Filmstadt Stolberg: Burg wird zur Grusel-Kulisse

Von: Leona Otte
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Kamera ab beim schaurigen Filmdreh auf der Stolberger Burg: Für ein Gruseldinner zum Thema „Dracula“ ist in Stolberg ein aufwendiger Trailer produziert worden. In einer Szene wirft die Wahrsagerin Levente (Susanne Anders) einen Blick in Jonathan Harkers düstere Zukunft. Foto: L. Otte
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Graf Dracula (Jan-Markus Dieckmann) thront im seinem Turmzimmer auf der Stolberger Burg. Foto: L. Otte

Stolberg. Wenn die Nacht anbricht und sich die Dunkelheit wie ein Schleier über die Stadt legt, tut sich etwas hinter den Mauern der Stolberger Burg. Sie liegen auf einer Stuhllehne aus einer längst vergangenen Zeit. Weiße dürre Hände. Ein Schatten seines knochigen Selbst zeichnet sich an den Wänden ab, während die blutroten Augen ins Feuer blicken. Stille erfüllt den Raum. Doch plötzlich: „Cut!“

Matti Lehtinen nimmt Abstand zu seiner Kamera. Der Regisseur hat die Sequenz im Kasten. Die Aufnahme ist eine von insgesamt acht Szenen eines Trailers, der nun auf der Stolberger Burg sowie im Burghoftheater gedreht wurde – zum Gruseldinner „Dracula“. In Deutschland ist das Gruseldinner eines der Theatererlebnisse der besonderen Art. Zuschauer haben nicht nur einfach die Möglichkeit, die vierstündigen Vorstellungen zu besuchen, sondern auch Teil des Geschehens zu werden. Wobei sie zwischen den Szenen mit einem Vier-Gang-Menü verwöhnt werden. Der jetzt gedrehte Trailer soll vor allem eines, schaurig-schöne Anreize schaffen.

Es ist circa 17 Uhr, kurz vor Drehbeginn. Die Produzentin des Gruseldinners, Stefanie Otten, die heute die künstlerische Leitung übernimmt, schwirrt mit ihrem fünfköpfigen Schauspielerteam durch die Burg und trifft die letzten Vorbereitungen für das erste Set. In einem der Turmzimmer werden die Fenster abgedunkelt, Kerzen richtig positioniert und die Lichtverhältnisse eingestellt. Schließlich müssen alle Details stimmig sein, damit die Kulisse authentisch wirkt. Nicht neumodisch, eher ganz klassisch. Dann fällt die erste Klappe.

Der Inhalt des Stückes fußt recht lose auf Abraham Stokers gleichnamigen Roman aus dem Jahr 1897: Es geht darum, dass der finstere Dracula auf die Wiedergeburt seiner ermordeten Frau wartet. Als er auf den Immobilienmakler Jonathan Harker trifft, findet er diese in dessen Verlobten, Mina Murry, wieder. Und der unsympathische Blutsauger will sie, wie könnte es anders sein, natürlich zurückbekommen.

Burg ist ideal als Drehort

Für den Dreh des Trailers stellte die Burg in Stolberg den idealen Ort dar: alt, geheimnisvoll, unheimlich. Der Grund, warum das Gruseldinner-Ensemble unbedingt hier die Aufnahmen machen wollte: „Wir haben zuvor bei der Stadt nachgefragt, das Projekt vorgestellt und anschließend die Dreherlaubnis bekommen. Das war alles superunkompliziert“, beschreibt Stefanie Otten die Entwicklung bis hierher. Mit Requisiten und der Technik im Gepäck reisten sie aus verschiedenen Teilen Deutschlands an und fanden auf Anhieb die passenden Schauplätze für ihr Vorhaben.

Während im Turmzimmer die Aufnahmen zusammen mit den Schauspielern Susanne Anders und Ben Rollmann laufen, sitzt Jan-Markus Dieckmann noch in der Maske. Eine gewisse Ironie schwingt mit, als sich Dieckmann, der Dracula spielt, in den Finger schneidet und die Blutung partout nicht aufhören will zu stoppen. Ärgerlich für den 39-Jährigen, denn er muss trotzdem weitermachen. Mit einer Stunde Arbeit ist das Dracula-Make-up das Aufwendigste von allen: „Im Vergleich zur Schminke auf der Bühne ist das gar nichts, weil die Kamera das Vermögen mitbringt, vielmehr mitzunehmen“, sagt der Schauspieler und zieht die Konturen seiner Grundierung nach.

Das zweite Set ist fertig. Draußen vor den alten Mauern wird ein Eingangstor mit Scheinwerfern angestrahlt, die Glocken der anliegenden Kirche läuten durch die Nacht. Regisseur Matti Lehtinen gibt letzte Instruktionen. Dabei wird jede Bewegung der Schauspieler durchgesprochen. Gefilmt werden soll eine Szene, in der Jonathan Harker (Ben Rollmann) Einlass ins Schloss erhält. „Action“, sagt Lehtinen jetzt mittlerweile schon zum neunten Mal. Nicht weil vorherige Aufnahmen nichts geworden sind, sondern weil der Regisseur auf Perfektion bedacht ist. Der zeitliche Aspekt verdeutlicht die Dimensionen, mit denen man es beim Film zu tun hat: Wiederholung auf Wiederholung, zwischendurch immer wieder Pausen, herumalbern, ein gefühlt ewig langer Dreh für nur eine Szene, aus der zum Schluss höchstens fünf Sekunden Material ihre Verwendung finden: „Das gehört dazu“, sagt Ben Rollmann, „wer beim Dreh nicht warten kann, der ist als Schauspieler verloren.“

Erst gegen kurz nach zwei in der Nacht sind alle Szenen im Kasten. Trotz der Anstrengungen zeigt sich Stefanie Otten, die den Abend über mit ihrer positiven Energie alle Mann auf Trapp hält, auch über die Dreharbeiten des Trailers hinaus zufrieden: „Er ist gut geworden. Neugierde zu erwecken, das lag uns damit am Herzen. Und oft ist es schöner, wenn man bewegte Bilder mit Musik untermalt hat als nur reinen Text oder Fotos“, äußert die Produzentin.

In ausgesuchten Spielstätten in ganz Deutschland ist das Gruseldinner-Ensemble mit den Stücken „Jack the Ripper“, „Die Experimente des Dr. Frankenstein“, „Dr. Jekyll & Mr. Hyde“ sowie „Dracula“ unterwegs. Wer in Zukunft hautnah dabei sein möchte, kann zumindest bald, durch den Trailer auf der Website des Gruseldinners, schon mal einen Blick riskieren – in die schaurig-schöne Welt des Grafen Dracula. Und erkennt vielleicht den ein oder anderen Schauplatz auf der Burg wieder.

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