Feuerwerk weckt in Flüchtlingen böse Erinnerung

Von: Ottmar Hansen und Laura Beemelmanns
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Stolberg. Viele der Flüchtlinge, die derzeit in den Unterkünften in der Kupferstadt untergebracht sind, haben noch nie in ihrem Leben ein Silvesterfeuerwerk miterlebt.Damit sie, die ja größtenteils aus Kriegsgebieten geflohen sind, durch das Abbrennen der Böller nicht zu Tode erschreckt werden, haben Stadt und Bezirksregierung Vorschriften zu ihrem Schutz erlassen.

Den Feuerwehren steht zum Jahreswechsel fast überall die arbeitsreichste Nacht des Jahres bevor. Den Großteil der Einsätze machen Brände aus, oft ausgelöst durch Feuerwerkskörper. Die Gefahr sollte auch in Stolberg nicht unterschätzt werden.

In den europäischen Ländern wird der Jahreswechsel um Mitternacht meist mit Silvesterraketen, Böllern und Glockengeläut gefeiert. Das Feuerwerk sollte nach früheren religiösen Vorstellungen „böse Geister“ vertreiben und drückt an Silvester auch Vorfreude auf das neue Jahr aus.

Doch wer aus Kriegsgebieten kommt, verbindet mit den lauten Knallgeräuschen nicht unbedingt Vorfreude auf irgendetwas. „Die Bezirksregierung hat dem Deutschen Roten Kreuz, das ja unsere Sammelunterkunft für Flüchtlinge an der Propst-Grüber-Schule betreibt, Verhaltensregeln an die Hand gegeben“, sagt Martina Harperscheidt, Stellvertretende Leiterin des städtischen Sozialamtes. „Demnach ist es verboten, auf dem Gelände der Unterkunft Feuerwerkskörper abzubrennen.“

Das bedeutet: Die Flüchtlinge dürfen auch keine Silvesterknaller oder Raketen mit in die Unterkunft nehmen. Und sie dürfen dort auch keine Knaller hochgehen lassen. „Einige Flüchtlinge kennen aus ihrer Heimat auch den Brauch, das neue Jahr mit einem Feuerwerk zu begrüßen. Andere Flüchtlinge aber auch nicht, so Martina Harperscheidt. „Das sind traumatisierte Menschen, die sich nicht an kriegsähnliche Zustände erinnert fühlen sollen.“

Die Stadt will den Flüchtlingen, die ein Feuerwerk kennen, aber auch nicht gänzlich die Möglichkeit nehmen, sich an diesem Brauch zu beteiligen. „Wer unbedingt will, kann sein Feuerwerk abbrennen. Er muss dazu aber das Gelände der Sammelunterkunft verlassen“, so Harperscheidt. Die Flüchtlinge hätten deshalb Anleitungen in verschiedenen Sprachen an die Hand bekommen, wie man ein Feuerwerk entzündet, ohne sich in Gefahr zu bringen, sagt die Vize-Amtsleiterin. Für alle Fälle könnten sich die Flüchtlinge das Verfahren aber auch noch einmal von Ansprechpartnern erklären lassen. Die Sozialarbeiter hätten mit den Flüchtlingen zuletzt auch über dieses Thema gesprochen. Harperscheidt: „Wir sind für die Silvesternacht gewappnet.“

Aber nicht nur Flüchtlinge sollten sorgsam mit den Silvesterböllern umgehen. Feuerwerkskörper und Raketen sind Sprengstoff. Jugendliche unter 18 Jahren sollten damit besser nicht hantieren, warnt die Feuerwehr auf Städteregionsebene. Kreisbrandmeister Bernd Hollands weist darauf hin, dass viele nicht geprüfte Knallkörper illegal eingeführt oder auch selbst gebastelt werden. Sie stellen naturgemäß ein besonderes Risiko dar. Hollands: „Vor allem Minderjährige sind von Feuerwerkskörpern fasziniert. Erwachsene sollten daher mit ihren Kindern über die Gefahren reden. Wer umsichtig und verantwortungsvoll mit Böllern umgeht, kann als Vorbild so manche schwere Verletzung verhindern.“

Damit auch wirklich nichts schiefgeht beim Anzünden des Feuerwerks, hat auch die Stolberger Feuerwehr vor Ort einige Tipps veröffentlicht, die aber vor dem Anzünden unbedingt beachtet werden sollten:

- Lesen Sie die Gebrauchsanweisungen der Hersteller genau durch und beachten Sie diese Anweisungen !

 - Verwenden Sie nur Feuerwerk mit einer Zulassung der Bundesanstalt für Materialprüfung, mit einem deutschen Prüfzeichen auf der Verpackung.

- Weisen Sie Ihre Kinder auf die Gefahren beim Umgang mit Feuerwerkskörpern hin. Achten Sie auf die Einhaltung der Altersvorschriften.

- Halten Sie Fenster und Türen zur Jahreswende geschlossen, damit keine Raketen in Ihre Wohnung fliegen können.

- Feuerwerk nur im Freien mit ausreichendem Abstand zu Menschen, Tieren und Gebäuden abbrennen.

- Pyrotechnische Gegenstände nicht in Türen und Fenstern oder auf Dächer werfen.

- Starten Sie Raketen nur senkrecht aus standsicheren Flaschen, z.B. aus Getränkekisten oder aus eingegrabenen Rohren.

- Wenn Feuerwerkskörper nicht zünden oder versagen, nicht nachkontrollieren oder nachzünden, sondern mit Wasser übergießen, um unkontrolliertes Zünden zu verhindern.

- Lassen Sie Wunderkerzen von Ihren Kindern nur im Freien und unter Aufsicht abbrennen.

Kreisbrandmeister Bernd Hollands gibt den Fans des Silvesterbrauches mit auf den Weg: „Wenn sich alle an die grundlegenden Tipps halten, können Brände und schwere Verletzungen in den meisten Fällen verhindert werden. Und dann kann in der Silvesternacht auch unbeschwert gefeiert werden.“

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