Fünf Jahrzehnte „fest im Sattel“: Lothar Schüller im Interview

Von: Dirk Müller
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Der Stolberger Reitlehrer und Springreiter Lothar Schüller möchte mit seinen talentierten Turnierpferden Golden Star, Chin Chin und Lexus (v.l.) auch weiterhin bei Wettbewerben an den Start gehen. Foto: D. Müller

Stolberg. Noch im Sommer 2013 konnte er beim Reitturnier auf Gut Hassenberg die Punktespringprüfung Klasse L gewinnen. Dies war nur einer von vielen sportlichen Erfolgen des Stolberger Springreiters Lothar Schüller. Am vergangenen Montag feierte er im Kreise von zahlreichen Freunden seinen 60. Geburtstag.

Mit dem Mann, der mittlerweile mehr als fünf Jahrzehnte „fest im Sattel sitzt“ und aus der Kupferstädter Reitszene nicht wegzudenken ist, sprach Dirk Müller über seinen Werdegang und die Entwicklungen im Reitsport.

Wann haben Sie mit dem Reiten begonnen?

Schüller: Als ich sechs Jahre alt war, hat mein Vater mir mein erstes Pony geschenkt. Zwei Jahre später bekam ich ein größeres Pony, das zum Reiten geeignet war. Mit zehn Jahren hatte ich ein Islandpony und habe mich über meine erste Schleife bei einem Turnier gefreut, damals noch im Fahren. Als ich zwölf Jahre alt war, nahm ich an meinem ersten Jugendspringen teil, und dann ging es mit Springen und Vielseitigkeitsreiten weiter.

Später haben Sie sich dann aber ganz aufs Springreiten konzentriert.

Schüller: Ja das begann, als ich 21 war. Obwohl ich mit 22 oder 23 noch einmal Dritter bei der Dressur-Kreismeisterschaft wurde. Aber danach habe ich mich nur noch dem Springen gewidmet.

Und das bis heute erfolgreich. Was war und ist Ihr Rezept für die guten sportlichen Leistungen?

Schüller: Sicherlich das beständige Training. Ich habe durchschnittlich drei Stunden jeden Tag im Sattel gesessen, und so ist es teilweise heute noch. Andererseits hatte ich wirklich gute Lehrer. In der Vielseitigkeit haben Heinrich Rühl und Hans-Gerd Botttermann mir sehr viel beigebracht. Beim Springen sind es Michael Fervers und Mario Piasecki, denen ich viel zu verdanken habe. Außerdem bin ich in meiner Jugend mit meinem Freund Peter Weinberg einmal in der Woche nach Herzogenrath-Kohlscheid gefahren, wo wir bei Hans Berenz trainiert haben – ebenfalls einem Pferdefachmann par excellence.

Wie viele verschiedene Pferde haben Sie bisher geritten?

Schüller: Schätzungsweise 80 bis 100. Dadurch habe ich die Eigenarten der jeweiligen Tiere gut kennengelernt. Reiten ist ja kein Sport, bei dem es auf Kraft oder Technik ankommt. Es geht um Gefühl. Man sitzt nicht auf dem Pferd, sondern im Pferd, also Pferd und Reiter müssen eine harmonische Einheit bilden. Und das Sprichwort „jeder Jeck ist anders“ trifft nicht nur auf Menschen, sondern auch auf Pferde zu. Die Tiere sind Individuen, jedes Pferd hat seine Besonderheiten sowie mal einen guten und auch mal einen schlechten Tag. Das muss man wissen, und man muss damit umgehen können, um ein guter Reiter zu sein.

Welches waren ihre erfolgreichsten Pferde?

Schüller: Was die Vielseitigkeit anbelangt war es Nardino. Beim Springreiten war ich mit Makalu recht erfolgreich, und auch Chin Chin ist sehr talentiert.

Wie lange werden Sie noch sportlich aktiv bleiben und an Turnieren teilnehmen?

Schüller: Das ist eine gute Frage. Momentan habe ich mit Lexus, Golden Star und Chin Chin drei gute Turnierpferde, die langsam in ein fortgeschrittenes Alter kommen – genau wie ich selbst. Ich glaube, die beste Antwort ist: Solange ich noch Lust darauf und Spaß daran habe und die Gesundheit es zulässt, trete ich bei Turnieren an.

Nachdem Sie mehr als 40 Jahre für die Reitergemeinschaft Stolberger Pferdefreunde angetreten waren, sind Sie bei dem Sommerturnier 2013 auf Gut Hassenberg für den Reiterverein Büsbach gestartet.

