Stolberg-Zweifall - Frühling erweckt Wildtiere im Wald

Frühling erweckt Wildtiere im Wald

Von: Annika Kasties
Letzte Aktualisierung:
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Auf der Suche nach tierischem Eiweiß haben die Wildschweine in Zweifall ganze Arbeit geleistet: Bernd Roggenkamp beseitigt als bestätigter Jagdaufseher im Revier Zweifall Wildschäden. Foto: A. Kasties

Stolberg-Zweifall. Die Spur des Wildschweins scheint noch frisch zu sein, zumindest ist das Interesse von Brandy und Alf an den platt gedrückten Grashalmen und der aufgewühlten Erde stark ausgeprägt. Die Hunde von Bernd Roggenkamp müssen es wissen. Sie sind ausgewiesene Experten, wenn es darum geht Wildtiere aufzuspüren.

Und von denen tummeln sich dieser Tage wieder eine ganze Menge im Wald, zumindest im Zweifaller Revier, das Roggenkamp seit 2011 ganz besonders im Auge hat. Als bestätigter Jagdaufseher ist er zuständig für das 400 Hektar große Gebiet, das vom Ortseingang Vicht bis zum Ortsende Zweifall reicht.

15 bis 20 Stunden pro Woche verbringt er dafür in der Natur – ob bei Regen, Kälte oder auch mitten in der Nacht. Sein Aufgabengebiet ist dabei vielfältig. Der Schutz wildlebender Tiere sowie die Beseitigung von Wildschäden auf den landwirtschaftlich genutzten Feldern gehören ebenso dazu wie die Versorgung von Wildäckern, jene Felder, die Jäger mit geeigneten Futterpflanzen für die Tiere bebauen.

Nahrung im Überfluss

Am meisten Arbeit machen dem Jagdaufseher aber derzeit die Wildschweine. „Das ufert im Moment etwas aus“, sagt Roggenkamp. Der milde Winter hat die Population in die Höhe getrieben. Schwierigkeiten, Nahrung zu finden, hatten die Tiere nicht. Eicheln sind selbst jetzt noch im Überfluss auf dem Waldboden verteilt. Die Folge: Auf den Wiesen und Feldern türmen sich kleine Haufen umgepflügter Erde, Grasnarben sind aus dem Boden gerissen. Die Tiere haben mit ihren Eckzähnen auf der Suche nach tierischem Eiweis ganze Arbeit geleistet.

Zu ihren bevorzugten Speisen gehören Schnecken und Würmer. Roggenkamp deutet auf die dunklen Flecken auf einer großen Wiese unweit des Karmeliterklosters in Zweifall. „All dies Grasnarben umzuklappen, wird bestimmt zwei bis drei Stunden dauern“, vermutet er. Wildschäden zu beseitigen ist wichtig. Schließlich haben die Besitzer landwirtschaftlich genutzter Felder Anspruch auf Schadensersatz, erklärt Roggenkamp.

Auch Waldspaziergänger und Hundebesitzer sollten dieser Tage achtsam sein. Zwar sei das Schwarzwild überwiegend in der Dunkelheit aktiv. Nähert man sich per Zufall aber tagsüber seinen Rückzugsorten, könnte es ungemütlich werden. Vor allem im März und April sind Wildschweine mit ihren Jungtieren unterwegs. „Wenn man sich denen auf 20 bis 25 Metern nähert, kann es passieren, dass sich das Muttertier bedroht fühlt und auf einen losgeht“, warnt er.

Roggenkamps Appell an Hundebesitzer lautet deshalb: abseits der Waldwege unbedingt an die Leine. Denn auch wenn die Verfolgung eines Wildtieres aus Hundesicht ein großer Spaß sein kann. „Für das Wild ist es immer ein Kampf ums Überleben“, so der Jagdaufseher.

Wechsel des Haarkleids

Während sich Wildschweine am Tag bedeckt halten, kriegen Spaziergänger Rehwild jetzt wieder häufiger zu Gesicht. Mit dem Beginn des Frühlings suchen Rehe und Hirsche ihre Nahrung zunehmend auf Wiesen. Besonders aufmerksamen Beobachtern dürfte der Wechsel des Haarkleids auffallen, berichtet Roggenkamp. Diese verändere sich jetzt von dunkelbraun zu rötlich-braun. Im Mai und Juni sind dann vielleicht auch schon einige Jungtiere dabei. Hasen hingegen seien in der Region immer seltener zu finden. Ihr Lebensraum werde zunehmend kleiner. Sie werden deshalb auch nicht gejagt.

Einige hundert Meter weiter deutet Roggenkamp auf einen roten Salzleckstein, der auf einem Wildacker auf einem etwa anderthalb Meter hohen Holzstab thront. Die Seiten glänzen leicht, als hätte sich kürzlich erst ein Tier eine Kostprobe genehmigt. Genau dies haben der Jagdaufseher und seine Jagdkollegen beabsichtigt. Im Frühjahr legen Hirsche ihr Geweih ab, und für den Nachfolger benötigen sie Mineralien. „Deshalb sieht man nach dem Winter auch immer wieder Wildtiere am Straßenrand.

Sie lecken die Überreste des Streusalz‘ auf“, erklärt der 55-Jährige. Auch darüber hinaus unterstützen die Jäger die Wildtiere. Auf dem Wildacker sähen sie Wildkräuter, an sogenannten Malbäumen reiben sich Wildschweine die Flanke an der mit Teer bestreichen Rinde. So reinigen sie sich von Parasiten, erklärt Roggenkamp. Körperhygiene wird bei den Wildtieren groß geschrieben. Von einem hölzernen Hochsitz können die Jäger die Tiere dabei beobachten, und die Entwicklung des Bestands so im Auge behalten.

Kontrollierte Bedingungen

Dass es beim Beobachten nicht immer bleibt, verschweigt Roggenkamp nicht. Geschossen würden die Tiere natürlich auch. Dies sei nötig, um das natürliche Gleichgewicht im Wald zu erhalten. „Tierschützer sagen oft, dass sich das von selbst regeln würde, doch das ist heute nicht mehr der Fall“, betont der Jagdaufseher. „Die Wildbestände nehmen zu, doch ihr Lebensraum wird immer kleiner.“

Dieser Umstand begünstige auch die Verbreitung von Krankheiten. Um den Schutz der Tiere mit den Bedürfnissen des Menschen in Einklang zu bringen, müssten deshalb Jäger eingreifen – unter kontrollierten Bedingungen. Das Landesjagdgesetz gibt vor, welche Tiere wann geschossen werden dürfen. Rehe dürfen Jäger erst wieder ab Mai ins Visier nehmen. Um die Verbreitung der Wildschweine im Zweifaller Revier einzudämmen, dürfen Jäger bis August nur Wildschweine unter einem Jahr schießen. Zwei bis drei Nächte die Woche werden Roggenkamp und seine Kollegen deshalb wohl in einer Jagdkanzel verbringen müssen.

Für den Moment klappt der Jagdaufseher aber herausgerissene Grasnarben um, damit die Nutztiere auf der Wiese demnächst wieder grasen können. Hier muss ein großes Tier am Werk gewesen sein, vermutet Roggenkamp, wahrscheinlich erst am Tag zuvor. Denn Brandy hat die Witterung bereits aufgenommen.

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