Friedel Recker spricht über Schellackplatten auf dem Stadtfest

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Friedel Recker ist Präsident der KG Fidele Zunfthäre, die bei der Stadtparty am Wochenende alte

Stolberg. Die Karnevalsgesellschaft spielt beim Stadtfest auf Wunsch alte Schellackplatten ab. Friedel Recker ist Präsident der KG Fidele Zunfthäre. Am Wochenende ist das von den Zunfthären unterhaltene Burghaus und der davor liegende kleine Vorplatz anlässlich der Stadtparty für Besucher geöffnet.

Toni Dörflinger sprach mit Recker über den Programmpunkt „Schellack-Schätzchen“, über seine Liebe zur Schauspielerei und die Ausübung des Präsidentenamtes.

„Schellack-Schätzchen“ nennt sich am morgigen Sonntag der Beitrag der KG Fidele Zunfthäre anlässlich der Stadtparty. Wie sind Sie denn auf diese Idee gekommen?

Recker: Schellack-Schätzchen war eine beliebte Kultsendung im WDR 4. Sicherlich haben noch viele Stolberger alte Schallplatten im Keller und auf dem Dachboden liegen, die sie mal wieder gerne hören möchten, aber in Ermangelung eines Plattenspielers nicht abspielen können. Diese Schätze sind uns am morgigen Sonntag ab 15 Uhr im Burghaus willkommen.

Dort werden die von den Besuchern mitgebrachten Schallplatten dann zu Gehör gebracht. Marc Capellmann, unser Gardekommandant, stellt dafür seinen Plattenspieler und sein Mischpult zur Verfügung. Gestartet wird das Sonntagsprogramm um 13 Uhr mit dem traditionellen Frühschoppen. Später kommt noch Kaffee und Kuchen hinzu. Schließlich sind die selbst gebackenen Torten unserer Frauen eine leckere und gerne wahrgenommene Spezialität.

Warum gerade Schallplatten? CD‘s besitzen doch eine viel bessere Wiedergabequalität.

Recker: Stimmt. Aber unser Anliegen, die Schallplatten des Publikums abzuspielen, hat auch etwas mit Nostalgie zu tun. Die Qualität der heutigen Tonträger in Ehren, aber oft wird das typische Rauschen und Knacken vermisst, was einer Schallplatte zu eigen ist. Eine alte Schallplatte sorgt halt für eine ganz besondere Atmosphäre. Uns ist jede Musikart willkommen: Ob Schlager, Blues, Rock, Pop oder ein klassisches Stück, wir sagen nicht nein.

Den Schwerpunkt legen wir aber auf die Musik der 1960er und 1970er Jahre. Und dann dürften beispielsweise Tony Marschall, Roy Black, Gitte, Peter Alexander, Drafi Deutscher und Heino mit dabei sein. Also Stolberger, öffnet Eure Sammlungen, entrümpelt Keller und Speicher sowie entstaubt Eure längst vergessenen Schallplatten. Schellack-Schätzchen zu uns! Ich vermute und hoffe, dass unser Appell auf Interesse und große Resonanz stößt. Sollte diese Veranstaltung ein Erfolg werden, wird sie in den kommenden Jahren in ähnlicher Form bestimmt wiederholt werden.

Ihre Gesellschaft hat 1999 das Burghaus übernommen. Was hat sich seitdem dort verändert?

Recker: Vor der Übernahme, davor war der Burghausverein Pächter und Betreiber, gab es zahlreiche Probleme. Unter anderem wurden immer wieder die Fensterscheiben zerstört. Unsere erste Maßnahme war dann das Anbringen von verschließbaren Fensterläden. Seitdem ist dieses Problem behoben.

Zu schaffen machen uns aber nach wie vor die Verschmutzungen im Hofbereich. Ständig wird dort Müll und Abfall abgelagert und entsorgt. Und mit illegalen Übernachtungen hatten wir auch schon zu tun. Kürzlich habe ich einen jungen Menschen dabei erwischt, der sein Nachtlager auf unserer Bühne aufgeschlagen hatte. Er sei zu Hause rausgeflogen hat er mir bestätigt. Ich habe ihm sein Notlager gegönnt.

