Flüchtlinge machen auf ihr Schicksal aufmerksam

Von: Laura Beemelmanns
Letzte Aktualisierung:
12137194.jpg
In der Donnerbergkaserne leben aktuell die meisten Flüchtlinge. Ausgelastet ist die Unterkunft allerdings nicht. Es könnten noch einmal so viele Flüchtlinge dort unterkommen, falls dies erforderlich wäre. Foto: Stadt Stolberg
12137467.jpg
Paul Schäfermeier, Leiter des Sozialamtes, hat ein offenes Ohr für Flüchtlinge. Foto: L. Beemelmanns

Stolberg. Rund 20 Flüchtlinge, die in der Notunterkunft an der Donnerbergkaserne untergebracht sind, haben sich am Montag auf den Weg zum Rathaus der Stadt Stolberg gemacht. Ihr Ziel: das Sozialamt. Sie wollten sich Luft machen – und ihre Situation schildern. Denn einige von ihnen seien seit vier Monaten in Notunterkünften untergebracht.

Eigentlich – wie der Name Notunterkunft schon verrät – sollen sie dort maximal ein paar Wochen leben. Denn dann sollen sie nach der entsprechenden Registrierung den Kommunen zugewiesen werden. Warum dies bei den Flüchtlingen bisher nicht der Fall war, muss nun geklärt werden.

Paul Schäfermeier, Leiter des Sozialamtes, hat sich ihrer angenommen: „Wir haben über sehr emotionale Themen gesprochen. Eine Familie berichtete, dass sie ihr Kind auf der Flucht über das Meer verloren hat. Wir haben zugehört und überlegt, was wir nun tun können.“ Schäfermeier habe nach dem Besuch die Bezirksregierung Arnsberg kontaktiert, die für die Zuweisungen der Flüchtlinge auf die Städte und Kommunen zuständig ist, und von dem Gespräch berichtet.

Selbst eine Entscheidung treffen, wie es für die Flüchtlinge weitergehe, könne die Stadt Stolberg nicht. Dafür sei die Bezirksregierung zuständig. Schäfermeier wolle sich jedoch für eine gemeinsame Lösung starkmachen.

Die Zahl der Flüchtlinge und Migranten, die nach Deutschland kommen, war in den vergangenen Wochen deutlich niedriger als noch Ende des vergangenen Jahres oder zu Beginn dieses Jahres. „Die Zahlen sind sehr zurückgegangen. Wir befinden uns gerade in einem ruhigeren Fahrwasser“, sagt ein Sprecher der Bezirksregierung Arnsberg. Und das bleibt natürlich auch in den Kommunen nicht unbemerkt.

In Stolberg habe sich die Situation in den vergangenen Wochen deutlich entspannt, wenn man das denn in diesem Zusammenhang überhaupt so sagen kann. Die Verwaltung hatte aber immerhin Zeit, Unterkünfte abzubauen, die momentan nicht benötigt werden, andere vorzubereiten oder besser zu nutzen. Das war auch in anderen Städten der Fall und so wurden einige Flüchtlinge von anderen Notunterkünften in der Region in die Donnerbergkaserne gebracht.

Seit Mitte Januar wurden der Kupferstadt jedoch keine Flüchtlinge mehr zugewiesen. „Wir haben die Zeit genutzt, um regelzugewiesene Flüchtlinge, also Asylbewerber, in reguläre Wohnungen zu vermitteln“, sagt Schäfermeier. Es sei eine Verschnaufpause gewesen, die es ermöglichte, die Wohnungen zu suchen und die Umzüge zu organisieren. Schäfermeier hat die Entstehung der Unterkünfte und natürlich auch die Flüchtlinge von Anfang an begleitet und ist nahezu wöchentlich auch vor Ort.

Für die Umzüge von den Unterkünften in Wohnungen wurden städtische Gebäude zur Verfügung gestellt und auch Wohnraum von der Stadt angemietet. Die Flüchtlinge wurden dezentral in den verschiedenen Stadtteilen untergebracht, damit sie dort sozialen Anschluss finden können, und stehen zum Teil in einem ganz normalen Mietverhältnis. Dort müssen sie nun auf den Ausgang ihres Asylgesuches warten, können aber bis dahin immerhin ein relativ normales Leben führen.

