Ganze Feuerwehr auf den Beinen: Gruppen werden regelmäßig abgelöst

Von: Jürgen Lange
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Pumpen ist das Gebot des Tages: Die Kellergarage des Wohnblocks steht unter Wasser, Fahrzeuge werden erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Auch noch am späten Nachmittag muss es abgepumpt werden. Foto: Jürgen Lange

Stolberg. Die Vorboten kommen am Nachmittag, die Einsätze folgen am Spätabend. In der Nacht zum Freitag wird letztlich die komplette Stolberger Feuerwehr im Einsatz sein, um den Auswirkungen des heftig einsetzenden Tauwetters Einhalt zu gebieten.

Das erste Warnzeichen spritzt bereits gegen 17 Uhr heftig, wenn Autos durch eine leichte Senke der Straße „Am Allmannshof” zwischen Werth und der Kreisstraße6 durchfahren. Zwei Stunden später rücken zwei Löschgruppen der Stolberger und weitere Kräfte der Eschweiler Feuerwehr sowie das THW aus.

Bereits beim Sturmtief „Carmen” Mitte November trafen sie sich zu einem vergleichbaren Einsatz bei einem Containerdienst neben dem Allmannshof: Das von den Wiesen der Werther Heide abfließende Tauwasser durchflutet eine Lagerhalle und bedroht die dortigen Wohngebäude. Während die Stolberger Wehrleute versuchen, das Wasser oberhalb der Siedlung mit Sandsäcken aufzufangen, umzuleiten und abzupumpen, sind die Kameraden aus Eschweiler bemüht, das Gehöft vor Ort vor den Unbilden des nassen Wetters zu schützen.

Flachsbach meldet sich zurück

27 THW-Helfer sind hier im Einsatz, unterstützen die Feuerwehr mit Fahrzeugen und fünf Hochleistungs-Tauchpumpen sowie einem fahrbaren Stromerzeuger. Weitere Helfer transportieren die Sandsäcke, die vom THW und dem Technischen Betriebsamt bereitgestellt werden, und sind in Atsch und Breinigerberg mit Tauchpumpen aktiv an der Wasserfront. Sie verläuft auch mitten auf der Kreisstraße6. Sie ist in einer Senke mit gut 40 Zentimetern Wasser geflutet.

Gegen 21.30 Uhr rückt die Feuerwehr dorthin aus, wo sie zuletzt 1984 im Hochwasser-Einsatz war. Seitdem hatte sich der Flachsbach friedlich gezeigt, aber in dieser Nacht muckt er im Tiefental wieder auf, drückt sein Wasser in den Keller des Hauses, unter dem er in einem Rohr eigentlich friedlich durchlaufen soll. Pumpen und bereitgestellte Sandsäcke halten das Wasser in Schach.

Gegen 22 Uhr beginnt der große Einsatz an der Hastenrather Straße. Zunächst in Höhe von Hausnummer 111. Auf einer Breite von 1,50 Meter und in einer Höhe von gut sechs Zentimetern schießt das Wasser des von den Wiesen des Hammerbergs abtauenden Schnees über den Hof in den Keller hinein. Lange wird hier die Wehr im Einsatz sein.

Gegen 3 Uhr geht´s an der unteren Hastenrather Straße weiter. Die Kellergarage des Wohnblocks 7-9 läuft voll und beschädigt die geparkten Autos. Auch hier schwappt angesichts der Wassermassen ein kleines Fließ in den Wiesen oberhalb der Bebauung aus seinem schmalen Lauf, den die Wehr mit Sandsäcken zu stabilisieren versucht, während Tauchpumpen auf Hof und im Keller das Wasser in die Kanalisation umleiten. Bis gegen 11 Uhr dauert dieser Einsatz für die Feuerwehr an - gepumpt wird allerdings auch noch am späten Nachmittag.