Am nächsten Tag war er verschwunden. Abgesehen davon hat sich im Hausinnern viel verändert. Dazu gehört auch der Einbau einer leistungsfähigen Küche. Außerdem haben wir im Dachbereich für zusätzliche Abstell- und Lagermöglichkeiten gesorgt. Die Reinigung und Pflege der Räume ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Auch wenn derzeit Herbert Offermann unser Burgwacht ist, davor bekleidete Heiner Walz diese Position. Es muss beim Putzen und Schrubben jeder mal ran: auch der Präsident.

Neben Präsident der KG Fidele Zunfthäre sind sie auch Laiendarsteller am „Burghoftheater“. Was bedeutet Ihnen die Schauspielerei? Welche Rollen haben sie dort bereits besetzt?

Recker: Zur Schauspielerei bin ich durch das Stück „Dinner for one“ gekommen. Man suchte damals weitere Laiendarsteller. Karin Graf, Regisseurin am Burghoftheater, hat mir dann die erforderlichen Tricks und Kniffe beigebracht. Das heißt Bewegungsabläufe trainieren, Gestik und Mimik proben sowie zu lernen, mit der eigenen Stimme umzugehen. Dabei habe ich die Erfahrung gemacht, dass man auf der Bühne ein ganz anderer Mensch ist.

Man muss den Alltag ausblenden und sich voll und ganz auf das Stück konzentrieren. Klar ist es mir auch schon mal passiert, dass ich den Text kurzzeitig vergessen hatte. In solch einer Situation ist auf die Souffleuse Verlass. Und wenn die einspringt, kann es auch schon mal passieren, dass ich mich mitten im Stück bei ihr mit einem herzlichen und lauten „Dankeschön“ bedanke.

Meistens entgeht aber den Zuschauern dieser kleine Fauxpas. Mit Vergnügen erinnere ich mich an die Situation, als ich wieder einmal unversehens „auf dem Schlauch“ stand. Plötzlich ertönte im Zuschauerraum ein heftiger Knall - ein Gegenstand war umgefallen. Das war für mich das Signal mich wieder an meinem Text zu erinnern. So kann es auch gehen. Rollen habe ich seit 2008 viele besetzt. Zum Beispiel die eines Kellners oder eines Wohnungssuchenden.

Ich habe aber auch schon Heinz Erhard und Mecki Messer dargestellt. An einem Abend habe ich sogar acht Rollen gleichzeitig besetzen müssen. Das war Schwerstarbeit. Das Stück „Dinner for one“ habe ich später auch in Stolberger Platt übersetzt und mit Erfolg beim traditionellen Bratwurstessen der Zunft aufgeführt. Dort trug es dann den Titel „Jeburtsdach vör Enne“.

Sie sind seit 2012 auch Präsident der KG Fidele Zunfthäre. Gibt es einen Unterschied zwischen der Rolle eines Präsidenten und der eines Schauspielers?

Recker: Natürlich kommt mir auch beim Ausüben des Präsidentenamtes mein schauspielerisches Talent zu Gute. Allerdings gibt es dabei wesentliche Unterschiede. Als Präsident sind meine Ehrlichkeit, meine Natürlichkeit und meine Programmkenntnis gefragt. Ich muss den Programmablauf im Kopf haben und muss auf Ausfälle oder Änderungen im Programmablauf spontan reagieren können.

Meine Darstellung muss mit meinem Reden und Handeln überein stimmen. Meine Worte sollten abgewägt und akzentuiert sein. Als Präsident kann ich meinen Auftritt nicht vorher proben. Von mir wird Spontanität und Redegewandtheit erwartet. Unehrlichkeit und Fehler nicht zugeben zu können, wird vom Publikum gnadenlos bestraft und entlarvt.

Was erwartet die Besucher am heutigen Samstag am Burghaus?

Recker: Los geht es um 17.30 Uhr mit dem Backen von Reibekuchen. Dazu gibt es nach rheinischer Art Apfelmus. Um 19 Uhr spielt dann die Band „Rumblecat“. Die Musiker werden überwiegend Titel aus den 1960er und 1970er Jahren bieten.

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