Freilaufende Hunde: Schon das vierte Rehkitz getötet

Von: Doris Kinkel-Schlachter
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Ein Blutbad hat hier offenbar ein wildernder Hund angerichtet. Das Rehkitz ist qualvoll zu Tode gekommen. Foto: Kinkel-Schlachter

Stolberg. Blutüberströmt liegt das Rehkitz am Waldweg zwischen Vichter Friedhof und Breinigerberg, auf der Sinziger Schneise. Spaziergänger finden es, die linke Seite des Halses zerbissen. Sie melden es Theo Preckel, und der Förster fährt sogleich los, um den Tatort in Augenschein zu nehmen. Sein Verdacht bewahrheitet sich.

Erneut hat ein frei laufender Hund ein Reh gehetzt und getötet – es ist bereits der vierte bekannt gewordene derartige Vorfall auf Stolberger Gebiet in diesem Jahr. „Wer weiß, wie hoch die Dunkelziffer ist“, ärgert sich der Leiter des städtischen Forstamtes.

Der Tod für die jungen Rehe ist qualvoll: Sie werden bei lebendigem Leibe immer wieder gerissen, von der Keule bis zum Hals und wieder zurück, „bis sie schließlich wegen ihrer Verletzungen oder an den Folgen des Stresses verenden.“ So komme auch viel Wild durch Autounfälle zu Schaden, weil sie zuvor von Hunden gehetzt worden seien und dann in Autos liefen.

Freitagmorgen erst hatte Preckel eine hitzige Diskussion entfacht, als er einen Hundehalter gebeten hatte seine drei Vierbeiner anzuleinen. Verständnis gleich Null. „Ich wollte ihm das Foto vom toten Rehkitz zeigen, das ich mit meinem Handy gemacht hatte. Er hat nur verärgert abgewunken“, sagt der Förster. Oft genug werde er angefeindet, wenn er Hundehalter auf ihre frei laufenden Tiere anspricht, „dann werde ich auch noch als Hundehasser beschimpft“. Wer Theo Preckel kennt, weiß, dass das Quatsch ist, schließlich hat der Förster über Jahre hinweg Hunde gehalten. Darunter war auch ein Deutsch Drahthaar. „Senta hatte auch den Jagdtrieb, bei dem einen Hund ist das rassebedingt ausgeprägter, beim anderen weniger“, so Preckel.

Laut Landeshundegesetz müssen Bello und Co. innerhalb von Bebauungen immer angeleint sein. Gleiches gilt für FFH-Gebiete (Natur- und Landschaftsschutzgebiete), der Schlangenberg ist eben ein solches Naturschutzgebiet. Und hier gehören die Vierbeiner definitiv an die Leine. In anderen Gegenden, zum Beispiel auf Feld-, aber auch Waldwegen, können Hunde unangeleint ausgeführt werden, aber natürlich gilt: Kein Hund darf alleine spazieren gehen oder einfach mal im Wald verschwinden.

„In einem stark frequentierten Erholungswald wie dem unseren sollte auch auf Ruhe geachtet werden – das ist wichtig fürs Wild“, betont Preckel. Und: „Wenn jeder ein bisschen Rücksicht nimmt, dann lassen sich alle Interessen wie Spazierengehen mit oder ohne Hund, Reiten, Joggen, Mountainbiken und Jagen miteinander vereinbaren.

Und auch wenn er es immer wieder sagt, wird der Förster nicht müde, das noch einmal zu tun: Wenn man mit seinem Hund auf andere Waldbesucher treffe, dann sollte es selbstverständlich sein, das Tier anzuleinen, da andere sich belästigt fühlen oder Angst haben könnten. Da nütze auch der typische Satz nichts: „Der tut nix, der will nur spielen!“

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