Fürsorgeverein markiert Anfang für soziale Taten

Von: Toni Dörflinger
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Stolberg. Sie galten als sittlich und moralisch gefährdet, die Mädchen und Frauen, die während des Ersten Weltkrieges in den Fabrikhallen Maschinen bedienen und Werkstücke fertigen mussten, um die zum Kriegsdienst verpflichteten Männer zu ersetzen. Hilfe kam jedoch von katholischen Fürsorgevereinen.

Die Vereine stellten  – wie in Stolberg geschehen – so genannte Fabrikpflegerinnen ein, um die Arbeiterinnen vor Ort zu besuchen und sie zu unterstützen.

Den Stolberger Ableger des „Katholischen Fürsorgevereines für Frauen, Mädchen und Kinder“, der sich seit Ende der 1960er Jahre Sozialdienst katholischer Frauen nennt, hatten 1913 Delphine Heynen und Katharina Peltzer gegründet. Sie kümmerten sich um „sittlich gefährdete“ Frauen und Mädchen und unterstützten „verwahrloste“ Jugendliche. Außerdem unterhielten sie eine so genannte Kriegsküche, die die Not leidende Bevölkerung mit regelmäßigen warmen Mahlzeiten versorgte.

Am heutigen Willy-Brandt-Platz

Standort des Vereins war anfänglich die auf dem heutigen Willy-Brandt-Platz gelegene Marktschule. Dort hatte die Stadt Stolberg dem Fürsorgeverein, der später auch für die Betreuung nichtehelicher Kinder, die Vermittlung von Adoptionen und die Übernahme von Vormundschaften zuständig war, einen Raum zu Verfügung gestellt. Doch die neuen Aufgaben machten den Bau eines eigen Hauses erforderlich. Ein Haus, das Obdachlosen und arbeitslosen jungen Frauen eine Zufluchtsstätte bieten sollte.

1927 war es soweit: Das Agnesheim wurde errichtet, das man der Zentrumspolitikerin Agnes Neuhaus (1854 - 1944) gewidmet hatte, die 1899 unter dem Namen „Verein vom Guten Hirten“, den heutigen Sozialdienst katholischer Frauen gegründet hatte. Das „Am großen Rad“ gelegene Baugrundstück hatte die Stadt zur Verfügung gestellt.

In den 1930er Jahren kam zu den bereits bestehenden Aufgaben die Altenpflege hinzu. Fortan diente das Agnesheim auch als Senioreneinrichtung. Während der NS-Zeit war die Arbeit des Fürsorgevereines von staatlichen Repressalien und Willkürmaßnahmen betroffen: Dem Verein wurden keine Pflegefälle mehr zugeteilt. Als die Mühle im Herbst 1944 zur Hauptkampflinie wurde, musste das Agnesheim evakuiert werden. Eine neue Bleibe fand man im Haus des Arztes Josef Horz an der Kortumstraße.

Neue Aufgaben standen in den ersten Nachkriegsjahren an. Das Agnesheim wurde zur Zufluchtsstätte für junge Frauen aus Ost- und Mitteldeutschland. Raumnot bewog den Fürsorgeverein Anfang der 1950er Jahre dazu, einen Neubau zu errichten. In direkter Nachbarschaft zur alten Niederlassung wurde 1953 an der Birkengangstraße ein Haus eingeweiht, das fortan als Mädchenwohnheim diente.

Mit dem Bau der Berliner Mauer versiegte der Strom der jungen Aussiedlerinnen aber. Unterbelegung war die Folge. Um die Wirtschaftlichkeit sicherzustellen, wurde das neue Gebäude an den Diözesan-Caritasverband verpachtet. Er richtete dort eine Tagesstätte für geistig und körperlich behinderte Jugendliche ein. 1969 erfolgte die Umbenennung in Sozialdienst katholischer Frauen (SkF). Danach gerieten kinderreiche und sozial benachteiligte Familien in den Fokus des SkF. In der Obdachlosensiedlung Bodelschwingstraße (heute CAE-Gelände) wurde eine Spielstube eingerichtet.

Umwidmung des Agnesheimes

Einschneidende Veränderungen brachten die 1970er Jahre. Das Agnesheim wurde zum Wohnort von verhaltens- und milieugeschädigten Kindern und Jugendlichen. Diese Umwidmung führte dazu, das in den Folgejahren überall im Stadtgebiet und sogar in Eschweiler und Roetgen Außenwohngruppen aufgebaut wurden.

Mit der Schuldner- und Schwangerschaftsberatung, der Kleiderkammer und der ambulanten Betreuung psychisch kranker Menschen kamen für den SkF in den 1980er und 1990er Jahren neue Arbeitsfelder hinzu. Schließlich wurden zwei Kindertagesstätten eingerichtet: am Rhein-Nassau-Weg (Zwergenburg) und an der Bierweiderstraße (Tagesstätte für spanische Kinder).

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