Otto-Thiel-Brücke gesperrt

Bereits um 8 Uhr kann die gesperrte Eisenbahnstraße in Höhe von Haus Tirol wieder freigegeben werden. Diese Landesstraße 23 war nach 2 Uhr gesperrt worden, weil der Münsterbach gegen die Otto-Thiel-Brücke drückte. Bis zur Oberkante reichte das Wasser, aber mit zurückgehender Flutwelle sank die Gefahr einer Überschwemmung.

Das nützt freilich den benachbarten Häusern wenig. Im Gebäude neben dem Fischweiher laufen Keller und Hof voll. Zwei Pumpen mit einer Leistung von bis zu 600 Litern pro Stunde schicken kontinuierlich die Fluten zurück in den Bach, um den Wasserstand halten zu können.

Wie gewohnt heißt es zu dieser Zeit auch im Schnorrenfeld Land unter. Hier verläuft der Münsterbach hinter Spundwänden fast mannshoch oberhalb des Straßenniveaus. Kein Wunder, dass hier regelmäßig die Keller volllaufen. Doch der Umfang des Tauwetters hat diesmal offensichtlich selbst die hochwasser-geübten Anlieger überrascht. Einige Autos standen auf den Höfen mitten im Wasser.

Das eigentlich schon aus dem Notdienst entlassene THW rückt erneut aus, um mit Rohrsteg-Brücken die Erreichbarkeit der Häuser sicherzustellen. Ein paar Meter weiter reduziert die Euregiobahn deutlich das Tempo, wenn sie über ihre Münsterbachbrücke rattert. Aber noch gut ein halber Meter trennt die Flutwelle von dem Schienenbett.

Pegel ohne Höchstmarken

Weitere Einsatzstellen der Hilfskräfte lagen an der Rothen Gasse, der Tal- und Pfarrer-Gau-Straße, Auf der Eiche und Josef-von-Görres-Straße, während auch zwei kleinere Brandalarmierungen in Gressenich und der Steinfurt von der Feuerwehr zu bedienen waren. Doch verglichen mit dem Gefahrenpotenzial, das das Wasser der Kupferstadt bietet, halten sich die Auswirkungen im Rahmen. „Sie werden überwiegend durch den von den Wiesen abgetauten Schnee ausgelöst”, bilanziert Stadtbrandinspektor Karl Wenn. „Wir haben sehr viel Glück.” Die Pegelstände der Bäche bleiben hinter ihren Gefahrenmarken und gehen ab 4 Uhr merkbar zurück.

2000 Sandsäcke ausgelegt

Die Höchststände liegen in Mulartshütte für den Münsterbach in Kornelimünster gegen 2 Uhr bei 1,60 Meter und für die Vicht gegen 1 Uhr bei 1,06 Meter, die damit nur etwa drei Stunden lang den ersten Warnwert überschreitet. Auch die Wehebachtalsperre juckt das Tauwetter nicht sonderlich. Der Zulauf von 7,2 Kubikmetern pro Sekunde zu Spitzenzeiten gegen 3.30 Uhr sorgt für einen um lediglich 0,02 Kubikmeter pro Sekunde gesteigerten Abfluss. Dabei verändert sich der Wasserstand in dem mit 13,53 Millionen Kubikmetern gefüllten Stauraum nicht einmal um einen Meter.

Gleichwohl beschert die Nacht den Einsatzkräften jede Menge Arbeit. Kontinuierlich wechselt der Stab die Löschgruppen aus. Letztlich ist die gesamte Stolberger Feuerwehr in dieser Nacht im Einsatz. Gut 180 aktive Helfer werden vom DRK Breinig mit warmen Mahlzeiten versorgt. Am Morgen liegen die bevorrateten 2000 Sandsäcke nahezu vollständig an den Einsatzstellen. Weiteren Nachschub abzufüllen, erscheint nicht notwendig. „Die Lage entspannt sich”, sagt Karl Wenn. „Es sei denn, der große Regen kommt.” Dann müssen bei Bedarf neue Säcke aktuell befüllt werden. Der Sand dafür liegt bereits parat.
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