Stolberg-Vicht - Fischbach: Das Mauerwerk soll einem Damm weichen

Fischbach: Das Mauerwerk soll einem Damm weichen

Von: Sarah-Lena Gombert
Letzte Aktualisierung:
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Gisela Heinen von der Unteren Wasserbehörde kontrolliert den Fischbach, der 2014 über die Ufer trat.
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Bei der Gewässerschau gleicht Gisela Heinen die Gegebenheiten vor Ort mit dem vorhandenen Daten- und Kartenmaterial ab.

Stolberg-Vicht. Ein kleiner Fußweg mit einer kleinen Brücke verbindet die Eifelstraße in Vicht mit der Johannesstraße, die auf der Höhe des Altenheims nicht mehr ist als ein Pfad für Fußgänger. Wer den Hang hinauf will, muss den Fischbach überqueren, der an einem sonnigen Montagmorgen ruhig vor sich hinplätschert.

„Man kann sich das kaum vorstellen“, sagt Ludwig Kniprath, „aber wenn es stark regnet, sieht das hier ganz anders aus.“ Kniprath ist Gebietsingenieur beim Wasserverband Eifel Rur (WVER) und an diesem Vormittag mit Gisela Heinen von der Unteren Wasserbehörde in Vicht unterwegs – zur Gewässerschau.

„Bei der Gewässerschau sehen wir uns beispielsweise einen Bach wie den Fischbach von der Quelle bis zur Mündung an und dokumentieren auffällige oder problematische Stellen, die in dieser Form noch nicht bekannt sind“, erklärt Gisela Heinen. Das können zum Beispiel Rohre sein, die von irgendwo her in das Gewässer ragen. „Dann gilt es zu klären, woher genau das Rohr kommt, welches Wasser dort abgeleitet wird – und auch, ob das Rohr in dieser Form genehmigt ist“, sagt Heinen.

Gleiches gilt für Brücken, Stege oder andere Bauwerke in direkter Umgebung des Fischbachs – so zum Beispiel eine Gabionenmauer, die direkt ans Gewässer angrenzt und aussieht, als sei sie jüngeren Datums. „Wir müssen an solchen Stellen nachprüfen, ob eine Genehmigung vorliegt“, erklärt Gisela Heinen. Im Zweifelsfall nehme man dann Kontakt zu den Grundstückseigentümern auf.

Mit Gummistiefeln, Kamera und Kartenmaterial sowie GPS-Sender ausgestattet waten Heinen und Kniprath bachaufwärts, finden ab und an Äste oder Kanthölzer im Bett des Gewässers, die einen kleinen Rückstau verursachen. Kniprath erklärt: „Solche Sachen müssen wir entfernen lassen, denn diese Barrieren können im Falle eines Hochwassers ganz schnell für Probleme sorgen.“

Das war zum Beispiel im Juli 2014 der Fall, als nicht nur die Vicht, sondern auch der kleine Bach über die Ufer trat und im Ort eine Menge Keller flutete. Die Stolberger Feuerwehr hatte alle Hände voll zu tun. Das Altenheim an der Eifelstraße musste evakuiert werden und im Anschluss mehrere Wochen lang saniert. „Es ist ein Glück, dass es seinerzeit nur Sachschäden zu beklagen gab“, sagt Ludwig Kniprath.

Bis zu diesem Hochwasserereignis hatten dem zuständigen WVER gar keine Daten über den Fischbach vorgelegen. Es ist aber notwendig zu wissen, wie das Fassungsvermögen an jeder einzelnen Stelle aussieht, um daraufhin zu entscheiden, ob in Sachen Hochwasserschutz etwas unternommen werden muss. In den vergangenen beiden Jahren wurde der Bach vermessen und es wurden Modelle erstellt. Schnell wurde klar: Es muss bauliche Veränderungen geben, um ein Hochwasser wie 2014 besser verhindern zu können.

Während ihrer Tour durch den Ort bekommen WVER und untere Wasserbehörde immer wieder Gesellschaft von Vichtern. Alfred Kohn erklärt, dass es immer wieder mal zu nassen Kellern komme – auch, weil der Grundwasserpegel recht hoch liege. „Elektrogeräte wie die Waschmaschine sollte man besser aufbocken, damit man keine böse Überraschung erlebt, beispielsweise nach der Rückkehr aus einem Urlaub“, so Kohn.

Auch die Anlieger der Eifelstraße, deren Grundstücke direkt an den Fischbach grenzen, scheinen sich selbst gegen eventuelle Hochwasser geholfen zu haben: Ein bisweilen recht abenteuerliches Bauwerk aus Betonsteinen und Sandsäcken schützt die Gärten, Parkplätze und Häuser. „Man kann die Anwohner ja durchaus verstehen – aber das wird in Zukunft nicht so bleiben“, kündigt Ludwig Kniprath an.

Das Mauerwerk Marke Eigenbau soll entfernt werden. Stattdessen soll ein Damm errichtet werden, der das Wasser von den Grundstücken fernhält. Wie so ein Damm aussehen kann, sieht man ein kleines Stückchen weiter bachabwärts, wo ein kleiner Weiher an den Fischbach grenzt. Auch müssen Bäume, die entlang des Ufers wachsen, teilweise weichen. „Die Wurzeln der Bäume sind das Problem“, erläutert Ludwig Kniprath. Werden diese zu stark, würde das Erdreich am Ufer zu sehr aufgelockert. Außerdem bestünde die Gefahr, dass der Baum kippt und das Wasser sich schnell aufstaut.

„Wir befinden uns derzeit noch in Gesprächen mit den Anwohnern“, erklärt Kniprath, ist sich aber sicher, dass sich der WVER mit den Vichtern schnell einig wird – der Hochwasserschutz sei ja auch im Sinne der Anwohner. Auch die kleine Brücke, die die Eifelstraße mit der Johannesstraße verbindet, kann in dieser Form nicht weiter bestehen: „Der Durchlass ist im Falle eines Hochwassers zu klein“, sagt Kniprath. Das Bachbett muss an der Stelle erweitert, die Brücke angehoben werden. Einen genauen Zeitplan für die Baumaßnahmen gibt es laut WVER noch nicht. Man hoffe aber auf eine zeitnahe Umsetzung, erklärt Kniprath.

Bei der Gewässerschau wird aber auch deutlich, dass eventuelle Hochwasser nicht das einzige Problem des kleinen Fischbachs sind. Immer wieder wird das natürliche Bachbett durch Sohlschalen aus Beton ersetzt. „Eine Renaturierung des Bachs wäre – sofern die umliegende Bebauung das überhaupt zulässt –natürlich wünschenswert.“

Die Gewässerschauen im Stadtgebiet Stolberg laufen noch mehrere Tage: Am Mittwoch und am Donnerstag wird jeweils ab 9 Uhr die Vicht begutachtet. Wer mag, kann am Mittwoch an den Kreisverkehr Münsterbachstraße/Eschweilerstraße kommen oder am Donnerstag an die Brücke an der Kurt-Schumacher-Straße/L12.

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