Friedenspfeife für Siedler und Indianer

Von: Heike Eisenmenger
Letzte Aktualisierung:
copper_blutsbrüder
Von Kriegsbeil keine Spur: „Sunbear” (l.) und Axel Carl, Geschäftsführer der Copper City Pioneers, verstehen sich ganz offensichtlich prima. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg-Zweifall. Winnetou hat uns verdorben - das Bild des „Indianers” ist bei vielen derart romantisch verklärt, dass es mit den echten Ureinwohnern Amerikas nur noch wenig gemein hat. Als echter Indianer stellt sich beim „Internationalen Country- und Musikfestival” der „Copper City Pioneers” Tdom Bah vor.

Er nennt sich selbst „The Flute Keeper”, was übersetzt so viel wie der „Hüter der Flöte” bedeutet, und kann ein Lied von der erwähnten Verklärung singen.

Der „Flute Keeper” bietet beim Festival zum 25. Geburtstag der „Coppers” auf der Ranch inmitten des Zweifaller Waldes seine handgefertigten Flöten und Zigarrenkisten-Gitarren feil. Die Cigar-Box-Guitars haben, wie der Name schon andeutet, Zigarrenkisten als Resonanzkörper. Es sind zum Teil ganz besonders schöne Kisten, aus denen der Musiker seine Instrumente fertigt. So wie beispielsweise die, auf der eine Flamenco-Tänzerin in einem wunderschönen Kleid samt ihres Tanzpartners abgebildet ist.

365 Glöckchen am Kleid

Ein außergewöhnliches Kleid trägt seine Lebensgefährtin Jackie Fischer. Jeder ihrer Bewegungen geht einher mit einem metallenen Geräusch, verursacht von 365 Glöckchen, die das ganze Kleid bedecken. „Das nennt man Jingle-Dress. Dieses Kleid trägt man bei indianischen Festivals, den Powwows. Bei einem Powwow gibt es unterschiedliche Tanzkategorien, darunter auch Women Jingle-Dress”, erklärt Jackie Fischer. Die „Glöckchen” sind gedrehte Deckel von Schnupftabakdosen.

Am Stand gegenüber stöbert „Sunbear” in den Auslagen. Im wahren Leben heißt er Wilfried und ist Begründer des Vereins „Free Indians”. Die Mitglieder sind wie Sunbear Anhänger der indianischen Lebensart. So weit es geht, versuchen sie die Lebensweise ihrer Vorbilder in ihren Alltag zu integrieren.

Fliggi gehört erst seit Mai zur Gruppe und muss die Trommelrituale erst noch lernen. „Die Atmosphäre in den Familien war bei den Indianern ganz anders, man half sich gegenseitig. Heutzutage aber lebt doch fast jeder für sich”, sagt die 48-Jährige, die aus der Nähe von Köln angereist ist.

Auch Walter (44) von den „Free Indians” verehrt die Lebensart der amerikanischen Ureinwohner. „Wenn ich sterbe, werde ich kein Gold oder solche Dinge vererben, sondern besonders schöne Muscheln. Gold ist eh Blödsinn: Es hatte keinen Wert für die Indianer, weil es als Material viel zu weich war”, weiß Walter.

Indianer und Siedler sind im Gegensatz zum tatsächlichen Verlauf der Geschichte auf der Ranch der Copper City Pioneers Freunde. Sandra Herzberg ist in ein Kleid, das die Frauen in der Zeit des Wilden Westens an Festtagen trugen, geschlüpft.

Der Stoff ist sehr fest und dick - bei 37 Grad Celsius müsste das die reinste Folter sein. Ist es aber nicht, wie die junge Frau aus Herzogenrath versichert. „Unter meinem Kleid trage ich einen Reifrock, dadurch ist das Ganze sehr luftig”, erzählt sie.

Egal ob Revolverheld, Siedler oder Indianer - beim Festival wird gemeinsam getanzt und Musik gehört. Es spielen die Bands „Yendis”, „The Flat Iron Band” und „Slow Horses”, die für eine prächtige Stimmung beim Country- und Musikfestival im Jubiläumsjahr sorgen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert