Stolberg - Freies WLAN soll engmaschiger werden

Freies WLAN soll engmaschiger werden

Von: -jül-/hec
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Neben dem Kupferstädter Hotspot auf dem Kaiserplatz soll mit Routern der Freifunk-Initiative das kostenfreie WLAN-Angebot in Stolberg engmaschiger geknüpft werden. Fotos: J. Lange, M. Heckert / Collage: H. Classen

Stolberg. Stefan Kämmerlings hat‘s. Das kostenfreie WLAN-Angebot des Freifunks strahlt über die Uferstraße aus vom Büro des Landtagsabgeordneten in Eschweiler. In Stolberg soll‘s zukünftig häufiger anzutreffen sein, das schnelle Internet, das privat zur Verfügung gestellt wird, aber auf das jedermann zugreifen kann.

Kämmerlings Parteigenosse Patrick Haas ergreift in der Kupferstadt die Initiative. In einem Antrag fordert die SPD, die Stadtverwaltung soll die Gründung einer Stolberger Freifunk-Initiative forcieren, sie betreuen und das Projekt auch finanziell fördern.

Der bestehende kostenfreie Zugang ins Internet, den die Stadt im Umfeld des Kaiserplatzes bereitstellt, sowie weitere anvisierte Projekte „sollen so ergänzt werden“, sagt Haas. Wo ein Engagement für kommerzielle Anbieter nicht lukrativ sei, müsse es Ziel der öffentlichen Hand sein, dass Bürger und Gewerbetreibende gebührenfreies WLAN im öffentlichen Raum zur Verfügung stellen, argumentiert der Stolberger SPD-Parteichef.

Doch, was hindert in Deutschland daran, einfach seinen privaten Router der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen? Weil es im Juristendeutsch ein böses Wort gibt: Störerhaftung. Es bedeutet, dass derjenige, der einen Internetanschluss für andere bereitstellt, dafür haftet, wenn diese anderen darüber Rechtsverletzungen begehen.

Diese weltweit praktisch einmalige Konstruktion hat dazu geführt, dass jahrelang kaum ein Café-Betreiber, Friseur oder Geschäftsmann seinen Kunden einen kostenlosen Internetzugang anbieten mochte. Zu groß schien das Risiko, dass sich ein Gastnutzer auf verbotenen Seiten herumtreibt oder illegale Inhalte herunterlädt. Deutsche Behörden haben sich den Ruf erworben, dann erst einmal sämtliche Geräte des Anbieters zu beschlagnahmen und erst nach monatelanger Untersuchung zurückzugeben.

Deshalb funktioniert das Freifunk-System anders. Wer mitmachen will, kauft einen Freifunk-Router, stöpselt ihn in eine Steckdose und schließt sie an den Router seines Hausnetzes an. Das ausgestrahlte Freifunk-WLAN ist für jedermann kostenlos nutzbar – ohne Zugangs-Code, Zeitlimit oder Volumenbeschränkung. Der Datenverkehr fließt über eine getrennte sogenannte Tunnelverbindung, einem komplett vom Hausanschluss getrennten Kanal mit eigener IP-Adresse. „So kommt man aus der Störerhaftung heraus“, erklärt Haas.

Offizieller Anbieter dieses Anschlusses ist der eingetragene Verein Freifunk Rheinland. Er ist inzwischen Mitglied im Providerverband RIPE und damit – so wie große Provider wie Telekom, Unitymedia oder 1&1 – nicht für den Datenverkehr haftbar zu machen, der durch seine Leitungen fließt.

Der private Anbieter muss nur entscheiden, wie viel seiner Bandbreite er maximal für den Freifunk zur Verfügung stellen möchte. „Wer zum Beispiel einen DSL-Anschluss mit 16.000 MBit Bandbreite hat, könnte etwa bis zu 3000 MBit bereitstellen“, verdeutlicht Kämmerling. Wenn kein Gast, Kunde oder Passant den freien Zugang nutzt, hat der Anbieter seine volle Bandbreite zur Verfügung, ansonsten, aber niemals weniger als 13.000 MBit.

„Auch der Landtag hat kürzlich beschlossen, Freifunk-Initiativen zu unterstützen und Immobilien des Landes für Freifunk-Knoten zu Verfügung zu stellen“, sagt der Abgeordnete. „Von Freifunk profitieren die Bürger insgesamt.“

Beispielsweise in der Stolberger Innenstadt, so der zweite stellvertretende Bürgermeister, „bedeutet Freifunk eine Aufwertung als Einkaufs- und Touristenstadt und bringt einen Mehrwert für Handel und Gastronomie“. Zu berücksichtigen sei, dass auch bestehende und zukünftige gebührenfreie, aber kommerzielle Angebote, selbst mit Richtfunkanlagen nicht bis in alle Ladenlokale hereinreichen würden. Dieses Problem würden Freifunk-Router lösen.

„Insbesondere junge Menschen, die wir an die Einkaufstadt Stolberg binden und zurückgewinnen möchten, erwarten heute im Rahmen ihres geänderten Einkaufverhaltens, dass sie auch während ihres Einkaufes möglichst durchgängig kostenfreies WLAN vorfinden“, sagt Haas und beschreibt einen wichtigen Baustein für einen Wettbewerbsvorteil der Kupferstadt.

Und das zu moderaten Investitionen, wie der Sozialdemokrat vorrechnet: „Ein Kaufmann in der Fußgängerzone könnte sein Ladenlokal und mehrere Meter des öffentlichen Raumes mit einer Einmal-Investition von 20 bis 75 Euro für den Router stemmen. Je nach Modell und Nutzung, sowie je nach Vertrag mit dem Stromanbieter dürfte mit 6 bis 15 Euro Energiekosten pro Jahr gerechnet werden. Bei einem vorhandenen Internetanschluss kommen hierfür keine Zusatzkosten hinzu“, so Patrick Haas weiter.

Gleiches gelte auch für die Kupferstadt. Sie könnte in städtischen Immobilien so schnell und preiswert zum Aufbau eines freien WLAN-Netzes beitragen. Außerdem soll die Stadt bei der Gründung einer Stolberger Freifunk-Initiative, die die Organisation und Betreuung eines möglichst breit gestreuten freien Internetangebotes übernehmen möge, Hilfestellung leisten. So könne die Kupferstadt mit einem ideellen Beitrag auch Mitglied beim eingetragenen Verein Freifunk Rheinland werden.

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