Feuerwache: Acht Minuten, die über alles entscheiden

Von: Laura Beemelmanns
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Die Schaltstelle: Jeder Notruf und jede Meldung einer Brandmeldeanlage gehen erst einmal in der Einsatzzentrale der Feuerwehr ein. Von hier aus werden die Notrufe koordiniert. Alex Ganser arbeitet im 24-Stunden-Dienst. Am darauffolgenden Tag wird er abgelöst. Foto: L. Beemelmanns
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Die Kleidung: Im Ausrüstungsraum ist alles für den Ernstfall vorbereitet. Helme, Jacken, Stiefel, Hosen – alles, was benötigt wird, ist in diesem Raum. Die Hosen werden dabei schon über die Stiefel bestülpt. Das spart Zeit. Foto: L. Beemelmanns
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Die Werkstatt: Reparaturen, die die Feuerwehr selbst leisten kann werden in der Hauptwache in der Straße „An der Kesselschmiede“ vorgenommen. Foto: L. Beemelmanns
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Die Reinigung: Da nach Einsätzen der Feuerwehr oft Ruß oder giftige Materialien auf die Kleidung geraten, müssen diese fachmännisch gereinigt werden. Auch hierfür gibt es einen eigenen Raum. Foto: L. Beemelmanns
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Michael Konrads (links), Sprecher der Feuerwehr Stolberg, und deren Leiter Andreas Dovern (rechts) haben ein „leistungsfähiges Team“ hinter sich. Denn wenn es brennt, zählt jede Minute. Foto: L. Beemelmanns
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Die Stolberger Feuer- und Rettungswache ist rund um die Uhr im Einsatz. Foto: L. Beemelmanns

Stolberg. Acht Minuten. Gerade einmal acht Minuten darf die Feuerwehr brauchen, um mit neun Feuerwehrleuten dort anzukommen, wo ihre Hilfe dringend benötigt wird. Acht Minuten, die über Leben und Tod, über das Löschen oder die schlagartige Ausbreitung eines Brandes entscheiden können.

Was für einen Nicht-Feuerwehrmann kaum vorstellbar ist, klappt in Stolberg in mindestens 80 Prozent aller Fälle. Und das ist der Wert, der von der Bezirksregierung vorgegeben ist.

Wenn eine Feuerwehr es nicht schaffe, dies zu bewerkstelligen, sei ihre Leistungsfähigkeit nach Ansicht der Bezirksregierung nicht gut genug. Die Stolberger Feuerwehr sei gut genug, sagt Michael Konrads, Sprecher der Feuerwehr. Denn ihr Ziel, die besagten acht Minuten, hätten sie stets vor Augen. „Wir sind eine leistungsstarke Feuerwehr“, sagt Andreas Dovern, Leiter der Feuerwehr Stolberg, und fügt hinzu: „Die Einstellung eines jeden trägt die Feuerwehr“. Und das ist der Schutz von Menschenleben, Tieren und Sachwerten.

Laut der O.R.B.I.T.-Studie, die in den 70er Jahren von der Porsche Aktiengesellschaft unter Mitwirkung der Wibera Wirtschaftsberatung AG mit Sitz in Düsseldorf vorgenommen wurde, liegen die ersten 13 Minuten nach Ausbruch eines Brandes für den Menschen bezüglich der Rauchgasbelastung noch in der Erträglichkeitsgrenze. Nach 17 Minuten muss er in der Regel reanimiert werden. Heiße Brandgase, Rauch und Qualm sind fast immer die Todesursache – noch bevor das Feuer richtig ausgebrochen ist. Nach 18 bis 20 Minuten gibt es den sogenannten Flashover, das bedeutet: Das Feuer verbreitet sich schlagartig. Für eine Rettung der Menschen, die sich noch in den Räumlichkeiten befinden, könnte das bereits zu spät sein.

Aus diesem Grund wird noch während der Notfall telefonisch durchgegeben wird ein Alarm aus der Einsatzzentrale ausgelöst. Viele verschiedene Begriffe existieren dafür – je nachdem, um welche Art von Notruf es sich handelt. Und jeder Feuerwehrmann weiß diese zu deuten. Wird ein Brand gemeldet, schlüpfen die Feuerwehrleute in der Hauptwache in ihre Schutzausrüstung und fahren los. Die Freiwillige Feuerwehr wird ebenso alarmiert und macht sich von den Gerätehäusern der Löschgruppen aus auf den Weg.

