Für Grundschulen soll ein neues Konzept her

Von: Michael Grobusch
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Die gute Arbeit an der Hermannschule – hier Schüler im Friedensgarten – wird allgemein anerkannt, die Anmeldezahlen sind dennoch rückläufig. Mit einer Festlegung der Zügigkeiten könnte der seit Jahren festzustellenden „Flucht“ aus der Innenstadt entgegengewirkt werden. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Das Thema ist ein heißes Eisen und in der Vergangenheit mehr als einmal kontrovers diskutiert worden. Jetzt könnte eine Vorgabe der Landesregierung zur Versachlichung führen – und möglicherweise auch zu einer Lösung des Problems. Denn trotz aller bisher offenbarter Meinungsverschiedenheiten ist es unstrittig, dass bei der Verteilung der Schüler auf die zehn Grundschulen im Stadtgebiet erheblicher Verbesserungsbedarf besteht.

Besonders deutlich offenbart sich dieser in der Innenstadt. Während die Hermannschule und die Grüntalschule rückläufige Anmeldezahlen verzeichnen, erlebt die Grundschule auf dem Donnerberg einen Ansturm. In aktuellen Zahlen ausgedrückt: Für das Schuljahr 2013/14 zählten die beiden erstgenannten Einrichtungen lediglich 36 bzw. 39 Einschreibungen.

Sollte sich der Trend fortsetzen, wäre bald die Grenze der Einzügigkeit erreicht. An die Grenze stößt auch die Grundschule Höhenstraße – allerdings im oberen Bereich: Mit 82 Anmeldungen ist das Limit eigentlich schon überschritten, zumal auf dem Donnerberg mit einer jahrgangsübergreifenden Eingangsstufe gearbeitet wird.

Von einer Wiedereinführung der 2008 abgeschafften Schuleingangsbezirke hat die Stadt Stolberg trotz der seit zwei Jahren wieder bestehenden Möglichkeit abgesehen. Zu groß war der Widerstand einzelner Schulleiter, die das Recht auf Wahlfreiheit der Eltern propagierten oder bzw. und einen Rückgang an der eigenen Schule fürchteten.

Jetzt aber könnte auf Umwegen doch eine Regulierung eingeführt werden: Das 8. Schuländerungsgesetz des Landes fordert bis zum Ende des laufenden Schuljahres ein Konzept zur Festlegung der Klassenfrequenzen und -größen. Und genau hier will der Schulausschuss-Vorsitzende Patrick Haas mit seiner SPD-Fraktion ansetzen. „Die Stadt ist jetzt gesetzlich sogar verpflichtet, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Das sehen wir als große Chance an, um ein langfristiges und verlässliches Konzept zu schaffen“, erklärte Haas am Dienstag auf Anfrage unserer Zeitung.

Berücksichtigt werden sollen dabei „soziale und inklusive Aspekte“. Und die Tatsache, dass in Stolberg längst nicht jedes Kind die nächstgelegene Schule besucht – was zu den beschriebenen Problemen führt.

Besonders markant ist das Missverhältnis an der Grundschule Höhenstraße. Laut einer Statistik der Stadt Stolberg gibt es für das kommende erste Schuljahr auf dem Donnerberg genau 46 Kinder, die wohnortnah und somit innerhalb der Grenzen des früheren Schuleingangsbezirks leben. Es gingen aber 82 Anmeldungen ein. Genau umgekehrt ist das Bild auf der Mühle, wo von potenziell 82 Kindern nur 43 den Weg zur Hermannschule fanden.

Das würde sich mit der von der SPD angestrebten Begrenzung der Zügigkeit ändern. Zwar bliebe die Wahlfreiheit der Eltern weiterhin unangetastet. Bei einer „Überbuchung“ aber hätten die wohnortnahen Kinder Priorität. Ein konkretes Beispiel: Schüler aus der Innenstadt hätten bei einer festgelegten Zweizügigkeit der Grundschule Höhenstraße dort nur noch geringe Aussichten auf einen Platz.

Davon wiederum würden die Hermann- und Grüntalstraße profitieren, was durchaus gewollt ist – aus quantitativen Gründen, aber wohl auch im Sinne eines besseren sozialen Gefüges innerhalb der Schülerschaft. Die Attraktivität der beiden Schulen würde dadurch zweifellos erhöht. Der Effekt könnte sogar noch verstärkt werden, wenn an weniger frequentierten Schulen gezielt kleinere Klassen angeboten würden. Das neue Gesetz sieht diese Möglichkeit ausdrücklich vor.

Erste Arbeitstreffen mit Vertretern der Stadt sowie dem Schulrat der Städteregion, Christoph Esser, haben bereits stattgefunden. Nun soll die Verwaltung nach dem Willen der SPD-Fraktion zügig auch das Gespräch mit den Schulleitern suchen. Patrick Haas betont: „Uns ist sehr daran gelegen, dass die Beteiligten von Beginn an in den Prozess eingebunden werden. Nur so wird es möglich sein, ein trag- und zukunftsfähiges Konzept zu entwickeln und damit dauerhaft Planungssicherheit zu schaffen.“

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