Die von der Landesregierung zugeführten 250 Flüchtlinge, die erst noch den Asylantrag stellen müssen, leben zurzeit in der Unterkunft an der Donnerbergkaserne. Wenn die Anträge auf den Weg gebracht sind, werden sie vermutlich im Raum Düsseldorf/Köln untergebracht, vermutet Schäfermeier. Denn dort sei das Kontingent, das durch den sogenannten Königsteiner Schlüssel ermittelt wurde, noch nicht erschöpft.

Mit dem Königsteiner Schlüssel wird festgelegt, wie viele Asylsuchende ein Bundesland aufnehmen muss. Dies richtet sich nach Steuereinnahmen und der Bevölkerungszahl. Die Quote wird jährlich neu ermittelt. Im Jahr 2015 hatte das Land NRW die höchste Quote und Bremen die niedrigste Quote Asylsuchende aufzunehmen. Ähnlich wird es dann auch für die Städte berechnet. Und Köln oder Düsseldorf seien laut dieser Rechnung eben noch nicht ausgelastet.

Dadurch, dass die Asylbewerber nun in Wohnungen leben, konnten einige Notunterkünfte aufgelöst und abgebaut werden. Bereits Ende Februar verließen die dort noch verbliebenen Flüchtlinge die Turnhalle der Propst-Grüber-Schule. Dort stehen zwar noch Betten für 120 Menschen, diese seien aber als „Puffer“ gedacht. Falls es noch einmal dazu komme, relativ spontan viele Menschen aufnehmen zu müssen, wolle man vorbereitet sein. „Es wird auch wieder einen Anstieg geben, nur können wir derzeit nicht abschätzen, wann und wie viele Menschen kommen werden“, sagt der Sprecher der Bezirksregierung Arnsberg. Am 30. April werde zudem die Unterkunft am Berufskolleg Simmerath-Stolberg an der Straße Am Obersteinfeld aufgelöst. Dort könne dann auch wieder Schulsport betrieben werden. Die Schule musste die Halle der Städteregion kurzerhand als Notunterkunft zur Verfügung stellen. Monatelang konnte dort kein Sportunterricht stattfinden. Das werde sich ab Mai wieder ändern, sagt Schäfermeier.

Zudem sei keine Unterkunft komplett ausgelastet. Auch an der Donnerbergkaserne gäbe es noch Kapazität. Ebenso in den Unterkünften am Kelmesberg und der Wiesenstraße. Zurzeit nutze man die entspanntere Lage nicht mehr nur dazu, um Wohnraum zu suchen, sondern auch, um gemeinsam mit den vielen Ehrenamtlern Sprachkurse zu etablieren oder die Kinder auf spielerische Art an die deutsche Sprache heranzuführen. Auch Patenschaften gebe es viele und zudem etliche Angebote der sozialen Einrichtungen in Stolberg.

Ein neuer Aspekt sei die Rückkehrerberatung, sagt Schäfermeier. „Es gibt Menschen, die sich das Leben hier anders vorgestellt haben und wieder zurück in ihr Heimatland möchten“, sagt er. Das seien nicht sehr viele, aber auch da versuche die Stadt Stolberg zu helfen und den Flüchtlingen zu erklären, wie sie ihre Rückkehr am besten organisieren.

Ob noch einmal Flüchtlinge nach Stolberg kommen und wann, das wisse auch Schäfermeier nicht. Bislang habe es keinerlei Hinweise von der Bezirksregierung gegeben. Wenn es dann noch einmal so laufen würde wie bisher, dann sei er aber zufrieden. „Wir haben das gut hinbekommen. Das lag sicher auch daran, dass wir zum Teil Monate zuvor schon angefangen haben, die möglichen Unterkünfte zu begutachten und auszustatten“, sagt der Leiter des Sozialamtes. Und dies habe man nun vorsorglich wieder getan.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert