Fronleichnam: „Christus hinaus in den Alltag tragen”

Von: Dirk Müller
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Große Resonanz: Zahlreich kam
Große Resonanz: Zahlreich kamen auch im vergangenen Jahr die Gläubigen zur Fronleichnams-Messe unter freiem Himmel auf den Stolberger Kaiserplatz. Foto: D. Müller

Stolberg. Mit sechs heiligen Messen und anschließenden Prozessionen begehen die rund 35.000 Katholiken in der Kupferstadt morgen das kirchliche Fest Fronleichnam und bezeugen damit das öffentliche Geheimnis des lebendigen Leibes des Herrn.

Sie finden - zumindest je nach Wetter - durchaus Resonanz in der Bevölkerung. Nach der Messe, die das Geheimnis der Eucharistie besonders in den Mittelpunkt stellt, folgt der feierliche Umzug der Gläubigen durch den Ort der von dem Priester getragenen Monstranz mit dem Allerheiligsten: Dabei ist nach katholischem Glaube die nach der Wandlung konsekrierte Hostie der Leib Christi.

„Die Prozessionen sind für uns Gläubige Gelegenheit, die Gegenwart Jesu Christi im Altarssakrament öffentlich zu bekennen und die Realpräsenz Gottes in der Eucharistie in die Welt zu tragen”, erläutert Jürgen Urth, Pastor der Büsbacher Pfarrgemeinde St. Hubertus, in der er morgen an drei Außenaltaren den sakramentalen Segen spenden wird. Vor dem dritten Segensaltar am Büsbacher Markt soll dabei sogar nach altem Brauch ein Blütenteppich für das Allerheiligste gelegt werde.

Die Teilnehmerzahlen an den Prozessionen seien zwar schwankend, aber immer noch viele Katholiken würden sie als festen Bestandteil des Festes betrachten, erklärt Pfarrer Norbert Bolz. „Die Gläubigen sind nach wie vor von den Prozessionen angesprochen, auch wenn es sicherlich nicht mehr so viele sind, die daran teilnehmen, wie noch in den 50er und 60er Jahren, als die Volkskirche noch eine größere gesellschaftliche Bedeutung hatte”, sagt der Mausbacher Pastor. „Heute nehmen sich auch immer mehr Menschen einen sogenannten Brückentag, um ein langes Wochenende für einen Kurzurlaub zu nutzen.”

Bolz verweist zudem darauf, dass die relativ niedrige Anzahl von sechs Messfeiern und Prozessionen im Stolberger Stadtgebiet mit 17 Kirchengemeinden (inklusive St. Brigida in Venwegen) auch durch einen anderen Umstand begründet sei: „Der derzeit herrschende Priestermangel macht es unmöglich, in jeder Gemeinde eine heilige Messe mit Fronleichnamsprozession anzubieten”, sagt der Seelsorger, der das hohe Kirchenfest mit den „Kleeblattgemeinden” von St. Markus in Mausbach, St. Laurentius in Gressenich, St. Josef in Schevenhütte und St. Josef in Werth gemeinsam begeht.

Auch für die der Großpfarre St. Lucia angeschlossenen sieben Gemeinden wird es eine gemeinsame Messe und Prozession geben. „Wenn das Wetter nicht zu schlecht ist, werden wir die heilige Messe zuvor auf dem Kaiserplatz feiern, was dem Gedanken von Fronleichnam wunderbar entsprechen würde”, sagt Pastor Hans-Rolf Funken: „Wir verlassen ganz bewusst den Kirchenraum, tragen mit der Eucharistie Christus hinaus in den Alltag, und das Allerheiligste trifft auf das Weltliche”.

Diesen hohen Feiertag der Katholiken respektieren die evangelischen Christen in der Kupferstadt. Zu Luthers Zeiten war Fronleichnam mit seinen Feierlichkeiten noch konfessionsscheidend. „Heute leben wir im Zeitalter der Ökumene”, wie Pfarrer Jens Wegmann bekundet. „Fronleichnam ist zwar keine protestantische Glaubenspraxis, aber das hohe Fest der Katholiken und ihre Prozessionen sind für uns kein Stein des Anstoßes.”
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