Stolberg - Friedensgarten für eine gute Streitkultur

Friedensgarten für eine gute Streitkultur

Von: Michael Grobusch
Letzte Aktualisierung:
Tatkräftig unterstützt wird
Tatkräftig unterstützt wird Sebastian Schmidt (links) beim Bau des Friedensgartens von den Kindern der Klassen 3 a und 3 b. Aus dem Lehrerkollegium betreuen Anja Brièll und Ulrike Klöpper das Projekt. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Es zieht ein eisiger Wind über den Schulhof an diesem Morgen. Doch die Kinder der Klassen 3 a und 3 b stört das nicht. Sie sind mit Begeisterung vertieft in ihre Arbeit, die nach knapp zwei Wochen eifrigen Werkelns am heutigen Freitag abgeschlossen werden soll.

Der „Friedensgarten” der Grundschule Hermannstraße wird dann vollendet sein, und mit ihm ein wichtiger Bestandteil des Konzeptes zur Umgestaltung des Schulhofes, der in den vergangenen Jahren als bloße Asphaltwüste ein ausgesprochen tristes Dasein gefristet hat.

Allmählich aber fügen sich die neuen Puzzleteile zu einem schönen Bild zusammen. Bereits im vergangenen September war der Fußballplatz samt Toren hinter dem neuen Anbau eröffnet worden. Seitdem wird das knallrote Spielfeld nicht nur von den Mannschaften der schulinternen „Hermannliga” intensiv genutzt. Außerdem wurde das benachbarte Wäldchen als zusätzliche Fläche erschlossen und hergerichtet.

Und nun freuen sich die Kinder auf den Friedensgarten. „Es soll ein Ort sein, an den sich die Schüler zurückziehen und bei Bedarf auch Streitigkeiten in Ruhe regeln können”, benennt Renate Krickel die wesentliche Zweckbestimmung. Voraussetzung sei, so die Schulleiterin, dass der Friedensgarten als ein angenehmer Platz wahrgenommen werde. Und dafür haben die Drittklässler in den vergangene Tagen mit Hilfe von Sebastian Schmidt gesorgt. Der Aachener Künstler und Kunsttherapeut hat mit seinem „Kunstwerkstattmobil” an der Hermannstraße Station gemacht und gemeinsam mit den Kindern einiges geleistet - trotz der oftmals widrigen Witterung.

Etwas Bleibendes schaffen

„Kinder werden heute oftmals in eine fertige Welt geboren und sind gar nicht mehr in der Lage, etwas zu gestalten”, meint Schmidt und setzt mit seinen Projekten beim genauen Gegenteil an. Das Mauern der Umrandung, die die Grenze des Friedensgartens markiert, sei in diesem Sinne ideal, weil in richtiger Handarbeit etwas Bleibendes geschaffen werde. Das gilt auch für die Mosaike, die die bereits bestehende, an das benachbarte Grundstück grenzende Mauer zieren. Besonders auffällig ist die weiße Taube. Sie markiert den Platz im Friedensgarten, an dem Schüler Streit schlichten und beilegen können. Das ist ganz im Sinne des Schulkonzeptes, in dem Streitschlichtung eine große Rolle spielt. Regelmäßig zweimal wöchentlich und bei Bedarf auch noch darüber hinaus bieten Klassenlehrerin Anja Brièll und Schulsozialarbeiterin Ulrike Klöpper als Schulmediatorinnen Sprechstunden für die Kinder an. Diese können in Zukunft bei schönem Wetter auch im Friedensgarten stattfinden.

Auch architektonische Wirkung

„Mit dem Friedensgarten haben wir jetzt eine Lokalität, die unser Bemühen um eine gute Gesprächs- und Streitkultur symbolisiert”, freut sich Renate Krickel. Doch nicht nur unter pädagogischen Aspekten ist der Garten, den noch zahlreiche Topfpflanzen erhalten wird, eine Bereicherung. Auch für die architektonische Gestaltung des Schulhofes ist er von großer Bedeutung. „Die große, öde Fläche wird jetzt optisch unterbrochen”, erklärt die Schulleiterin. „Dadurch ergibt sich ein ganz anderer, viel freundlicherer Eindruck.”

Dieser soll durch den Bau des lang ersehnten Klettergerüstes noch unterstrichen werden. Die Fundamente für die „Seilschaften” ragen schon aus dem Boden am Rande des Wäldchen, in den kommenden Wochen wird das große Spielgerät vollständig aufgebaut. Beim Schulfest am 16. Juni soll dann die offizielle Einweihung gefeiert werden. Standort für Skulptur in Velau wird noch gesucht

Für Sebastian Schmidt ist der „Friedensgarten” das zweite Projekt, das er in Stolberg realisiert. Im Herbst 2010 hatte der Aachener Künstler mit einer multikulturellen Frauengruppe in der Velau eine rund 700 Kilogramm schwere Betonskulptur geschaffen, die im Rahmen des Förderprogramms „Soziale Stadt” realisiert worden war.

„Ich finde es schade, dass das Kunstwerk immer noch keinen Platz gefunden hat”, bedauerte Schmidt am Donnerstag im Gespräch mit unserer Zeitung. Das könnte sich allerdings bald ändern, betonte der Soziologe und zwischenzeitliche Stadtteilmanager für die Velau, Wolfgang Joußen, auf Anfrage.

„Es gibt mehrere Standorte als Optionen”, so Joußen, der diese allerdings zunächst in der zuständigen Arbeitsgruppe diskutieren und erst danach öffentlich benennen will. Vom ursprünglich vorgesehenen Platz an der Mittelstraße/Ecke Memelstraße war wegen Einsprüchen und Bedenken aus der Bevölkerung Abstand genommen worden.

Wolfgang Joußen sieht den Zeitplan aber dennoch eingehalten: „Es war ohnehin immer geplant, die Skulptur erst dann aufzustellen, wenn alle mit dem Projekt Soziale Stadt verbundenen Arbeiten abgeschlossen sind.” Dieser Zeitpunkt dürfte erst im Laufe des Jahres erreicht werden.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert