Stolberg - Firma Schwermetall: Energiekosten sind das große Sorgenkind

Firma Schwermetall: Energiekosten sind das große Sorgenkind

Von: Michael Grobusch
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Blickt trotz diverser Unabwäg
Blickt trotz diverser Unabwägbarkeiten grundsätzlich optimistisch in die Zukunft: Schwermetall-Geschäftsführer Dirk Harten. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Von einem Frühlingshoch zu sprechen, wäre zwar angesichts der Temperaturen der vergangenen Tage naheliegend. Im Fall der Firma Schwermetall trifft das allerdings nur sehr bedingt den Punkt.

Eher schon kann festgestellt werden, dass Unwetter ausgeblieben sind und sich das Unternehmen aus Breinigerberg nach einem stürmischen Herbst nunmehr seit einigen Monaten einer ruhigen Allgemeinwetterlage erfreut. „Wir haben uns auf einem niedrigeren Niveau stabilisiert”, stellt Dirk Harten fest. Und das ist doch schon mal was in Zeiten, in denen hohe Energie- und Metallpreise, unsichere Wirtschaftsprognosen und spürbare Auftragsrückgänge in Südeuropa, Asien und Nordamerika für so manche Unabwägbarkeit sorgen.

„Turbulente Zeiten” sind vorbei

Wenn der Geschäftsführer des Halbzeugwerkes die Entwicklung der vergangenen dreieinhalb Jahre betrachtet, droht er immer noch vom Schwindel befallen zu werden: Dem durch die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise bedingten Einbruch folgte ein nicht minder rasanter Aufschwung. Harten spricht von „turbulenten Zeiten” und ist deshalb froh, dass das Jahr 2011 insgesamt deutlich ruhiger verlaufen ist. Dabei war die Ruhe nach dem üblichen Sommerloch allerdings zu stark ausgeprägt.

„Bis tief in den November hinein hatten wir eine deutlich schwächere Nachfrage als erwartet”, blickt der Geschäftsführer zurück. Erst danach hätten Nachfrage und damit auch Um- und Absatz wieder angezogen. Für das Geschäftsjahr 2010/11 stehen unterm Strich 202.000 produzierte Tonnen Vorwalzbänder. Das sind zwar 7000 Tonnen weniger als im Vorjahreszeitraum, ein positives Ergebnis erzielte Schwermetall, dessen Gesellschafter zu je 50 Prozent die Aurubis AG und die Wieland-Gruppe sind, dennoch.

Für 2011/12 ist „eine leichte Steigerung zum Vorjahresniveau” geplant. „Derzeit liegen wir allerdings zehn Prozent unter den Zielzahlen”, räumt Dirk Harten ein.

Dabei ist es weniger die Auftragslage, die ihm Sorge bereitet. „Wir haben unser Portfolio stark verbreitert. Früher haben wir nur Kupfer und Messing gemacht. Heute bieten wir weitaus komplexere Anwendungen in höchster Qualität an”, so der Geschäftsführer. Vielmehr macht die Entwicklung der Energiepreise der Firma Schwermetall wie allen energieintensiven Unternehmen zu schaffen. „Energie muss bezahlbar und sicher bleiben”, fordert Harten, der nicht nur bei der Preisentwicklung, sondern auch bei der Netzstabilität Fragezeichen setzt.

„Als Folge der Atomkatastrophe in Fukushima wurden sieben Grundlastkraftwerke vom Netz genommen. Darin besteht ein großes Risiko für die Versorgungssicherheit”, fürchtet Harten. Ein sogenannter „Black out” könnte für Schwermetall verheerende Folgen haben. „Bei einem längeren Stromausfall laufen wir Gefahr, dass uns die Schmelzen und Flüssigkeiten in unseren Gießanlagen erstarren. Dies würde zu massiven Schäden führen.” Um das Risiko zu minieren, hat das Unternehmen 200.000 Euro in Notstromaggregate investiert. „Damit können wir uns zumindest einigermaßen schützen”, hofft Dirk Harten.

Solarenergetische Anlagen zur Kompensation der Preissteigerungen kommen in Breinigerberg nicht in Betracht. „Wir haben einen Jahresverbrauch von rund 100 Millionen Kilowattstunden. Solaranlagen wären da nur ein Tropfen auf den heißen Stein.”

Stattdessen setzt das Unternehmen auf weitere Energie-Einsparungen. „Dem sind natürlich Grenzen gesetzt”, verweist Harten darauf, dass in diesem Bereich seit Jahren große Anstrengungen unternommen worden seien. Vier bis fünf Millionen Euro investiert Schwermetall pro Jahr. Eine der jüngsten Anschaffungen ist ein neuer Schachtofen. Er lässt sich alternativ mit Strom oder Gas betreiben.

Sparpotenzial beim Personal sieht Dirk Harten hingegen kaum. „Wir gehen nicht mit der Lupe durch den Betrieb und schauen, wo wir Personalkosten sparen könnten”, erklärt Harten, der seine 260-köpfige Belegschaft sehr schätzt: „Eine unserer ganz großen Stärken ist, dass wir sehr qualifizierte und flexible Mitarbeiter haben.” Das gilt auch für den Nachwuchs: „Vier Auszubildende mit zum Teil hervorragenden Ergebnisse haben gerade ausgelernt und sind alle übernommen worden.”

Hoffen auf positive Effekte der Luvata-Übernahme

Positive Effekte erhofft sich Dirk Harten von der am 1. September 2011 vollzogenen Übernahme der Walzsparte der Luvata-Gruppe durch die Aurubis AG. „Dadurch können sich neue Kundenbeziehungen ergeben. Es gibt Walzwerke in den Niederlanden, Schweden, Finnland und den USA, die bisher nur geringe Mengen von Schwermetall bezogen haben. Derzeit werden neue Liefermöglichkeiten diskutiert.” Eine Entscheidung hierzu fällt voraussichtlich im Sommer.

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