Fünf Tore sollen die Altstadt als Zentrum greifbarer machen

Von: Michael Grobusch
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Hartmut Kleis setzt sich vielfältig für Stolberg ein. Mit seiner Idee von den fünf Toren will er eine deutliche Markierung des Stadtkerns schaffen, die vor allem Touristen eine Orientierungshilfe bieten soll. Foto: M. Grobusch
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Eines der fünf Tore soll im Kreuzungsbereich von Steinweg, Burgstraße und Zweifaller Straße geschaffen werden. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Eigentlich könnte sich Hartmut Kleis mit gutem Gewissen zur Ruhe setzen. Das im Gesundheitssektor tätige Familienunternehmen ist mit seinen rund 50 Mitarbeitern gut aufgestellt, mit Sport und Kultur geht er ausfüllenden Hobbys nach, die keine Langeweile aufkommen lassen, und für Stolberg hat er eigentlich mehr als genug getan. Doch der Plan des 67-Jährigen ist ein anderer.

Immer noch kann man ihn täglich in den Geschäftsräumen an der Rathausstraße antreffen. Und immer noch besitzt er diese Energie und diesen Antrieb, sich für die Stadt einsetzen, in der er mit seinen Eltern als Vierjähriger zog und die er heute ganz selbstverständlich seine „Heimatstadt“ nennt.

Dass Stolberg für Hartmut Kleis seit langem eine Herzensangelegenheit ist, belegt ein Blick auf sein vielfältiges Engagement. Der Gesellschaft für Stadtmarketing (SMS) gehört er an und war dort im Vorstand tätig, um die Weihnachtsbeleuchtung auf der Rathausstraße hat er sich gekümmert, die Bürgerstiftung unterstützt er und als Mitorganisator des Stolberger Musiksommers stellt er alljährlich ein beachtenswertes Programm auf die Beine. „Wenn man Erfolg hat, dann ist man auch bereit, sich weiter zu engagieren“, sagt Kleis über seine Motivation.

Erfolg erhofft er sich auch von seinem neuesten Projekt, wenngleich er weiß, dass er dabei schwieriges Terrain betritt: Mit fünf Toren, die die möglichen Zugänge aus unterschiedlichen Himmelsrichtungen markieren sollen, will Hartmut Kleis die Stolberger Altstadt besser greifbar machen „Wir sind froh und stolz, auf der Autobahn Hinweisschilder auf Stolberg und seinen historischen Stadtkern anzutreffen.

Wenn man als Tourist dann allerdings nach Stolberg kommt, wünscht man sich dort auch solche Orientierungshilfen. Man sieht zwar die Burg, aber wie man dorthin kommt und wie weit sich die Altstadt erstreckt, das müssen Auswärtige selbst in Erfahrung bringen.“ Für den Geschäftsmann ist das ein unhaltbarer Zustand. „Leider finden die Grundregeln der Vermarktung bei unserer wunderschönen Altstadt nur wenig Anwendung“, bemängelt er.

In Bad Münstereifel hat er das als Reisender ganz anders erlebt. Nun weiß der Apotheker, dass die beiden Städte nur bedingt miteinander vergleichbar sind. Und dennoch brachte ihn der Aufenthalt in der Wahlheimat von Heino auf eine Idee: „Wir müssen einen abgegrenzten Bereich für unsere Altstadt schaffen. Wir brauchen fünf Tore, um sie zum zentralen Mittelpunkt unserer Stadt zu machen.“

In der letzten Sitzung des Kulturausschusses hat Hartmut Kleis seine Vorstellungen dargelegt. Rein informativ, wie er betont, denn die Politik will er nicht mit ins Boot nehmen. „Stadt und Politik haben in Sachen Altstadt 30 Jahre nichts getan. Von denen will ich mir nicht reinreden lassen“, nimmt der 67-Jährige kein Blatt vor den Mund. „In Stolberg gibt es viele Dinge, die dank des ehrenamtlichen Engagements sehr gut laufen.“

Steinweg als zentraler Zugang

So soll es auch mit den fünf Toren für die Altstadt sein. Längst hat Kleis erste Gespräche mit Kunstschmieden und Künstlern und auch mit potenziellen Geldgebern geführt. An der Finanzierung, da ist er sicher, wird es am Ende nicht scheitern. Die genaue Ausgestaltung der fünf Tore hingegen ist noch offen.

Hartmut Kleis schwebt ein Ideenwettbewerb vor, er will die Stolberger mit einbeziehen in die Planung und Umsetzung, schließlich geht es um ihre Stadt und die Identifikation mit dieser. Er will einen Impuls schaffen. Und für ein Umdenken werben. Denn das Potenzial der Altstadt könne nur dann optimal genutzt werden, wenn auch der Steinweg als zentraler Zugang ein anderes Gesicht erhalte. „Im Grunde war schon vor 20 Jahren klar, dass der Steinweg in seiner ursprünglichen Form nicht mehr wiederbelebt werden kann.“

Kleis fordert deshalb einen Abschied vom Steinweg als Einkaufsmeile. „Die wird es nicht mehr geben. Stattdessen haben wir hier seit vielen Jahren einen schrecklichen Leerstand. Und Leerstand ist das Schlimmste, was einer Stadt passieren kann.“ Der Apotheker redet Klartext: „Die Menschen müssen einfach akzeptieren, dass Eschweiler zu den City-Städten gehört, Stolberg aber nicht.“

Deshalb müsse dort Wohnraum geschaffen werden, wo heute nach allerorts verwaiste Ladenlokale die Aufmerksamkeit auf sich ziehen würden. „Wir müssen einen intakten Stadtteil vorweisen können. Wo es eine vernünftige Bewohnung gibt, da kommt das Gewerbe automatisch hin“, ist Hartmut Kleis überzeugt und fordert: „Wir brauchen ein umfassendes Konzept, das eine andere Nutzung des Steinwegs zum Ziel hat.“ Und der Weg zu diesem Ziel müsse den Beteiligten nicht nur durch Visionen, sondern auch durch konkrete Hilfen geebnet werden.

Städtische Bürgschaften

Vor allem, wenn es ums Geld geht. „Viele Hauseigentümer sind doch gar nicht in der Lage, alleine und aus eigener Kraft ihre Objekte im Steinweg für eine neue Nutzung herzurichten.“ Kleis sieht deshalb die Stadt gefordert: „Sie sollte die Bürgschaften übernehmen und in Kooperation mit einigen Banken dafür sorgen, dass den Immobilienbesitzern günstige, risikoarme Kredite zur Verfügung gestellt werden.“

Wenn Hartmut Kleis solche Forderungen formuliert, dann kommt eine gehörige Portion Vehemenz zum Ausdruck. Es ist kaum vorstellbar, dass er in diesem Punkt in den nächsten Jahren lockerlassen wird. Kein Zweifel: Da hat jemand noch eine Menge vor. Und ist ganz weit entfernt vom Ruhestand.

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