Fortschreitender Verfall von Geist und Körper

Von: Dirk Müller
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Spontanes Spiel mit dem Publikum und spitze Pointen garantieren Lacher und Szenenapplaus: Jürgen H. Scheugenpflug präsentiert Auszüge seines Kabarettprogramms „Rock am Stock” am Alter Markt. Foto: D. Müller

Stolberg. Nein, am Stock geht Jürgen H. Scheugenpflug nicht, weder körperlich noch geistig. Das bewies der 54-jährige, „aber medikamentös perfekt eingestellte”, Kabarettist jetzt in der Gaststätte „The Savoy” am Alter Markt.

Frisch und fröhlich präsentierte er Auszüge seines Programms „Rock am Stock”, das sich zum Teil mit dem fortschreitenden Verfall von Geist und Körper befasst. Der „große Fan von Juppi Heesters” glänzte dabei durch sein spontanes Spiel mit dem Publikum, das er humoristisch erstklassig bediente, allerdings auch forderte.

„Guck mich an, wenn ich mit Dir rede!” oder „Pass auf, was ich sage! Kerl, ich hab drei Monate an dem Satz getüftelt,” ging er die Gäste auch forsch an, erntete aber reichlich Lacher und Szenenapplaus für die direkte Ansprache. Scheugenpflug lobte seine Heimatstadt Wuppertal als äußerst tolerant: „Bei uns verkaufen türkische Gemüsehändler holländische Tomaten und griechische Imbissbetreiber zahlen Schutzgeld an lustige Bosnier.”

Er spekulierte über transsexuelle Aufgüsse in der Damensauna, hielt ein ergreifendes Plädoyer für das uneingeschränkte Recht der Männer auf stehendes Urinieren und machte seiner Enttäuschung darüber Luft, dass in Parkhäusern auf den Frauenparkplätzen meist nur Autos stehen.

Bewegende Fragen wie „Was ist ekelhafter? Abgehalfterten Pseudostars im Dschungelcamp beim Verspeisen lebendiger Maden zuzuschauen, oder Dirk Bach beim Moderieren?” ließ Scheugenpflug wohlweißlich unbeantwortet und berichtete stattdessen von seiner Kindheit, die er in einem Wuppertaler Laufstall fristete: „Sonntags versammelten sich dann immer alle Verwandten um das Gehege.”

Besonders stark strapazierten seine Abhandlungen zum Thema „Holland” die Zwerchfelle des amüsierten Publikums. Laut Scheugenpflug habe der Holländer die seltene Gabe, verblüffend echt aussehende Gemüseimitationen züchten zu können, um sie dann auf dem internationalen Markt zu verscherbeln. Selbst würden die Holländer sich ausschließlich von Matjesheringen und Vanille-Vla ernähren. „Das ist doch organisiertes Erbrechen”, echauffierte sich Scheugenpflug.

Hinreißend erzählte er die Geschichte des von seiner Frau geplanten romantischen Liebesurlaubs auf Texel, der dank - typisch holländisch - gardinenloser Fenster zu einem heftigen Genever-Gelage mit der schaulustigen Dorfgemeinschaft geriet, und wurde von dem begeisterten Publikum erst nach zwei Zugaben widerwillig von der Bühne gelassen.
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