„Frühschoppen für Eisenbahnfreunde“ ist wie eine Wundertüte

Von: Christoph Hahn
Letzte Aktualisierung:
14101844.jpg
Im Bann von Posten 7: Arno Mörkens (links) und Roland Keller präsentierten beim Frühschoppen für Eisenbahnfreunde im Stolberger Hauptbahnhof ein Modell und Fotos der Schrankenanlage mitten im Feld. Foto: Christoph Hahn

Stolberg. Im Grunde funktioniert der „Frühschoppen für Eisenbahnfreunde“ wie jede Talkshow auch: Roland Keller, mit seiner Website ein ausgewiesener Kenner von allem dem, was in und um die Kupferstadt über Schienen rollt, lädt Gäste ein, ein Thema wird gesetzt – und doch kommt, wie an jedem dritten Sonntag im Monat, sehr viel mehr zur Sprache.

So war es dann auch dieses Mal: Um „Gefahren durch Eis und Schnee – von der Arbeit der Bundesbahner im Winter“ sollte es im Foyer des Servicepunkts im Stolberger Hauptbahnhof gehen. Und doch kam nicht nur das aufs Tapet. Erinnerungspflege, aber ohne Schmalz und andere Formen sentimentaler Verlogenheit: Das haben sich Roland Keller und seine zahlreichen Freunde auf die Fahne geschrieben.

Weil das offenbar nicht nur einen kleinen Zirkel interessiert, ist das Foyer im Bahnhof auch ratzfatz voll mit Menschen. Mancher, der eigentlich im Servicepunkt Brötchen oder eine Zeitung kaufen will, bleibt für einige Sekunden stehen. Denn, wie das Wort „Frühschoppen“ (hier wird nicht etwa Bier, sondern in der Hauptsache Kaffee getrunken) erwarten lässt, gibt es beim Treff am Gleis nicht nur trockene Worte, sondern auch süffige Bilder.

So schickt Roland Keller mit einem schwarz-weißen Film über den Winterdienst die Zuschauer zurück in eine Zeit, als der Schnee sich noch in dicken Paketen auf der Erde stapelte und die Bahn nicht durch- oder kaputt rationalisiert, sondern ein handgestrickter Betrieb mit vielen, vielen Beschäftigten sowie Loks und aufgeheizten Waggons war, aus denen noch richtiger Wasserdampf aufstieg.

Als in der Eifel noch Züge rollten

Mit dem Ausbildungsfilm allein war es aber noch nicht getan. Auf dem großen Bildschirm nahm der Chef vom Ganzen seine Gäste durch zu Diaschauen arrangierten Fotos mit zu einer Zeit, da auf der Eifel-Querbahn Züge von Gerolstein nach Mayen rollten oder Reisen auf der Eifel-Maare-Bahn von Wengerohr über Wittlich nach Daun möglich waren.

Doch Winter hin, Eifel her: Die Hauptrolle spielt an diesem Morgen Posten 7, eine simple Wellblechhütte nebst Schranke mitten im Feld an der „Bördebahn“ bei Vettweiß. Dass hier eines Tages das Personal eingespart wurde, trug zur Verlangsamung und damit – bis zur Wiederbelebung in einem gewissen Umfang durch Züge der Rurtalbahn – zur Stilllegung des Personenverkehrs zwischen Düren und Euskirchen bei.

Modell wie das große Vorbild

Dass es aber bis dahin unter anderem durch verlagerte Militär-Transporte der damals noch im Rheinland präsenten belgischen Truppen in der ländlichen Einsamkeit wieder belebet wurde, hat wiederum Arno Mörkens angeregt.

Auf einem kleinen Brett hat er im Maßstab H0 (1:87) Posten 7 wiedererstehen lassen, satte grüne Felder inklusive. Selbst die Diesellok der DB-Baureihe 290 nebst Panzern auf Flachwagen hat es mal tatsächlich gegeben – von Roland Keller im Bild festgehalten und durch Arno Mörkens mit Modellen realitätsnah nachgestellt.

So wird dieser Frühschoppen im Grunde zu einer sehr sympathischen Version der guten alten Wundertüte. Es steckt jede Menge drin, weit mehr als es das Thema erwarten lässt. Die Mischung macht‘s. Die ausgesprochen ungezwungene Atmosphäre tut ihr Übriges.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert