführt: Eschweiler, Monschau, Würselen oder auch Aachen selbst. Neben der Kupferstadt ist es nur die kleine Eifelgemeinde Simmerath, die im Altkreis Aachen noch keine Beitragsstaffelung anbietet.

„Ich gehe davon aus, dass wir unseren Entwurf, den wir mit den Trägern entwickeln, Ende des Jahres den politischen Gremien vorstellen können.“

Klaus Kratz, ehemaliger Stolberger Stadtrat, ist Vorsitzender des OGS-Trägervereins der Grundschule Bischofstraße in Büsbach. Er sagt: „Wenn die Stadtverwaltung für uns Trägervereine das Rechnungswesen übernimmt, ist das erst einmal zu begrüßen.“ Es entstünde teilweise viel Arbeit dadurch, dass Eltern ihre Beiträge nicht regelmäßig zahlen. Doch durch eine Staffelung der Beiträge, glaubt er, werde man nur wenige zusätzliche Eltern dazu bewegen, ihre Kinder für den Offenen Ganztag anzumelden. Eher das Gegenteil könne eintreten: „Eltern, die nun deutlich mehr zahlen müssen, überlegen sich doch, ob sie nicht eine andere Möglichkeit wahrnehmen, ihre Kinder unterzubringen“, sagt Kratz.

Und dass Eltern ihre Kinder nur des Geldes wegen nicht für eine Ganztagsbetreuung anmelden, daran hat Kratz seine Zweifel. Er sagt: „Die Gesellschaft verändert sich, und wir müssen darüber diskutieren, ob wir einen gebundenen Ganztag an den Grundschulen brauchen, so wie an den Kindertagesstätten und den weiterführenden Schulen auch.“ Doch das sei eine Frage, die nicht in Stolberg zu klären sei, sondern in Düsseldorf, sagt der Vorsitzende.

In vielen Schulen wird es eng

Kratz sieht noch ein weiteres Problem: „Es ist gut, dass die Stadt vielen Kindern ermöglichen will, die OGS zu besuchen. Doch in vielen Schulen wird es langsam eng“, erklärt er. An der Bischofstraße beispielsweise habe man Kinder ablehnen müssen, es gibt Wartelisten für frei werdende OGS-Plätze.

„Wir werden mit jedem Träger noch einmal intensiv über die Gegebenheiten vor Ort sprechen“, erklärt daraufhin Robert Voigtsberger. So könne man sich die Raumnutzungskonzepte der Grundschulen noch einmal ansehen. Auch, dass perspektivisch ausgebaut werde, sei nicht grundsätzlich ausgeschlossen. „Aber die Situation ist von Ort zu Ort wirklich unterschiedlich“, sagt Voigtsberger. Eines ist dem Dezernenten besonders wichtig: Am Elternbeitrag soll es nicht scheitern, dass Kinder die OGS besuchen.

„Wir haben eine soziale Staffelung des Elternbeitrags von Anfang an gewollt. Wir begrüßen die Bemühungen der Stadt daher grundsätzlich“, erklärt Margit Schmitt, SKF-Geschäftsführerin. Der SKF kümmert sich um den OGS-Betrieb an den beiden Grundschulen Donnerberg und Atsch. Auch in der Grundschule Atsch wird es im OGS-Bereich langsam eng.

„Trotzdem stellt sich für uns zunächst die Frage der Ausgrenzung, und dann der Auslastung“, so Schmittt. Ein Problem sieht die SKF-Chefin jedoch unter Umständen auf den OGS-Betrieb zukommen: „Wir zahlen unsere Mitarbeiter im OGS nach Tarif. Wenn nun die Beiträge gestaffelt werden, fallen eventuell Einnahmen weg.“ Diese müssten irgendwie kompensiert werden. „Wenn wir weniger Geld zur Verfügung haben, dann müssen wir mit weniger Personal auskommen.“

„Ich gehe davon aus, dass die Stadt einen Teil der Kosten übernehmen wird, sollten wir mit unserem Konzept Erfolg haben“, erklärt Robert Voigtsberger, „aber das ist, wie gesagt, noch in einem Entwurfsstadium.“

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