Neun Feuerwehrmänner müssen bei einem kritischen Wohnungsbrand oder einem Unfall mit schwer verletzten Personen in diesen ersten acht Minuten vor Ort sein. Vier von ihnen suchen und versorgen die Verletzten, zwei bauen den Löschangriff auf. Hinzu kommen die Fahrer. Mehr Kräfte kommen wenige Minuten später. 13 weitere sollten fünf Minuten später dort sein. Das ist die Forderung der Bezirksregierung, und das habe jeder Feuerwehrmann verinnerlicht, sagt Konrads. „Die Feuerwehr ist kein Hobby, sondern eine Lebenseinstellung“, fügt er hinzu. Denn die Feuerwehr lebt vor allem von ihren Ehrenamtlern. Bei 570 Einsätzen der Feuerwehr und 2700 des Rettungsdienstes bis Ende Juni dieses Jahres werden diese auch dringend gebraucht.

Es gibt in Stolberg 14 Einheiten an 13 Standorten. Insgesamt tätig sind rund 600 Mitglieder. 350 der Kräfte sind in der Einsatzabteilung, 65 von ihnen sind hauptamtlich tätig, helfen teilweise aber auch noch den Freiwilligen und werden somit als rund 20 zusätzliche Kräfte gezählt. Hinzu kommen 80 Jugendfeuerwehrleute und 70 in den musiktreibenden Einheiten sowie die Ehrenabteilung mit rund 80 Personen. Es gibt 38 Fahrzeuge und sieben sonstige Gerätschaften wie beispielsweise Anhänger. Diese müssen gewaschen, gepflegt und repariert werden. Löschzüge gibt es neben der Hauptwache in Atsch, Büsbach, Donnerberg, Mitte, Münsterbusch, Breinig, Dorff, Venwegen, Mausbach, Vicht, Zweifall, Gressenich, Schevenhütte und Werth. Und wenn es brennt, muss die „Behörde Feuerwehr“ mit all ihren Hauptamtlern und Freiwilligen funktionieren.

Um der Forderung der Bezirksregierung nachzukommen, werden daher bei einem Notruf mindestens sechs Feuerwehrleute und der Rettungsdienst von der Hauptwache entsandt. Außerdem werden die Löschzüge alarmiert, die für den Bereich zuständig sind.

Genügend Helfer vor Ort

Da die freiwilligen Feuerwehrleute einem „normalen“ Beruf nachgehen und nicht auf der Wache sind, müssen diese zunächst einmal ihren Arbeitsplatz verlassen, falls dies überhaupt möglich ist, zur Wache fahren und dann los zum Unfallort. Die schnellsten schaffen das – wenn sie nicht gerade sehr weit weg arbeiten – in einem Zeitraum zwischen drei und acht Minuten. Weil zum einen nicht immer alle kommen und zum anderen besagte acht Minuten kaum eingehalten werden können, ruft die Feuerwehr entsprechend viele Kräfte. So soll gewährleistet sein, dass immer genügend Helfer vor Ort sind. Wenn beispielsweise zwei Löschzüge alarmiert werden und alle kommen könnten, dann wären das rund 80 Kräfte. Da man davon ausgeht, dass im Durchschnitt nur jeder Fünfte schnell genug vor Ort sein kann, müssen entsprechend viele zuvor alarmiert werden. „Nach und nach kommen genügend Kräfte. Aber wichtig sind die ersten Minuten. Wenn dann später weitere Feuerwehrleute ankommen, werden sie zum Grundschutz eingesetzt oder lösen die anderen ab“, sagt Konrads.

Manches Mal komme es einem Außenstehenden dann vielleicht so vor, dass zu viele Kräfte im Einsatz wären. Es werde jedoch immer bedarfsgerecht alarmiert. „Wenn es brennt und ein Mensch in Gefahr ist, müssen wir vom Schlimmsten ausgehen“, sagt Konrads. Und außerdem: „Es können nie genug Kräfte vor Ort sein. Wir haben für jeden etwas zu tun.“ Vor allem in diesem Jahr. Denn seit Beginn des Jahres seien die Einsatzzahlen sehr hoch. Eine Erklärung dafür gebe es nicht. „Das ist in ganz Feuerwehr-Deutschland so“, sagt Dovern. Viele Einsätze davon seien „kritisch“, das bedeutet, dass Menschen in Gefahr sind. Und dann müsse man schnell handeln.

Die Feuerwehr Stolberg deckt einen Bereich von rund 100 Quadratkilometern Fläche ab. Die vielen Standorte seien daher sehr wichtig. So sei sichergestellt, dass sie jedes Ziel schnell erreichen. Schnell bedeutet in diesem Fall in acht Minuten. Acht Minuten, die über alles entscheiden können.

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