Fußball-Stadtmeisterschaft: BSC Schevenhütte setzt auf Programm

Von: Johannes Mohren
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Die Zuschauer auf der Tribüne des „Goethe“ bekommen bei der Stadtmeisterschaft im Hallenfußball vom den Sparkassen-Cup viel zu sehen. Foto: J. Mohren
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Erstmals unterhält ein Rahmenprogramm und auf dem Spielfeld spannende Paarungen, wie hier FC Columbia gegen Breinigerberg (dunkelblau). Foto: J. Mohren
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Erstmals unterhält ein Rahmenprogramm und auf dem Spielfeld spannende Paarungen, wie hier FSV Columbia Donnerberg (schwarz) gegen BSC Schevenhütte. Foto: J. Mohren
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Erstmals unterhält ein Rahmenprogramm und auf dem Spielfeld spannende Paarungen, wie hier Breinig (weiß) gegen Dorff. Foto: J. Mohren
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Tannenbäume, Lagerfeuer, Kicker, Holznagelwettbewerb und eine Vorführung der Motorsport-Interessengemeinschaft Gressenich auf dem Schulhof gehören zum Rahmenprogramm der Stadtmeisterschaft.

Stolberg. Es war schon im Vorfeld von ihr die Rede gewesen. Von der Seele Schevenhüttes. Diese, so hatte Richard Wynands, der Vorsitzende des ortsansässigen Fußball-Vereins BSC, gesagt, wolle man als Ausrichter der Stadtmeisterschaft in die Halle des Goethe-Gymnasiums transportieren und so „das Turnier aus der Versenkung reißen“.

Der erste Hinweis, dass die Schevenhütter es ernst gemeint haben, erwartet alle, die am Samstagmorgen kommen, schon vor dem Eintritt in die Spielstätte: Tannenbäume sind dort aufgebaut – eine Anspielung auf die sportliche Heimat des BSC, auf das Stadion mitten im Wald.

Ein Lagerfeuer gibt es dazu, mit Strohballen drum herum. Richard Wynands und drei Mitstreiter haben sich hier schon in der Nacht zu Samstag gewärmt, lange Zeit, bevor die ersten Zuschauer kommen. Sie haben im Zelt vor der Halle geschlafen – der eisigen Januar-Kälte getrotzt. Warum? Weil die Tannenbäume längst nicht alles sind, was aufgebaut wurde, um die Seele Schevenhüttes auf der Liester aufleben zu lassen. „Und das“, sagt Wynands, „wollten wir in der Dunkelheit dann natürlich auch unbedingt beschützen“.

Um das selbstgesteckte Ziel zu erreichen: Mehr zu bieten als „nur“ Fußball, die ganze Familie einzubinden, „so wie das bei uns zu Hause im Waldstadion Spieltag für Spieltag gute Tradition hat.“ Einen Kicker-Tisch gibt es daher, einen Holznagel-Wettbewerb – oder die Show der Motorradsport Interessengemeinschaft (MSIG) aus Gressenich, die in der Mittagspause auf dem Schulhof des Goethe-Gymnasiums die Zweirad-Motoren aufheulen lässt und mit Sprüngen über Holzpaletten und ein arg zerbeultes Auto für Spektakel sorgt.

Ein Rahmenprogramm, das neu ist – und für Begeisterung sorgt. „Schevenhütte hat die Messlatte für alle, die in den kommenden Jahren folgen, sehr hoch gelegt“, sagt Gerd Schnitzler, Vorsitzender des Stadtverbands schon vor dem ersten Anpfiff. Ab 12 Uhr rollt der Ball. Nicht einmal eine Minute später fällt das erste Tor. Jeffrey Simmler bringt schon nach wenigen Sekunden den SV Breinig gegen den FC Stolberg in Führung.

Der erste Jubel in der Halle – viele werden folgen. Diesmal komprimiert auf ein Wochenende. Verkürzt und verdichtet, ganz bewusst, um das Turnier „spritziger und spannender“ zu gestalten, sagt Wynands. Ein Turnier, das nicht nur die vermeintlichen Favoriten ambitioniert angehen, sondern bei dem alle Teams zwei Tage lang dabei sein wollen – heißt: die Vorrunde überstehen.

