Für mehr Grün „kein Potenzial”

Von: Rainer Herwartz und Jürgen Lange
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BdB-Präsident Karl-Heinz Plum
BdB-Präsident Karl-Heinz Plum aus Heinsberg will mehr Grün in die Städte bringen. Foto: Rainer Herwartz

Stolberg. Das Öko-Konto ist wohl das einzige Konto, auf dem die Stadt Stolberg im Plus ist. Mehrere Hunderttausend Euro wert sind die Punkte, die die Stadt durch ihr intensives Engagement im Naturschutz angespart hat. Insbesondere Förster Theo Preckel macht sich um derartige Einnahmen verdient, jüngst mit der umfangreichen Renaturierung des Naturschutzgebietes Schlangenberg.

Mehr Grün in die Städte anstatt ins Umland - das ist eine aktuelle Foderung des Bundes deutscher Baumschule. „Das Ökokonto und die hier angelegten Gelder bieten als ökologisches Kompensationsinstrument für die Flächenbebauung die Möglichkeit, hochwertiges Grün in Städten zu etablieren und damit in die Verbesserung der Lebensqualität der Städter zu investieren”, sagt Karl-Heinz Plum, der Präsident des Bundes deutscher Baumschulen.

Der Heinsberger BdB-Chef spricht sich ausdrücklich dafür aus, Ausgleichsflächen für Baummaßnahmen zukünftig insbesondere in den Städten und Kommunen zu schaffen und nicht nur in unbebauten und dünn besiedelten Regionen. Denn hochwertige und viele Grünanlagen verbessern das Stadtklima nachhaltig.

„Wir sehen den zunehmenden Verfall unserer innerstädtischen Grünanlagen mit großer Sorge, zeigt sich doch hier besonders deutlich die häufig schwierige finanzielle Situation der Kommunen. Daher bietet das Instrument der Ökokonten die große Chance, eine solide und zukunftsweisende Grün- und Umweltpolitik in den Kommunen zu leisten”, so Plum. Den gesetzlichen Rahmen gebe hierfür das Baugesetzbuch (BauGB) in seiner Novellierung vor.

„Die klassischen Ausgleichsflächen, die bei größeren Bauvorhaben meist am Rand der Kommunen eingerichtet wurden, sollen abgeschafft und die Flächen in die Städte verlegt werden”, sagt Plum. Oftmals seien die Ausgleichsflächen zudem nicht genügend gepflegt worden. Die Landwirte wollten überdies nicht weiter auf Fläche verzichten, glaubt der BdB-Präsident. Insbesondere vor dem Hintergrund knapper werdender Flächen, bedingt durch den stetig steigenden Flächenverbrauch unter anderem durch die ökologische Wende und die damit steigenden Pachtpreise, gewinne der Themenkomplex Stadtgrün noch größere Bedeutung.

So sei das Ökokonto, das durch den jeweiligen Bauherren gefüllt werden müsse, eine Möglichkeit, um vorsorglich Flächen und Maßnahmen zum Ausgleich zu bevorraten. Dabei könnten Gemeinden bereits vor der Planung von Baugebieten Ausgleichsmaßnahmen durchführen und später refinanzieren. „Da sind die Stadtplaner gefragt”, so Plum.

Wenn Ausgleichsflächen im Stadtkern selbst entstehen sollen, müssten allerdings einige Änderungen im Hinblick auf die Art der Bepflanzung vorgenommen werden, erläutert der Baum-Experte. So sei es beispielsweise mittlerweile unmöglich, Eichen innerstädtisch anzusiedeln, da die Gefahr durch den berüchtigten Eichenprozessionsspinner zu hoch sei. Auch Platanen fallen demnach durch das Raster, da sie häufig von Pilzerkrankungen und vorzeitigem Blattfall betroffen seien. Standortgerechte Pflanzen müssten gegenüber den heimischen Gehölzen notfalls den Vorzug erhalten.

„Wenn das gehen würde, wäre das vielleicht gar nicht schlecht”, bilanziert Andeas Pickhardt. „Aber in den Innenstädten, erst recht in der Stolberger, fehlen einfach die Flächen für solche Ausgleichsmaßnahmen”, gibt der für Stadtentwicklung zuständige Fachbereichsleiter zu bedenken. Und mit dem Pflanzen von einzelnen Bäumen wäre es ja auch nicht getan. Immer mal wieder gebe es Kritik an der Systematik des Einsatzes der Öko-Punkte.

Neben dem BdB hätten auch schon die Interessensvertreter der Landwirtschaft geklagt, dass durch Ausgleichsmaßnahmen wertvoller Ackerboden verbraucht werde durch ökologische Aufwertungen, erzählt Pickhardt. Letztlich bleibe dies eine politische Entscheidung. Angesichts des durch erforderliche Naturschutzmaßnahmen anwachsende Öko-Konto vermarkte die Stadt den Wertzuwachs durchaus. So seien ganz aktuell bei der Erweiterung einer Gewerbefläche die Ökopunkte für Ausgleichsmaßnahmen von den Investoren abgekauft worden.

Außerdem werden Öko-Punkte als Ausgleich bei der Erschließung städtischer Baugebiete eingesetzt.

Camp Astrid: Für die Konversation des ehemaligen Militärlagers in ein Gewerbegebiet musste die Stadt rund 1 Million Öko-Punkte schaffen. Auf 15 Hektar Land, u.a. neben der Bahnstrecke bei Schwar­zenbruch, wurden in den Jahren 2005/06 über 60 000 junge Bäume gesetzt. Das ergab 1,8 Millionen Öko-Punkte. Der Überschuss wurde dem städtischen Konto gut geschrieben.

Frackersberg: 2001 rodete ein privater Waldbesitzer den Frackersberg oberhalb Zweifalls. Aus der Insolvenzmasse des Investors erwarb 2005 die Stadt für 50 020 Euro die 15 Hektar. Förster Theo Preckel forstete die Hanglage mit 11 500 jungen Setzlingen heimischer Baumarten auf. Knapp 490 000 Ökopunkte konnte die Stadt so als Gutschrift für das Öko-Konto erwirtschaften.

Schlangenberg: In dem Naturschutzgebiet mit europäischer Bedeutung drohte importierter Kiefernbewuchs die seltene heimische Galmei-Flora zu verdrängen. Auf rund 40 Hektar wurde 2011 der Baumbewuchs gerodet und die ursprüngliche Landschaft wiederhergestellt. Die Bilanz: Die geschützten Blumen und Gräser kehren zurück und die Stadt erhielt rund 1,7 Millionen Öko-Punkte.
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