Ganztagsbetreuung wird für viele billiger

Von: Sarah-Lena Gombert
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Die Elternbeiträge für die Ganztagsbetreuung an Stolbergs Grundschulen, wie etwa die Grundschule Grüntal, sollen in Zukunft gestaffelt werden. Wer wenig verdient, soll wenig bis gar nichts zahlen müssen. Foto: Sarah-Lena Gombert

Stolberg. Die Hausaufgaben unter professioneller Betreuung erledigen, gemeinsam mit den Klassenkameraden das Mittagessen einnehmen und nachmittags im Umfeld der Schule Sport machen oder vielleicht einen Bastelkurs belegen: Für viele Grundschüler in Stolberg endet der „Arbeitstag“ längst nicht mehr nach dem Gong der letzten Unterrichtsstunde.

 Nach Angaben der Stadtverwaltung nimmt knapp die Hälfte aller 2000 Grundschüler, die eine der zehn Schulen im Stadtgebiet besuchen, am offenen Ganztag (OGS) teil. Tendenz steigend. Dieser Anteil soll in Zukunft noch wachsen: Gerade Kindern aus finanziell schwachen Familien will die Stadtverwaltung die Teilnahme am OGS-Betrieb durch sozial gestaffelte Elternbeiträge ermöglichen. Wer wenig verdient, soll für die Betreuung seiner Kinder auch weniger zahlen müssen. Am Mittwoch, 15. Februar, befasst sich der Schulausschuss mit dem Thema.

Analog zu den Elternbeiträgen an Kindertagesstätten hat die Verwaltung sieben Einkommensstufen festgelegt. Demnach sollen Eltern mit einem Jahresbruttoeinkommen von bis zu 16.000 Euro künftig gar nichts für die OGS-Betreuung zahlen müssen. Wer mehr als 73.000 Euro Jahresbruttoeinkommen mit nach Hause nimmt, zahlt künftig hingegen 120 Euro im Monat für das erste Kind, 60 Euro für jedes Geschwisterkind.

Andere Kommunen machen es vor

„Wir gehen davon aus, dass künftig 70 Prozent der Eltern weniger zahlen müssen“, erklärt Robert Voigtsberger, Erster Beigeordneter der Stadt, im Gespräch mit unserer Zeitung. Andere Kommunen in der Städteregion haben bereits eine soziale Staffelung eingeführt: Eschweiler, Monschau, Würselen oder auch Aachen selbst. Neben der Kupferstadt Stolberg ist es lediglich die kleine Eifelgemeinde Simmerath, die im Altkreis Aachen noch keine Beitragsstaffelung anbietet.

Doch wie wirkt sich eine günstige Elternbeitragsstaffelung auf den Betrieb an den Schulen aus? Die Auslastung der Ganztagsbetreuung an den Stolberger Grundschulen ist durchaus unterschiedlich. Während es an einigen Einrichtungen immer freie Plätze zur Verfügung gibt, führen andere Grundschulen, wie beispielsweise die an der Bischofstraße, Wartelisten für diejenigen, die gerne einen OGS-Platz möchten. Auch an der Grundschule Grüntal herrscht in der OGS-Betreuung Hochbetrieb, sowohl personell als auch vom Platz her wird es langsam eng. An anderen Grundschulen ist im OGS-Bereich gerade viel Bewegung, beispielsweise an der Grundschule Mausbach.

Veränderung abwarten

Das Problem hat die Stadtverwaltung im Blick. Durch gezielte Gespräche mit den einzelnen Schulen, vor allem aber auch mit den Trägern des OGS-Betriebs, will man jeweils eine passgenaue Lösung finden. „Wir wollen erst einmal die Anmeldezahlen nach der Einführung der gestaffelten Beiträge abwarten, um dann entsprechend reagieren zu können“, sagt der Dezernent. Auch wolle man weiter mit Schulen und OGS-Trägern eng zusammenarbeiten. Weiterhin, so ist sich Voigtsberger sicher: „Nicht jedes Kind, das eine Kindertagesstätte besucht, belegt auch zwangsläufig einen Platz in der offenen Ganztagsbetreuung.“

Günstigere oder wegfallende Beiträge auf der einen Seite, höhere Beiträge für Besserverdiener auf der anderen. Auch wenn die Stadt die Elternbeiträge staffeln wird: Ein Nullsummenspiel wird das Projekt für die Verwaltung nicht. Kalkuliert wird mit einer jährlichen Ausgabe von rund 650.000 Euro. Dem stehen geplante Einnahmen durch Elternbeiträge in Höhe von 360.000 Euro gegenüber. Einsparungen, die die soziale Staffelung refinanzieren sollen, sind laut Stadtverwaltung dadurch möglich, dass Angebote für Schüler, die bislang nicht am OGS teilnehmen, entfallen.

So gab es an einigen Grundschulen bislang eine zusätzliche Hausaufgabenbetreuung, die obsolet wird. Durch den Wegfall von Maßnahmen der sogenannten Schularbeitshilfe und der Sozialen Gruppenarbeit, die künftig im OGS-Bereich angesiedelt sein werden, will die Stadt 110.000 Euro im Jahr sparen. Am Ende bleibt ein städtischer Zuschuss von 180.000 Euro. In den Augen von Dezernent Voigtsberger eine äußerst sinnvolle Investition: „Gerade die finanziell schwachen Familien, für die eine qualifizierte Betreuung der Kinder so wichtig ist, profitieren von dem Modell“, sagt er.

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