„Du kannst dich hier beweisen, dich zeigen“, sagt Benni Kirch, Torwart des FC Breinigerberg, des klassentiefsten Clubs aus der Kreisliga D. Wichtige Erfahrungen könne man sammeln, sagt er auch, viel lernen. Aber am Ende wollen sie alle vor allem immer gewinnen – glauben an die Überraschung. In der Halle, wo auch gegen „die Großen“ viel möglich scheint.

Die Hallenstadtmeisterschaft 2016, sie liefert zudem einzigartige, ja – auf den Stolberger Vereinsfußball bezogen – historische Momente. Etwa für den C-Ligisten Columbia Stolberg. Einen „besonderen Anreiz“ habe sein Team gehabt, sagt dessen Trainer Peter Nießen. Weil es die letzte Teilnahme des traditionsreichen Vereins an einer Stolberger Hallenmeisterschaft ist. Wenn im Sommer die Saison endet, ist der Klub Geschichte – lebt im Fusionsverein FSV Columbia Donnerberg weiter. Die Spiele in der Goethe-Halle sind ein Highlight auf der Abschiedstournee, die sonst im Liga-Keller stattfindet – ein Bonbon, das ganz unerwartet kam.

Eigentlich wäre Columbia nicht dabei gewesen, erst als der VfR Venwegen absagte, rückte sie kurzfristig nach. „Es war eine tolle Sache, wir haben uns richtig gefreut“, sagt Nießen. Da ist auch das doch enttäuschende Abschneiden zu verschmerzen: Nach zwei deutlichen Niederlagen ist als Vorrunden-Letzter frühzeitig Schluss, in die Vereinschronik wird es dieser Auftritt also zumindest aus sportlicher Sicht wohl eher nicht mehr schaffen.

Sicher einen Platz bekommen wird das Turnier hingegen in den noch frischen Büchern des FSV Columbia Donnerberg. Denn während mit der Columbia ein Teil des neuen Fusionsklubs seinen Abschied feiert, erlebt der neue Verein auf der Stolberger Fußball-Stadtkarte gleichzeitig seinen ersten Auftritt – taucht erstmals auf der offiziellen Bühne auf. In neuen Trikots. Mit neuem Wappen. Im Ligabetrieb ist das erst ab der kommenden Saison möglich, für die Hallen-Stadtmeisterschaft gab es das Okay vom Ausrichter Schevenhütte.

„Das ist für uns ein super Rahmen, um uns zu präsentieren, um Fans und Umfeld mitzunehmen“, sagt Markus Baginski, der Vorsitzende des neuen Vereins. Das Ziel: Gleich weit kommen, ins Finale – und am liebsten natürlich auch gewinnen, betont Baginski schon am Samstag: „Erfolg verbindet, ein guter Auftritt weckt Energie.“ Energie, die nötig ist. Nach der Fusion, in der Findungsphase, die auch auf dem Donnerberg nicht ausbleibt. Aber: „Der Start hier, dieser optische Beginn in neuem Dress, ist nach dem städtischen Bewilligungsbescheid ein nächster echter Meilenstein, der auch für die Spieler spürbar ist“, sagt Baginski.

Bedanken, betont er, wolle man sich bei Schevenhütte, dass man dabei sein dürfe. In diesem Rahmen. Einem Rahmen, der so nur möglich ist, weil Wynands auf seine Helfer zählen kann. Zehn bis zwölf Menschen umfasse „sein Kader“, sagt er – die Mannschaft für das „Spiel“, das nicht vor den Hunderten Zuschauern auf dem Hallenboden stattfindet, sondern am Einlass, beim Kuchenverkauf, am Moderationstisch. Und, und, und. „Es ist alles perfekt vorbereitet, es funktioniert alles – aber man rechnet doch irgendwie immer mit dem Super-Gau“, sagt Wynands. Das ist am Samstagmorgen, und die Aufregung ist noch spürbar. Am Nachmittag, der Super-Gau ist immer noch ausgeblieben, kehrt immer mehr Ruhe ein, Wynands strahlt. Vielleicht, weil er spürt, dass sie begeistert: die Seele Schevenhüttes.

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