Schüller: Ja, das hat sich so ergeben. In diesem Zusammenhang ist es allerdings erwähnenswert, dass ich auch beim Reiterverein Büsbach bereits seit vier Jahrzehnten Mitglied bin.

Wie hat der Reitsport sich in unserer Region entwickelt?

Schüller: Na ja, wenn wir zum Beispiel die Herbstritte, die so genannten Fuchsjagden, betrachten, ist ein Rückgang beim sportlichen Freizeitreiten nicht zu leugnen. Früher gab es 25 solcher Ritte, heute sind es noch drei im gesamten Umkreis.

Was sind die Gründe für diesen Rückgang?

Schüller: Einerseits wird vieles durch behördliche Vorschriften reglementiert, was die Organisation und Durchführung solcher Ritte nicht leicht macht. Andererseits ist die Geselligkeit der Reiter nach dem Ausritt auch nicht mehr so, wie sie einmal war. Zudem fehlt es den Vereinen oft an Freiwilligen, die sowohl planen und organisieren als auch tatkräftig helfen und mit anpacken. Das betrifft sicher auch viele andere Vereine aus den Bereichen Sport, Kultur und Brauchtumspflege und ist kein spezifisches Reiter-Problem. Aber es wirkt sich im Reitsport auf Ausritte und auch auf Turniere aus. Als Turnierreiter muss man heute jedem Verein dankbar sein, wenn er es auf sich nimmt, ein Turnier auszurichten. Denn auch das ist im Vergleich zu früher wesentlich schwieriger geworden.

Welche Schwierigkeiten meinen Sie genau?

Schüller: Um ein Reitturnier auszurichten, benötigt man zunächst viele helfende Hände. Sei es, weil die Zeit fehlt oder die Bereitschaft – es ist nicht leicht, genügend Helfer zu finden. Dann kommen die Finanzen hinzu. Man braucht Sponsoren, und die gibt es zwar noch, aber echte Großsponsoren, die sich mit stattlichen Summen in ein Turnier einbringen, sind rar geworden. Daher braucht ein Verein heute viel mehr Sponsoren, die sich stattdessen mit kleineren Beträgen engagieren. Diese müssen persönlich angesprochen und für das Turnier begeistert werden. Dazu braucht der Verein wiederum noch mehr freiwillige Helfer, die die Zeit aufbringen können und Lust dazu haben.

Da die Stolberger Pferdefreunde derzeit ohne eigenes Gelände sind, wird es in diesem Jahr wohl nur ein großes Turnier in Stolberg geben. Wie beurteilen sie die Veranstaltung des Reitervereins Büsbach?

Schüller: Grundsätzlich kann ich mit gutem Gewissen sagen, dass ich auf dem Turnierplatz von Gut Hassenberg immer sehr gerne geritten bin und auch weiterhin reiten werde. Was das gesamte Turnier angeht, war das vergangene Sommerturnier meiner Meinung nach ein Paradebeispiel: Es war eine rundum gelungene Veranstaltung. Dieses Turnier braucht den Vergleich mit anderen Veranstaltung in ähnlicher Größenordnung wirklich nicht zu scheuen.

Sie sind ohne das Internet aufgewachsen. Nennungen zu Turnieren erfolgen heutzutage aber ausschließlich online. War das ein Problem für Sie?

Schüller: Nein, überhaupt nicht. Für das Verfahren der Online-Nennungen gab es eine Einführungszeit von drei bis vier Jahren, so dass jeder genug Zeit hatte, sich damit vertraut zu machen und sich daran zu gewöhnen. Ich denke, die Nennungen per Internet haben sich bewährt und stellen inzwischen für die älteren Reiter kein Problem mehr dar. Der Nachwuchs kann ja ohnehin mit diesem Medium bestens umgehen.

Wie ist es generell um den Reiternachwuchs bestellt?

Schüller: Grundsätzlich gut, denn das Interesse am Reitsport ist nach wie vor vorhanden. Es ist allerdings zu beobachten, dass die Kinder und Jugendlichen heute weniger Zeit haben als früher. Das ist natürlich durch die Ganztagsschule begründet, liegt aber auch daran, dass viele Kinder und Jugendliche gleich mehrere Hobbys regelmäßig ausüben, diverse Interessen und in ihrer Freizeit dann einen vollen Terminkalender haben. Ich würde mir wünschen, dass die jungen Leute, die sich für das Reiten entscheiden, sich darauf auch wirklich konzentrieren und sich ausreichend Zeit für die Tiere nehmen. Ein Pferd ist nun mal kein Musikinstrument und kein Sportgerät, das man nach dem Üben in die Ecke stellen kann, sondern ein Lebewesen, das viel Pflege und Zuwendung braucht.

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