Stolberg - Für den interkulturellen Austausch fehlen die deutschen Gäste

Für den interkulturellen Austausch fehlen die deutschen Gäste

Von: Toni Dörflinger
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Die Fahrt mit der Pferdekutsche war beim türkischen Maifest die größte Attraktion für die Kinder. Foto: S.Sillius

Stolberg. Habibe Büyük und Asiye Dilsiz-Ege trinken türkischen Tee. Mit Freundinnen und Verwandten sitzen die Frauen in den Räumen des Integrations- und Bildungsvereins (IBV) an der Schneidmühle. Hinter ihnen ist ein großes Büfett aufgebaut: „Alles türkische Spezialitäten”, sagen sie und preisen die gefüllten Teigtaschen, Hackbällchen und süßen Speisen an.

Während es hier drinnen ruhig zu geht, ist draußen jede Menge los. Zum zweiten Mal feiert der IBV sein Maifest und wie im letzten Jahr gibt es jede Menge Angebote für Kinder und Jugendliche, zum Beispiel eine Hüpfburg, einen Mal-Workshop oder eine eine Pferdekutsche. Osman Ertürk und die übrigen Vorstandsmitglieder des IBV haben auch in diesem Jahr keine Kosten und Mühen gescheut, um einen aktiven Teil zur Integration in Stolberg beizutragen.

Sie wollen Vorurteile und Ängste gegenüber Muslimen abbauen und Transparenz schaffen, sagen sie. Auch zum Freitagsgebet in der Moschee haben sie wieder eingeladen. „Leider haben daran diesmal nicht viel mehr Deutsche teilgenommen als im letzten Jahr”, muss Ertürk etwas enttäuscht eingestehen. Damals waren es nur zwei, diesmal immerhin vier. Umso mehr freut sich Ertürk über den Besuch von Bürgermeisters Ferdi Gatzweiler und weiterer Ratsmitglieder. Gatzweiler ermutigt die Aktiven, das Fest auch in Zukunft zu veranstalten. Miteinander zu reden sei der richtige Weg, um Ängste vor den anderen Kulturen abzubauen.

Der interkulturelle Dialog ist aber genau das, was Habibe Büyük und Asiye Dilsiz-Ege noch vermissen. Während sie beim Teetrinken zusammensitzen, fragen sie sich, warum so wenige Deutsche ihrer Einladung zum Maifest folgen. Dabei sei doch gerade dies eine Möglichkeit, Vorurteile abzubauen. Die Muslime treffen sich einmal im Monat zum gemeinsamen Essen, aber das Maifest sollte doch eine internationale Sache sein.

„Vielleicht ist es, weil wir so viel Türkisch miteinder reden, oder wegen der Kopftücher”, überlegt Habibe Büyük. Auch im Kindergarten ernte sie oft schiefe Blicke, wenn sie ihre Kinder abholt und sich mit anderen Frauen auf Türkisch unterhält. Dabei ist sie gerne bereits, sich auszutauschen, Fragen über ihre Religion und Kultur zu beantworten. Warum Frauen und Männer bei türkischen Festen oft getrennt voneinander zusammensitzen, zum Beispiel.

Vielleicht wird im nächsten Jahr ein Dialog über solche und andere Fragen stattfinden. Dass es noch ein weiter Weg ist, darüber ist man sich einig. Doch die Mitglieder des IBV wollen nicht aufgeben.
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