Frauenquote: Kaum Befürworter in Stolberger Unternehmen

Von: Mischa Wyboris
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Unrealistisches Bild: In kaum einem Betrieb ist ein Drittel der Führungskräfte weiblich. Gerade deshalb will Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen mit einem Gesetz dagegenwirken. Stolberger Unternehmensführer halten nicht viel vom Vorschlag der CDU-Politikerin. Foto: imago/Insadco

Stolberg. Hans Mayer-Uellner hat ein Problem. „Wie bekomme ich es hin, zu einem Drittel eine Frau zu werden?”, fragt sich der alleinige Geschäftsführer der Vereinigten Unternehmerverbände Aachen (VUV).

Eine sehr pointierte Betrachtung der Frauenquote vielleicht, aber sie zeigt, was Mayer-Uellner vom Vorstoß der Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hält, die per Gesetz verfügen will, dass künftig mindestens 30 Prozent betrieblicher Führungspositionen von Frauen bekleidet werden: „Das ist eine schlechte Idee.”

Dabei will der VUV-Geschäftsführer nicht falsch verstanden werden: Er kritisiert nicht den Wunsch nach mehr Weiblichkeit in den Chefetagen; dort habe sich über die vergangenen Jahre hinweg auf normalem Wege ohnehin eine höhere Quote ergeben.

Allein die gesetzliche Verordnung von mehr Frauenpower sei nicht nachvollziehbar - zu sehr unterscheiden sich jeweils die Anzahl der Bewerberinnen und die betrieblichen Anforderungen in den verschiedenen Arbeitsfeldern voneinander.

Die Frauenquote ist Einstellungssache. Der Ansicht sind auch Unternehmen mit Sitz in Stolberg. „Diese Regelung ist nicht angebracht, denn sie ist eine dirigistische Maßnahme”, sagt Dirk Harten, Geschäftsführer der Schwermetall GmbH am Breiniger Berg. „Anstelle einer Quote sollte man von Anfang an bessere Voraussetzungen schaffen.”

Manche Firmen wirken aktiv daran mit. Wie die Aurubis GmbH zum Beispiel, die Gymnasiasten in jedem Jahr zum „Technischen Hochschultag” einlädt. „Fragen Sie mal Mädels, wie gern sie Mathe oder Physik machen”, umreißt Aurubis-Sprecherin Michaela Hessling, was gern als Branchenphänomen bezeichnet wird: Das Bild bestimmter Männer- und Frauenberufe ist angestaubt, aber nicht verblasst.

Als logische Konsequenz formuliert auch Hessling: „Als technisch orientiertes Unternehmen sind wir gegen eine Frauenquote.” Bewerbungen junger Ingenieurinnen sind eher die Ausnahme. Bundesweit befindet sich bei Aurubis zwar keine Frau im Vorstand, auf den Ebenen darunter sind es mit 16 weiblichen Führungskräften jedoch immerhin rund sieben Prozent. „Wir stellen nach Qualifikation ein”, begründet Hessling. „Es darf nicht dahin gehen, dass wir eine Frau mit schlechterer Qualifikation einstellen, um eine Quote zu erfüllen.”

Anderswo sind Frauen gefragter - oder besser gesagt: Sie sind häufiger vertreten. Im Bethlehem-Gesundheitszentrum, zweitgrößter Arbeitgeber und mit jährlich 175 „Azubi” größter Ausbilder in der Kupferstadt, sind rund 80 Prozent der 897 Mitarbeiter weiblich. So arbeiten 93 Prozent der Frauen in der Pflege, von 105 Ärzten sind knapp die Hälfte Doktorinnen. Auf den Führungsebenen sieht es jedoch anders aus: Bei den Oberärzten sind 25 Prozent weiblich, bei den Chefärzten 28 Prozent.

„Das Denken öffnen”

Helmut Drummen sieht dennoch eine positive Entwicklung: „An den Zahlen lässt sich erkennen, dass wir schon seit geraumer Zeit intensiv an dem Thema arbeiten”, erklärt der Bethlehem-Personalchef. Und er fügt hinzu: „Es ist nur bedingt hilfreich, Quoten zu fordern, wenn sich das Denken und die Rahmenbedingungen nicht öffnen.” Das hat auch Saint-Gobain Glass mit Sitz in Stolberg erkannt.

Mit verschiedenen Programmen, zum Beispiel Angebote zur Beaufsichtigung von Kindern, will die Firma ihren Mitarbeiterinnen entgegenkommen und ihnen eine Perspektive auch auf Führungspositionen ermöglichen. In den vergangenen Jahren habe man zunehmend Ingenieurinnen eingestellt und „gute Erfahrungen mit Frauen in Führungspositionen gemacht”, sagt Personaldirektor Reinhard Runte.

Trotzdem: „Wir sind keine Befürworter, Quoten gesetzlich festzulegen”, erklärt Runte. Am Stolberger Standort arbeiten derzeit elf Führungskräfte, drei davon sind weiblich. Der Gesamtanteil von Mitarbeiterinnen im Betrieb sei mit acht Prozent erfreulich hoch, wenn man bedenke, dass es Frauen bis vor Kurzem wegen der Nachtdienste noch verboten gewesen sei, im Produktionsbetrieb zu arbeiten.

Bestens gerüstet

Auch bei Aurubis hat man in den vergangenen Jahren mehr Frauen eingestellt. Derzeit werde eine Mitarbeiterin im Rahmen der normalen innerbetrieblichen Förderung zur Führungskraft aufgebaut - wenn auch nicht in Stolberg, sondern in Hamburg, erklärt Firmensprecherin Hessling.

Sollte die Frauenquote dennoch einmal beschlossene Sache sein, wäre die kupferstädtische Firma Espri Primärverpackungen bestens gerüstet: Das Unternehmen besteht zu 100 Prozent aus weiblichem Personal. Hans Mayer-Uellner hingegen betrachtet die Lage skeptisch: „Wenn die Quote tatsächlich käme, dann müssen Sie als Vorstand in großen Unternehmen Putzfrauen einstellen, weil sich sonst keiner zur Verfügung stellt.”
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